180 cm - 71 inch
Werkgröße 41×52cm
Referenzfigur 180cm
Werkdaten Nr. »98
Öl / Papier
25.01.1974, » 41×52 cm (16×20")

» Kommentar

Blättern:
links / rechts wischen
die Tasten ← / → nutzen
auf Pfeil links / rechts klicken

Feste Breiten: »1600px   »800px   »500px   »200px

Kommentar
© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Ich gehöre zwar der 68er-Generation an, aber wenn ich nicht irre, waren wir doch im Grunde ziemlich verklemmt. So gesehen ist dieses Bild sehr erstaunlich. Die mit extrem sparsamen Mitteln angedeuteten Gesichter sprechen Bände.

Ausnahmsweise finden sich einige Linien, die nicht auf Anhieb stimmen; glücklicherweise nicht unbedingt an kritischen Stellen, so dass das Werk insgesamt nicht als misslungen gelten muss. *

Normalerweise sind es die Karikaturisten oder Cartoonisten, die mit der sparsamen Mitteln eine ganze Geschichte erzählen können. Aber dies ist keine Karikatur und auch kein Cartoon. Picasso hatte durchaus auch Talent zum Karikaturisten, und viele seiner Werke, besonders in der Frühzeit, aber durchaus auch später, kommen einer Karikatur sehr nahe, manche sind sogar welche. Ich wüsste nicht, wie ich es machen sollte.

Wie kommt es aber, dass diese Zeichnung nicht als Karikatur oder Cartoon durchgehen kann? Was unterscheidet sie? Es ist offenbar der existenzieller Ernst, der völlig ungebrochen vorgetragen wird. Hier wird kein doppeltes Spiel getrieben, hier wird nichts auf die Schippe genommen, hier wird nicht Distanz vorgeführt, so dass man sich über die Protagonisten lustig machen könnte. Im Gegenteil: Man wird zur Identifikation aufgefordert. Es wird eine allgemeinmenschliche Beziehungsproblematik lapidar vorgetragen.

Trotz der Schwächen bin ich stolz auf das Bild. Dieser Stolz hat natürlich nichts mit Ego zu tun, denn ich wüsste gar nicht, wie ich so etwas machen sollte. Es ist gewissermaßen ein unpersönlicher Stolz - durch mich kam dieses Blatt in die Welt, und ich bin froh darüber. Wie das Weibliche und das Männliche charakterisiert sind - einfach köstlich! Vermutlich kann es nicht verbessert werden, selbst wenn man die Verzeichnungen kaschiert. Das könnte ich ja mal probieren.


 Vergleich: manipuliert (links) und Original (rechts) · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Wie erwartet ist der Unterschied unerheblich. Das Bild wird nicht besser dadurch.

Und was sagt es mir? Das Weibliche tritt dem Männlichen herausfordernd entgegen, nicht nur mittels körperlicher Reize, sondern vor allen Dingen durch die Körperhaltung und den Gesichtsausdruck. Die Herausforderung wird auch in der Distanzierung deutlich: Das Männliche wird keineswegs eingeladen, sondern eher auf Abstand gehalten. Von Hingabe oder der Bereitschaft dazu ist nichts zu bemerken. Das Weibliche ist sich seiner Stärke und Macht bewusst und entschlossen, diese zu nutzen.

Entsprechend bestürzt und verunsichert reagiert das Männliche, dass in seiner Bewegung zum Weiblichen deutlich gestoppt wird. Hier findet sich der Wunsch zur Hingabe und auch die Bereitschaft zur Aktivität, während Dominanz und Aggressivität völlig fehlen, ja sogar ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein lässt sich nicht konstatieren. Das arme Schwein ist völlig in der Hand seiner Partnerin, und das wird ihm wohl bewusst. So wie die beiden zueinanderstehen, kann daraus nur eine glückliche Beziehung werden, wenn er ein ausgesprochener Masochist ist; aber das scheint nicht der Fall zu sein. Das ist also ein Drama, ein fundamentales Unglück, das notwendigerweise Leid verursachen muss.

Nacktheit habe ich sehr früh begriffen als Fehlen von Rüstungen und Verkleidungen - in den frühen Selbstportraits ( Nummer 11,  Nummer 12) habe ich mich nackt dargestellt. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“, lässt Mose Gott sprechen (» 1. Mose 2, 18). Der Mensch ist ein soziales Wesen und bedarf der Gemeinschaft. Insbesondere ist er auch ein sexuelles Wesen und bedarf der sexuellen Gemeinschaft. Insoweit er bedürftig ist, ist er abhängig. Und sofern er abhängig ist, begibt er sich in die Gefahr, verletzt zu werden.

Kann man dieses Bild aufhängen? Meine Wand ist ziemlich groß, kleine Bilder müssen bei der sich ergebenden Blickentfernung einigermaßen plakativ sein, scheint mir. Aber nichts geht über eine Probe aufs Exempel.


No. 2 » 91 80x61cm, 19.01.1974 » 69 41x52cm, 26.12.1973 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 98 41x52cm, 25.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 2 » 91 80x61cm, 19.01.1974 » 69 41x52cm, 26.12.1973 » 16 42x30cm, 12.11.1972 » 98 41x52cm, 25.01.1974
 
Na also, auch andere Arbeiten auf Papier können durchaus auf diese Entfernung wirken. Eine schöne bunte Wand, was vor allem durch die reich verzierten, höchst unterschiedlichen Rahmen bewirkt wird.

Interessant, dass nochmal  Nummer 69 ins Blickfeld kommt: Im Gegensatz zu meiner dortigen Analyse kann man hier nicht davon sprechen, dass die Frau den Mann nicht erreicht - im Gegenteil, er ist vollkommen auf sie fixiert, sie hat ihn im Griff.
*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007

 

Öl              Papier              Skulpturen              Drucke              Alles


Winzig              Klein              Mittel              Groß              Riesig



 
Home               Galerie               Altar               Fotos


Credo               Texte               Blog               Bücher               Manifest


 English   Top


server time used 0.0377 s