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Meines Vaters Kriegszeit - für Dudley Fort

Dudley Fort, ein Amerikaner jenseits der 60, hat mich 1998 per E-Mail gefragt, ob ich sein Flugzeug malen wollte. Ich wollte nicht, erwähnte aber, daß mein Vater im Krieg Pilot war. Daraufhin hat Dudley mich immer wieder bedrängt, doch Fotos zu zeigen und Geschichten zu berichten, Fotos von meiner Mutter beizufügen, von mir und meinem Vater jetzt, schließlich diese im Internet zu publizieren. So ist diese Seite entstanden.

Auf seiner Homepage, die seinem italienischen Flugzeug gewidmet ist, hat Dudley einen Link auf diese Seite gelegt mit der Bezeichnung: "A must-see page", eine Seite, die man gesehen haben muß. Das erste Foto hat ihn besonders fasziniert: es sei das schönste Foto, das er je im Internet gesehen habe.


Mein Vater, Alfred Missbach, ca. 22 Jahre alt

Mein Vater Alfred Missbach, geboren 20.12.1920 in Hadersleben, heute Dänemark, aufgenommen im Dezember 1941 nach bestandener Prüfung.

Rückseitig in Sütterlin:
"Der Flugzeugführer in einem Sturzkampfgeschwader Ju 87"

Die Sachen, die er hier trägt, hat er alle aus dem Krieg gerettet; vermutlich hatte er sonst auch nichts. Als Student in Berlin 1966-1969 habe ich die Jacke mit dem Kragen aus Fell-Imitat stolz getragen, bis sie auseinanderfiel.

Die Brille bzw. das Gummi sind durch die Zeit zerstört worden. Sonst hätte ich sie gern auf meinem Motorrad getragen. Die Kappe war viel zu schmal für mich.

Er ist ein bißchen größer als ich (192 / 190 cm), ich bin also ein kleinerer Sohn, aber ich habe einen breiteren Kopf und breitere Schultern. In der heutigen Zeit ist das ziemlich ungewöhnlich (meine Mutter war auch sehr groß, 178 cm, größer als ihre Eltern, und er ist auch erheblich größer als sein Vater, was der Regel entspricht).

Seine Größe hat ihm sehr zu schaffen gemacht, denn eigentlich war er viel zu lang für die (Segel-)Fliegerei und die Luftwaffe. Außerdem war er Brillenträger. Aber irgendwie schaffte er es trotzdem, angefangen vom Modellflugbau über das Segelfliegen bis hin zur Luftwaffe mit Einsätzen in halb Europa - sicher auch wegen seiner großen Begeisterung.

Er hat auch ein Zeugnis einer Fliegerschule aufbewahrt. Es ist nicht besonders vorteilhaft, man kann aus diesem Zeugnis nicht auf seine Zukunft schließen. Aber er schaffte es nicht nur als einer der Wenigen zu überleben, er hat auch tapfer und oftmals tollkühn, auf jeden Fall todesverachtend seine Pflicht getan.

Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch vor wenigen Jahren anläßlich des folgenden Fotos. Ich sah die Zahl von 40 Einsätzen und fragte ihn verwundert, ob das denn erwähnenswert sei; in meiner Vorstellung waren 40 Einsätze nicht viel. Da klärte er mich auf, daß die meisten Kameraden von ihrem allerersten Einsatz nicht zurückkehrten - die Maschinen natürlich auch nicht.

Dudley schrieb: "Your father is a hero", Ihr Vater ist ein Held. Er wollte davon aber nichts wissen.


Ausbildung | Alter
Dora, 40 Einsätze

Notiz rückseitig:

"Meine alte Dora, die mir zu 40 Einsätzen verhalf ist oben in Deckung gerollt worden unsere Sachen haben wir ausgeladen, aber bereits warten neue Bomben
Mein Bordgeschütz hat Hunger und mein Wart sieht Arbeit"


Dora, Fahrwerksverkleidung abgenommen Auf dem Flügel
Notiz rückseitig:
"Die Fahrwerksverkleidung ist ausgebaut,
aber trotzdem wird geflogen
In Turbia Juli 1944"
Polen / Weißrußland
Bildunterschrift:
"Kartenstudium"
Typ A, Schule St. Raphael, Südfrankreich

Frisch dekoriert (EK II, Frontflugspange bronze)

Notiz rückseitig: "Frisch dekoriert"

Bildunterschrift:
"Frisch ausgezeichnet mit EK II
und bronz. Frontflugspange"

EK I

Bildunterschrift:

"Von heute ab schmückt das EK I die Brust."

Er hat seine Lederjacke auch gerettet. Als Student habe ich die auch probiert, sie war aber viel zu eng um die Schultern.


März 1944, DB 2

Notiz rückseitig:

"Diese DB 2 fliegt nicht mehr März 44"

Bildunterschrift:

"Diese Maschine fliegt nicht mehr"

Mein Vater in der Mitte. Sie haben die russische Maschine nicht abgeschossen, sie fanden sie schon auf dem Platz und haben dann das Foto gemacht.


Froher Abend in Minsk

Notiz rückseitig:

"Froher Abend in Polensk"

Später "Polensk" korrigiert in "Minsk" und hinzugefügt:

"nur ich habe Bayern 1945 erreicht"

Mein Vater rechts. Es war wohl Weihnachten. Wie jung sie alle sind! Eine verlorene Jugend - es war eine prägende Zeit für ihn.


Emblem

Emblem der Staffel:
Mücke mit Lampe auf Bombe mit Nummer 3 auf Flügel vor Vollmond in der Nacht. Das Emblem soll zeigen, wie einzelne Bomben gleich Mückenstichen nachts verteilt werden.

Mein Vater gehörte im Fronteinsatz zunächst nicht einer Stuka-Einheit an, sondern war einer Nachtflugstaffel zugeteilt. Die Nachtflugstaffel flog zunächst Störeinsätze an der russischen Front und warf Flugblätter für die Zivilbevölkerung ab, schließlich wurden Bomben von Hand vom Schützen über Bord geworfen, "es war alles sehr primitiv". Er hielt von diesen Einsätzen offensichtlich gar nichts.

Es wurden Doppeldecker der Typen Go145 und He72 eingesetzt. Kommandeur war General Ritter von Graim. Später wurde es für die Stukas tags zu gefährlich. Daher wurde entschieden, diese nachts einzusetzen, aber die Maschinen waren für den Nachtflug gar nicht ausgerüstet, die Piloten nicht für Nachtflug geschult.

Daraufhin wurde die Nachtflug-Einheit meines Vaters in Stubendorf / Schlesien auf Stuka umgeschult. Wie oben gezeigt, ist mein Vater schon in Frankreich Stuka geflogen, aber natürlich tagsüber. Während dieser Umschulung in Stubendorf hat mein Vater meine Mutter kennengelernt.


Doppeldecker Mit Trude
Rückseitig:
Ein Gruß an Daheim gleich nach
der Landung in L. Juli 1943

Ljubysch, Dorf in Weißrußland

Rückseitig:
Glückliche Stunde mit meiner Trude in Stubendorf
Mai 44

Trude steht für Gertrud, meine Mutter, geboren am 17.3.24 in Stubendorf/Sudetenland.

Nach der Ausbildung sind sie weiter in Briefkontakt geblieben. Nach dem Krieg hat meine Mutter an die Heimatadresse meines Vaters in Coesfeld geschrieben. Er hatte sich inzwischen von Bayern nach Westfalen durchgeschlagen.


Kriegszeit

Ausbildung | Alter


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