180 cm - 71 inch
Work size 18×25"
Reference figure 71"
Work Data No. »88
Öl / Hard Masonite
16.01.1974, » 45×63 cm (18×25")
Rückseite of » 156

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© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA







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Dieses Bild gefiel mir nie, und auch heute noch tue ich mich schwer damit. Wie gut, dass ich mich nicht in solche Ecken versteigen musste! Andererseits habe ich gelernt, dass sich mein Verhältnis zu einem Bild durchaus ändern kann. Vielleicht wird es mir eines Tages noch sehr gut gefallen, wer weiß? Vielleicht müsste ich mich nur etwas damit beschäftigen?

Außerdem habe ich eingesehen, dass es unerheblich ist, was ich persönlich von einem Bild halte. Ein anderer Betrachter wird mit Sicherheit völlig anders reagieren, und wenn diesem ausgerechnet dieses Bild am besten gefällt, dann ist das vollkommen in Ordnung. Wer bin ich, dass ich das in Frage stellen könnte?

  Ausschnitt · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Da ich aber nun von der Vorstellung besessen war, alles einzuordnen, was ich produzierte, musste dieses unter „Beziehungsprobleme“ abgelegt werden. * Mit anderen Worten: Ich erkenne darin einen Mann und eine Frau, die in einer Auseinandersetzung verstrickt sind, jedenfalls aber miteinander kommunizieren.

Der Mann ist vermutlich leicht zu erkennen, die Frau etwas stärker verschlüsselt, um es vornehm auszudrücken. Damals hatte ich mich zwar schon viel mit Picasso beschäftigt, aber inzwischen kenne ich ihn gewissermaßen in- und auswendig. Und vor diesem Hintergrund finde ich die Erfindung des Frauengesichts durchaus bemerkenswert. So etwas findet sich bei ihm nicht, und er hat ja viel erfunden.

Darauf bilde ich mir nun nichts ein; ich will damit nur sagen, dass unverwechselbare, verblüffende, völlig originäre Erfindungen am laufenden Band gemacht werden, auch oder vielleicht gerade wenn man das gar nicht will. Picasso hat ja oft versucht, Bildlösungen durch systematische Versuche zu finden - die entsprechenden Vor-und Nebenarbeiten zu » Guernica sind ja allseits bekannt. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass er jemals auf diese Weise etwas gefunden hätte. Kreativität lässt sich anscheinend nicht erzwingen.

Die Interpretation als Zweipersonen-Stück ist insofern naheliegend, als man deutlich vier Augen unterscheiden kann: Zwei Punktaugen links, zwei Spiegeleiaugen rechts. Die Augenbraue und Nase des Mannes sowie sein Mund und Kinn sind nicht zu verfehlen; er ist nicht so sehr als Kombination von Frontal- und Profilansicht dargestellt, als vielmehr im Dreiviertelprofil.

Die Aufteilung in zwei Gesichtshälften bei ihr ist viel deutlicher, schon allein durch die Farbwahl. Aber besonders auffällig ist ihre ausgesprochene Hässlichkeit, die Distanz zu einer konventionellen Darstellung. Ihre Nase ist eher ein Rüssel, der Mund in der Profilansicht frontal dargestellt, aber nur die obere Hälfte, die untere fehlt, es sei denn man interpretiert die schräge Linie zum Kinn als Teil der Unterlippe. Diese Interpretation fällt leichter, wenn man einen Teil des Bildes in der Vorstellung oder real abdeckt.

War das vorherige Bild gewissermaßen bitterernst, so ist dieses ausgesprochen komisch. Zwischen den beiden Köpfen macht sich eine Pflanze ihren großen Blättern breit, ihre Haare scheinen eine Doppelfunktion als Kopfputz und Pflanze zu haben, und einen Augenblick könnte man denken, sie sei eine Pflanze. Die violette runde Form an ihrem Kinn, die dort so gar keinen Sinn macht, könnte eine Blüte sein, die zu der mittleren Pflanze gehört.


No. 2 » 33 95x81cm, 27.10.1973 » 38 80x70cm, 08.11.1973 » 88 45x63cm, 16.01.1974 » 75 37x27cm, 31.12.1973 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 2 » 33 95x81cm, 27.10.1973 » 38 80x70cm, 08.11.1973 » 88 45x63cm, 16.01.1974 » 75 37x27cm, 31.12.1973
 
Bei dieser Zusammenstellung habe ich viel experimentiert und dabei meine Erfahrungen gemacht. Manche kleinen Bilder haben Probleme, sich auf die Entfernung zu behaupten. Auch diesem Bild fällt es schwer, seine Vorzüge über die Distanz auszuspielen, dazu sind die Konturen zu blass. Außerdem ist es nicht unwesentlich, welches Bild auf welcher Seite hängt. Aber das sind ja eigentlich Gemeinplätze, das sagt nicht unbedingt etwas über das einzelne Bild selbst aus.

