93 Com Werner Stürenburg Original Fine Art Originalkunst, Oeuvre Werkschau joe

180 cm - 71 inch
Werkgröße » 28x56 cm (12x23")
Referenzfigur 180 cm


Werknummer
» 93
Abmessungen
» Kommentar
» 28x56 cm (12x23")
Öl / Pappe
21.01.1974

Auflösung:
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Kommentar
© Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Ein erstes Bild in Blau. * Auch dieses Bild ist auf einen Verpackungskarton gemalt, allerdings nicht Wellpappe, sondern einfach nur grauen Karton.

Das Bild ist ja recht klein, wirkt aber trotzdem ganz monumental. Wie bei Picasso gelernt, sind die meisten Formen gegenständlich deutbar, jedoch ziemlich frei gestaltet. So wird aus der Frau eine Art Insekt, das sich verpuppt hat.

Deutlich kann man den aufgestützten Arm links, den Kopf, die Brüste, den anderen Arm, die beiden Hände, ein Bein und einen Fuß erkennen. Die linke Hälfte ist bis auf den Kringel in der Mitte oben, der gegenständlich nicht zu deuten ist, einfach zu lesen. Problematisch wird das Bild in der rechten Hälfte.

Die Formen sind ja klar genug. Bei aller Freiheit der Gestaltung fällt es jedoch schwer, die hintere dunkle Form, die als Hüftschwung zu lesen sein müsste, so zu verstehen. Das schräg liegende spitze Oval mit der deutlichen Kerbe wäre allenfalls als extrem vergrößerte » Vulva zu deuten. Vollends unverständlich bleibt die scherenartige Form dahinter.

Nun hat der Kopf der Frau hier einen sprechenden Ausdruck. Zwar scheint sie ganz entspannt zu liegen und ihren Kopf aufzustützen, ja ihren Leib geradezu zu präsentieren, das Gesicht drückt aber deutliche Abwehr gegen etwas oder jemanden aus, der von rechts zu kommen scheint. Nehmen wir an, die Lesart Vulva wäre korrekt, so könnte die Vergrößerung im Auge des Betrachters liegen, der die Frau darauf nicht gerade reduziert, aber diesen unscheinbaren Körperteil über die Maßen betont.

Das ist alles spontane Interpretation; ich habe mich mit diesem Bild nie beschäftigt. Es fällt mir aber dazu eine Grafik ein, die einen ähnlichen Sachverhalt verdeutlicht, nämlich die unterschiedliche Gewichtung des Wahrgenommenen durch das Bewusstsein. Mal sehen, ob ich sie finde.

 Penfields Gehirnkarte · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
 Homunculus · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
» Jean Fouquet:<br /> Maria mit Kind
1452-1455, 95x86cm · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Das Internet ist wunderbar! Ich wusste nicht, wie dieses Bild heißt, wer es gezeichnet hat, in welchem Zusammenhang es gefunden werden könnte, aber es dauerte nicht lange, da hatte ich mittels geeigneter Begriffe das Bild und dazugehörige Artikel gefunden.

Ich kannte nur den rechten Teil der Grafik (alternative Darstellung:
» Sensory Homunculus) und erinnerte mich auch nur ganz dunkel daran, eben an den Sachverhalt, der damit illustriert wird:
Dass bestimmte Bereiche unserer Aufmerksamkeit weit mehr in Anspruch nehmen als andere, was sich ja beispielsweise auch in den typischen „Fehlern“ beim Zeichnen von Gesichtern äußert.

Der Aufsatz » Rechte versus linke Gehirnhälfte? war für mich besonders interessant, weil ich erstmals Hinweise bekam, warum die Erkenntnisse bezüglich der unterschiedlichen Fähigkeiten unserer Gehirnhälften, die ich ja immer wieder im Zusammenhang mit dem Rätsel der Kreativität anführe, in der wissenschaftlichen Diskussion keine Rolle spielt.

Interessant fand ich auch folgende Beurteilung des Forschers, der diese Gehirnkarte entwickelt hatte:


Auf die eine oder andere Art ist die Frage nach der Natur des Geistes ein elementares Problem, vielleicht das schwierigste und bedeutendste aller Probleme. Ich habe mein ganzes Leben als Wissenschaftler damit verbracht, zu erforschen, wie das Gehirn das Bewusstsein steuert. Nun muss ich in dieser abschließenden Zusammenfassung meiner Ergebnisse überrascht feststellen, dass die Hypothese des Dualismus (der Geist existiert getrennt vom Gehirn) die vernünftigere Erklärung ist.

- Wilder Penfield in The Mystery of the Mind:
A Critical Study of Consciousness and the Human Brain, Princeton University Press, 1975

» Wilder Penfield

Nun gut:
Soll ich dieses Bild also dahingehend interpretieren, dass ich die Frau auf ihre Spalte reduziere und diese sich dagegen wehrt? Dass dieser Protest nicht einfach nur verbal und emotional, sondern mit Hilfe gewaltiger Werkzeuge vorgebracht wird? Ach du lieber! Wie peinlich!

