Gesamtwerk Werner Stürenburg Original Fine Art Originalkunst, Oeuvre Werkschau joe


Gesamtwerk
701 Seiten, Format, durchgängig Vollformat-Abbildungen


  Kataloge als Hard- und Softcover und   Kalender 





Lulu-Text

Einbändige Ausgabe des Gesamtwerks mit 660 Werken des Künstlers Werner Popken Stürenburg. Dieser Katalog zeigt lückenlos die Entwicklung von den Anfängen bis zur ersten Ausstellung "Werner Stürenburg" im Leopold-Hoesch-Museum Düren 1983, den dann folgenden Paraphrasen, den mehrteiligen, komplexen Werken von 1985 und darüber hinaus. Vollflächige Farbabbildungen, zwei Ansprachen von Dr. Dorothea Eimert und Klaus Flemming.




Rückentext

Die Entwicklung des Malers Werner Popken Stürenburg entzündete sich nach anfänglicher Kritik an der Moderne zunächst am Spätwerk Picassos, des-sen Energie und Unbekümmertheit ihn ermutigte, selbst Grenzen zu überschreiten und Möglichkeiten auszuloten. Dabei wurde erstaunlicherweise sofort eine Distanz zum großen Spanier sichtbar, die sich bald durchsetzte.

Eine abenteuerliche Fahrt ins Ungewisse begann, die dem rational Erzogenen und als Mathematiker Ausgebildeten durchaus Unbehagen bereitete, hätte er doch gern verstanden, was er zutage förderte. So blieb es unvermeidlich, daß er versuchte, dem Schöpferischen mit technischen Mitteln, nämlich der Fotografie, auf die Schliche zu kommen. Das freilich erwies sich als unmöglich und wurde eine prägende Lektion. Malerei war nur möglich, wenn die Rationalität, die Absicht, das Kalkül ganz außen vor blieb.

Dabei erscheinen die Werke nichts weniger als willkürlich, im Gegenteil: Sie sind von einer zwingenden Prägnanz, die auf einen bewußten Willen schließen läßt. Es ist aber nicht sein Wille, denn für den Künstler sind die Werke genauso rätselhaft wie für den Betrachter. Dem entspricht ein Schöpfungsprozeß, der völlige Hingabe erfordert und keinerlei willkürliche Eingriffe toleriert. So wird der Künstler direkt mit dem Geheimnis des Schöpferischen konfrontiert.

Also stellt sich die Frage: Wer malt? Es ist nicht der Künstler selbst, jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinne, da er dem Werkprozeß demütig dient und ihn nicht selbstherrlich kontrolliert. Und was sagen die Werke? So bedeutsam wie sie wirken, so verschlossen geben sie sich. Sporadische Versuche der Selbstinterpretation ergaben lediglich ein schales intellektuelles Vergnügen und die Einsicht, daß die Wirklichkeit der Werke jenseits der Worte liegt und desto augenfälliger wird, je mehr sich die Worte vergeblich abmühen. Das Werk spricht deutlich und von selbst und entzieht sich der Deutung gleich welchen Ansatzes.

Die Kunst diente seit jeher dazu, Unaussprechliches sichtbar zu machen, und war in dieser Aufgabe für ein paar hundert Jahre durch den Versuch der Wiedergabe des Sichtbaren abgelenkt. Freilich geht man davon aus, daß die Künstler sich immer dessen bewußt waren, was in die Realität hereinzuholen war, etwa religiöse Gewißheiten. Wenn Kunstwerke sich dem Verständnis verschließen, dann lediglich, weil dem Betrachter entscheidende kulturelle Zusammenhänge und Hintergründe abgehen. Daß Kunstwerke Botschaften jenseits dieser Gewißheiten darstellen können, wird gemeinhin nicht in Betracht gezogen. Beide hier beispielhaft diskutierten Werke sprechen ganz offensichtlich mit dem Betrachter, ohne daß der Gehalt auslotbar wäre, obwohl sämtliche Kenntnisse vorhanden sind.

Das Gesamtwerk umfaßt zur Zeit etwa 750 Werke. 660 davon sind fotografisch erfaßt und im Internet unter der Adresse stuerenburg.com präsentiert. Das Werkverzeichnis setzt recht früh ein und umfaßt einen Teil der Arbeiten des Jugendlichen, um die kontinuierliche Entwicklung zu verdeutlichen und nachvollziehbar zu machen. Insofern entblößt sich der Künstler ganz ohne Scheu und gestattet einen Blick in die Werkstatt. Die Anregung durch die moderne Kunst, die zu Beginn des Studiums einsetzt, führt lediglich zu spöttischen Kommentaren. Das ist es offenbar nicht.