Diese Ansicht ist für Bilder mittlerer Größe ganz nett; ein ganz großes Bild kann man hier gar nicht präsentieren, dazu müsste man weiter zurücktreten und die gesamte Wand zeigen. Also bin ich geneigt, bei Gelegenheit noch zwei weitere Szenarios zu basteln, eine intime Szenerie, die für kleinere Bilder angemessen ist, und eine Großansicht, um größere Bilder zeigen zu können. Obwohl dieses Bild eine nähere Distanz erfordert, schlägt es sich mit der getroffenen Auswahl aber doch ganz wacker; mit anderen Bildern zusammen macht es eine wesentlich schlechtere Figur. Doch urteilen Sie selbst:


No. 3 » 33 95x81cm, 27.10.1973 » 38 80x70cm, 08.11.1973 » 88 45x63cm, 16.01.1974 » 77 47x37cm, 01.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 3 » 33 95x81cm, 27.10.1973 » 38 80x70cm, 08.11.1973 » 88 45x63cm, 16.01.1974 » 77 47x37cm, 01.01.1974
 
No. 4 » 33 95x81cm, 27.10.1973 » 38 80x70cm, 08.11.1973 » 58 60x40cm, 08.12.1973 » 88 45x63cm, 16.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 4 » 33 95x81cm, 27.10.1973 » 38 80x70cm, 08.11.1973 » 58 60x40cm, 08.12.1973 » 88 45x63cm, 16.01.1974
 
No. 5 » 33 95x81cm, 27.10.1973 » 38 80x70cm, 08.11.1973 » 18 51x41cm, 30.07.1973 » 88 45x63cm, 16.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 5 » 33 95x81cm, 27.10.1973 » 38 80x70cm, 08.11.1973 » 18 51x41cm, 30.07.1973 » 88 45x63cm, 16.01.1974
 
No. 6 » 33 95x81cm, 27.10.1973 » 38 80x70cm, 08.11.1973 » 81 52x41cm, 05.01.1974 » 88 45x63cm, 16.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 6 » 33 95x81cm, 27.10.1973 » 38 80x70cm, 08.11.1973 » 81 52x41cm, 05.01.1974 » 88 45x63cm, 16.01.1974
 
No. 7 » 33 95x81cm, 27.10.1973 » 38 80x70cm, 08.11.1973 » 22 70x43cm, 28.09.1973 » 88 45x63cm, 16.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 7 » 33 95x81cm, 27.10.1973 » 38 80x70cm, 08.11.1973 » 22 70x43cm, 28.09.1973 » 88 45x63cm, 16.01.1974
 
No. 8 » 140 123x150cm, 18.04.1974 » 22 70x43cm, 28.09.1973 » 88 45x63cm, 16.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 8 » 140 123x150cm, 18.04.1974 » 22 70x43cm, 28.09.1973 » 88 45x63cm, 16.01.1974
 
No. 9 » 140 123x150cm, 18.04.1974 » 18 51x41cm, 30.07.1973 » 88 45x63cm, 16.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 9 » 140 123x150cm, 18.04.1974 » 18 51x41cm, 30.07.1973 » 88 45x63cm, 16.01.1974
 
No. 10 » 140 123x150cm, 18.04.1974 » 87 38x28cm, 16.01.1974 » 88 45x63cm, 16.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 10 » 140 123x150cm, 18.04.1974 » 87 38x28cm, 16.01.1974 » 88 45x63cm, 16.01.1974
 
No. 11 » 220 110x131cm, 04.07.1975  » 87 38x28cm, 16.01.1974 » 88 45x63cm, 16.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 11 » 220 110x131cm, 04.07.1975 sold/verkauft » 87 38x28cm, 16.01.1974 » 88 45x63cm, 16.01.1974
 
  Ausschnitt · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Und was erzählt uns dieses Bild? Formal nutzt es Erfindungen, die im Kubismus gemacht wurden. Das ist ungeheuer bequem: Man malt einfach irgendetwas, ohne sich viel Gedanken machen zu müssen, ob das alles so seine Richtigkeit hat oder viel bedeutet. Das ist nicht das Problem des Malers, sondern des Betrachters. Und der Betrachter kann sich, wenn ihm dazu nichts einfällt, auf ästhetische Empfindungen zurückziehen. Was angenehm und erfreulich wirkt, kann ganz naiv genossen werden. Es muss nichts bedeuten.