Nun ist ja bekanntlich die überwältigende Mehrzahl des Lebens auf dieser Erde geschlechtlicher Natur. Wir müssen uns also wohl fügen, und es darf nicht verwundern, dass dieser Teil menschlicher Existenz in der Kunst gehörig repräsentiert wurde. Die Darstellung nackter Frauen fängt mit der Steinzeit an und wird vermutlich niemals aufhören.

Ich werde wohl nicht vergessen, wie verblüfft ich damals über ein mittelalterliches Madonnenbild war, das eine enorme Kugelbrust präsentierte, so extrem, dass ich mich fragte, ob es so etwas überhaupt gibt - ich hatte diesbezüglich kaum Erfahrungen (manchmal bin ich verblüfft über meine Gedächtnisleistungen - spontan fiel mir der Name des Malers ein:
» Fouquet, » Maria mit Kind).

Also selbst Maria wurde sexuell aufgeladen - von Adam und Eva und der griechischen und römischen Götterwelt ganz zu schweigen. So habe also auch ich eine ganze Menge nackter Frauen gemalt - diese ist nicht die erste. Selbst wenn ich die Inhalte wie Träume interpretiere, könnte es ja doch erotisch-sexuell interpretiert werden, da ja nicht jeder Traum von hehren Dingen handelt und gerade die Sexualität im Traumgeschehen nachweislich auftaucht.

Aber das Thema » Kastrationsangst ist eigentlich nicht meins - Verweigerung schon, aber natürlich wieder nicht in Träumen. Was könnte mir dieses Bild also sagen? Ich weiß es nicht. Es ist ja ganz furios gemalt, aber dazu will mir nichts einfallen. Bemerkenswert ist natürlich der Kringel, der aus dem Ellenbogen wächst und anscheinend nicht erklärt werden kann, aber der hilft mir auch nicht.

Ich komme natürlich auch nicht weiter, wenn ich vorgreife - mit diesem Bild assoziiere ich ein wesentlich größeres, acht Tage später entstanden, das aber keineswegs problematisch ist - sage ich mal so:
 Nummer 100. Vielleicht sollte ich mal beide aufhängen, obwohl dieses Bild vermutlich zu klein ist für mein jetziges Szenario. Dafür müsste ich dann wohl ein intimeres entwickeln. Mal sehen.


No. 4 » 100 69x169cm, 29.01.1974 » 93 28x56cm, 21.01.1974 » 38a 100x80cm, 11.11.1973 » 58 60x40cm, 08.12.1973 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 4 » 100 69x169cm, 29.01.1974 » 93 28x56cm, 21.01.1974 » 38a 100x80cm, 11.11.1973 » 58 60x40cm, 08.12.1973
 


Donnerwetter - das kleine Bild schlägt sich recht wacker! Sie ist ja übrigens ziemlich eingekastelt, und die Hand in der Mitte weckt durchaus auch Assoziationen zu einem Buch. Insofern befindet sie sich in guter Gesellschaft. Der Ausdruck des Gesichts und die rechte Hälfte passen aber nicht zur harmlosen Lektüre. Versuchsweise stellte ich mir vor, dass sie ihr linkes, also das obere Bein angezogen haben könnte, und zwar so, dass die Krebsschere den dazugehörigen Fuß bedeuten müsste - aber das will mir nicht recht gelingen.

Die Ähnlichkeit mit dem größeren Bild ist ohne Zweifel bemerkenswert. Dennoch ist der Inhalt ein völlig anderer. Die obige Darstellung ist harmlos und glaubhaft, die untere nicht. Auch im Vergleich mit der sitzenden Lesenden, die wenigstens entspannt tut, fällt der gequälte Ausdruck der kleinen Blauen auf. Und selbst auf die Entfernung bemerkt man die aggressive Klaue.

Nein, zu diesem Bild fällt mir nichts ein. Gefällt es mir wenigstens? Geht so. Auf die Entfernung wirkt es ein bisschen platt, in der » Großansicht kommen die malerischen Qualitäten ganz gut zum Ausdruck. Ich finde es schon bemerkenswert, wie schnell ich mich entwickelt habe. Man sieht auch, dass ich durchaus ein bisschen Farbe verbraucht habe - zwar nicht fingerdick, aber auch nicht extrem verdünnt, und das kommt dem Bild zugute. Das belastet aber auch die Geldbörse, der Materialverbrauch entwickelte sich zum Problem. Die Tatsache, dass ich eine alte Pappe als Malgrund gewählt habe, spricht schon für sich.

58 gefällt mir an dieser Stelle nicht so ganz; mal sehen, ob sich was Besseres findet.


No. 5 » 100 69x169cm, 29.01.1974 » 93 28x56cm, 21.01.1974 » 38a 100x80cm, 11.11.1973 » 58 60x40cm, 08.12.1973 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 5 » 100 69x169cm, 29.01.1974 » 93 28x56cm, 21.01.1974 » 38a 100x80cm, 11.11.1973 » 58 60x40cm, 08.12.1973
 


Doll, das kleine Ding! Dagegen ist 93 langweilig. Der blickt einen selbst über diese Distanz ungeheuer intensiv an. Aber man darf nicht ungerecht sein. Wenn man sich die » Großansicht anschaut, ist der Genuss nicht mehr ganz so groß. 93 wirkt von nahem besser.

*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung
aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007

 

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