Die Beschäftigung mit Picasso kommt einer Initialzündung gleich und entfacht ein Feuerwerk, das ohne Ermüdung und Unterlaß abbrennt. Bezeichnenderweise gibt es keinerlei Studien, keine Versuche, kein Tasten. Selbst einfache Zeichnungen mit dem Kugelschreiber, bekanntlich nicht zu korrigieren, sitzen auf Anhieb und sprechen Bände. Von Beginn an ist ein hohes Maß an Virtuosität zu beobachten, das sich im Laufe der Jahre immer mehr entfaltet. Dabei gibt es nie ein Zögern; nur wenige Werke sind nicht vollendet, anscheinend weil der Maler erschrak und diesen Weg nicht weitergehen wollte. Auch diese Arbeiten sind dokumentiert und in ihrer Weise vollgültig.

Allerdings kristallisieren sich doch gewisse Muster heraus. Das beginnt mit der Beobachtung, daß es sehr viele Einzelköpfe gibt, die meistens männlich und im besten Erwachsenenalter sind. Dann fällt auf, daß es ebenfalls sehr häufig Doppelporträts gibt, oder genauer gesagt: Einzelköpfe mit einer Begleitfigur, die auf diese bezogen ist, wobei die Begleitfigur in der Regel zurückhaltend, aber überlegen erscheint. Zuweilen wird unübersehbar, daß diese Begleiter einer anderen Sphäre angehören.

In Kombination mit den phantastischen, schwer zu deutenden Bilderfindungen, die sich auf eine meist männliche Zentralfigur beziehen, liegt die Parallelen zum Traumerleben nahe. Seit den Surrealisten und der Deutung des Frühwerks Picassos durch den Züricher Psychoanalytiker C. G. Jung ist der Rückbezug der Bilderfindungen auf die schöpferische Tätigkeit der Seele im Traum nichts Neues. Freilich hat diese Verbindung bisher keine wesentlichen Einsichten erbracht, aber eine besondere Parallele bekommt im Werk Stürenburgs ein besonderes Gewicht.

Es ist nämlich niemand seines Traumes Schöpfer. Träume stoßen dem Träumer zu, er erlebt sie wie ein Außenstehender, wie ein Filmzuschauer, nicht wie der Regisseur oder gar der Drehbuchautor. Genauso erlebt Stürenburg die schöpferische Tätigkeit. Er erfindet die Bilder nicht, er verarbeitet darin nicht Einsichten, die er anderweitig gewonnen hat, er spekuliert nicht bewußt über Thesen, er versetzt sich nicht mit Hilfe von Drogen oder anderen Praktiken in Zustände, die vermeintliche schöpferische Energien freisetzen, sondern bleibt nüchtern und arbeitet im Grunde ganz rational, läßt sich jedoch vollständig von seiner Intuition leiten.

Was das nun wiederum sei, läßt sich bis heute nicht feststellen. Seit Anfang der siebziger Jahre weiß man allerdings, daß beide Gehirnhälften unterschiedlich arbeiten und insbesondere die rechte Gehirnhälfte für Empfindungen und Wahrnehmungen zuständig ist, die gemeinhin eher dem künstlerischen Bereich zugeordnet werden, aber auch der Erkenntnisgewinnung in den Wissenschaften, eben der Intuition. Eine amerikanische Pädagogin hat diese Zusammenhänge systematisch untersucht (Edwards, Betty: Garantiert zeichnen lernen. Das Geheimnis der rechten Hirn-Hemisphäre und die Befreiung unserer schöpferischen Gestaltungskräfte.), allerdings die Frage nach der Kunst vollständig ausgeklammert.

Bilderfindungen sind eine Sache, die Kunst eine andere. Was ist Kunst, was soll Kunst, was gibt Kunst? Diese Fragen bewegen jedermann, sind schwer zu beantworten, aber keineswegs nebensächlich oder willkürlich. Nach Jahrzehnten, spätestens Jahrhunderten ist man sich einig, was Kunst ist und was nicht, was bedeutend ist und was nebensächlich. Die linke Gehirnhälfte, vornehmlich repräsentiert durch die Sprache, ist dabei nur bedingt hilfreich. Die Urteile werden rechts gefällt und notdürftig mit Hilfe der Sprache kommuniziert. Um urteilen zu können, muß man allerdings Erfahrungen sammeln, die notwendig, aber nicht hinreichend sind. Sobald man jedoch urteiltsfähig ist, besteht am Urteil selbst ebenso wenig Zweifel wie an einem mathematischen Beweis.





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