Sat 28 Jan 2006
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Bei einem Virtuosen wie Picasso muß das schon verwundern, aber noch verwunderlicher ist es, daß er diese Aussage überhaupt gemacht hat.
Sie unterstreicht, was man ohnehin schon durch den Bericht von

Für manche Leute ist das vermutlich der Normalzustand, aber Picasso hatte Phasen, wo er Unerhörtes entwickelte und erfand. Und dann wieder längere Zeiten, in denen er verzweifelt um Themen rang. Man stelle sich vor: Er beneidete


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Na und? Seine Geliebte nahm es für eine Offenbarung, er selbst merkte nichts.
Selbstverständlich wandte er auch den bekannten Trick in großem Stil an, Bilder anderer Maler zu kopieren und abzuwandeln. Aber das ist es alles nicht. Er hat es gewußt und war entsprechend unzufrieden mit sich und seiner Arbeit. Und dann passierte immer wieder einmal etwas, was er nicht wollte und nicht vorhergesehen hatte und was ihn überraschte. “Die Malerei ist stärker als ich”. Dabei ging es doch die ganze Zeit nur darum. Was einer im Kopf hat, ist nicht so bedeutend, und eigentlich wußte er das auch. Er soll nämlich auch gesagt haben, daß er nicht malen wolle, was er bereits kenne, denn er wolle sich ja nicht in die Tasche lügen.
Er hätte sich wirklich anheimgeben und “die Malerei” machen lassen sollen. Auf Entdeckungsfahrt gehen, annehmen, was ihm begegnet. Aber bei all den grandiosen Wiederholungen und leichten Abwandlungen kann er sich nicht wirklich eingelassen haben. Im Gegenteil, man hat den Eindruck, daß er sich ständig im Kreise drehte und eben nicht offen war.
Das ist natürlich auch schwer. Die Surrealisten haben es versucht und die “automatische Malerei” zu einer Methode erhoben, aber das ist sehr schnell in sich zusammengefallen. Die unwillkürliche Produktion steht in natürlichem Gegensatz zum künstlerischen Gestaltungszwang. Im Gegensatz zu einem Schimpansen, der den Pinsel schwingt, möchte man bei einem Künstler doch einen gestalterischen Willen voraussetzen, beansprucht der Künstler das auch für sich: Er entscheidet, wann das Werk gültig und fertig ist.
Und hier haben wir das Problem: Wollen kann ich nur etwas, was ich bereits weiß und kenne. Wenn ich das aber ablehne, was kann ich dann noch tun? Oder anders gesagt: Wie ist es überhaupt möglich, daß etwas Bedeutendes zum Vorschein kommt, was noch nicht vorher bekannt war? Denn zweifellos hat Picasso mit vielen Werken, zum Beispiel

Damit bin ich wieder bei der Frage: Wer malt das Bild? Wenn ich etwas male, was ich kenne, dann ist das im Grunde nicht Malerei, sondern Illustration. Malerei muß also zu einem gewissen Grad nicht nur Meisterschaft in der Beherrschung der Mittel verraten, sondern auch Schöpfung sein, so wie der Wissenschaftler erst dann als initiiert gelten kann, wenn er wissenschaftliches Neuland betreten hat und mit neuen Erkenntnissen beladen wieder heimgekommen ist. Eine intellektuelle Auseinandersetzung mit bildnerischem Material kann in dieser Hinsicht nie befriedigen, egal wie ironisch oder virtuos sie vorgetragen wird. Den existenziellen Schauder, den wir bei großer Kunst erleben, wird man mit solchen Mitteln niemals erzeugen können.
Wenn Kunst gelingt, greift der Künstler auf diese Weise über sich selbst hinaus. Er schafft etwas, das er selbst nicht begreifen kann. Damit ergibt sich der Eindruck, etwas Übergeordnetes drücke sich durch ihn aus, bediene sich seiner. Der Jazzpianist

Aber was können wir schon denken? Die wirklich großen Gedanken stoßen dem Denker ebenso zu wie dem Träumer der Traum oder dem Maler das Bild. Ende des 19. Jahrhunderts bildeten sich die ersten psychologischen Gesellschaften in London und Paris. Der seinerzeit berühmteste Mathematiker Frankreichs,

So zugespitzt, erscheint das Phänomen ungewöhnlich, aber in Wirklichkeit geben wir uns einer großen Illusion hin, wenn wir annehmen, wir seien Herr unserer selbst und würden uns ständig aktiv und bewußt ausdrücken. Schon bei einem ganz normalen Gespräch fließen die Gedanken schneller als der Sprecher kontrollieren kann, überstürzen sich die Einfälle, ohne daß wir behaupten könnten, “wir” würden da irgend etwas steuern.
Dieses Rätsel fordert uns natürlich heraus, wir wollen verstehen, was da vor sich geht. Als ich das Bild gemalt habe, aus dem der Ausschnitt oben stammt, habe ich eine Menge Zustandsfotos angefertigt. Auf diese Weise glaubte ich, dem schöpferischen Prozeß auf die Schliche kommen zu können. Es hat eine Weile gedauert, bis ich begriffen habe, daß das gar nicht geht. Aber es mußte mir erst eine der Figuren, die ich gern gemalt hätte, im Traum erscheinen und mich aufklären. Unglaublich. So etwas kann man sich nicht ausdenken.
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