Was soll beispielsweise der weiße Kreisausschnitt in der linken Bildhälfte bedeuten? Die braune Form dahinter könnte als Haarbüschel gelesen werden, die dunkelbraune Form, die sich an die Stirn anschließt, als Mütze, die braunen Flächen unterhalb des Kinns und des Kiefers als Kleidung, wobei der Kreisausschnitt links unten in der Ecke die Schulter andeuten würde. Aber was soll der weiße Kreisausschnitt?

Innerhalb dieser Fläche finden sich dann noch die vier Striche, die an einen Vogelfuß erinnern. Ungefähr an dieser Stelle müsste das Ohr sein, und oft wachsen bei Männern in zunehmendem Alter auch noch einzelne Haare aus dem Ohr, aber die Interpretation der angeschnittenen Kreisfläche als Ohr ist doch ziemlich weit hergeholt. Die Interpretation der roten Fläche als Gesichtshälfte fällt demgegenüber leichter, obwohl der gegenständliche Bezug auch nicht gerade naheliegend ist.

Wo aber gegenständliche Anklänge unübersehbar sind, werden konkrete Empfindungen ausgelöst, die vermutlich weitgehend objektivierbar sind. So dürfte die von mir identifizierte männliche Figur ganz allgemein als männlich angesehen werden, und höchstwahrscheinlich auch die andere Figur als weiblich. Man kann aber noch mehr sagen. Ich würde zum Beispiel das Alter der männlichen Figur auf 50 bis 60 Jahre ansetzen, vielleicht auch auf 70, da die Senioren heutzutage immer jünger werden. Und die weibliche Figur würde ich auf 40 bis 50 Jahre schätzen, also etwas jünger.

Das ist erstaunlich, derselbe Mechanismus liegt aber auch allen Karikaturen und Witzzeichnungen zugrunde. Mit simple Linien können sehr differenzierte Sachverhalte präzisiert werden, die unter Umständen mit Worten gar nicht erschöpfend beschrieben werden können. Farben sind demgegenüber wesentlich weniger aussagekräftig. Die Farbe ist sozusagen Zugabe, sie unterstreicht und unterstützt, sagt aber selbst nichts aus. Und in der Nacht sind alle Katzen grau, mit anderen Worten: Bei der Schwarz-Weiß-Wiedergabe geht wenig verloren, wenn die Linie sprechen darf. Ist aber die Linie belanglos und die Farbe der Hauptzweck, wird man den Verlust schmerzlich bemerken.


No. 13 » 220 110x131cm, 04.07.1975  » 87 38x28cm, 16.01.1974 » 88 45x63cm, 16.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 13 » 220 110x131cm, 04.07.1975 sold/verkauft » 87 38x28cm, 16.01.1974 » 88 45x63cm, 16.01.1974
 
Das Bild ist also kubistisch-unverbindlich, was das Drumherum angeht. Die Ausdruckskraft der beiden Persönlichkeiten und deren Beziehung hingegen ist einigermaßen klar. Der Mann ist betroffen - er fühlt sich verantwortlich und muss entscheiden und handeln. Die Frau steht für ihn im Hintergrund, er beachtet sie nicht, blickt durch sie hindurch. Sie hingegen ist auf ihn fixiert, sie beobachtet ihn spöttisch und abwartend, ist nicht bereit, sich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen, wird aber vermutlich trotzdem darüber urteilen wollen.

Du meine Güte! Das ist ja ein ganzer Sack voller Klischees! Sind das die geheimsten „ngste meiner Seele? Warum stellt sie sich als alten Mann dar, wenn dem so sein sollte? Aber hier bringe ich etwas durcheinander: Die Seelenkräfte gehören ja alle mir, nicht nur der alte Mann, sondern auch die Frau. Das bin alles ich, und es wäre sträflich, das nach außen zu projizieren oder in diesem Sinne zu verstehen.

Versuchsweise will ich es mal so formulieren: Da ist ein alter Mann in mir, der glaubt den Durchblick haben und die Verantwortung übernehmen zu müssen, ist aber gleichzeitig überfordert und deshalb angeschlagen, und zugleich gibt es die vitale weibliche Seite, die sich über diesen Anspruch mokiert und ganz unbeschwert abwarten kann, wie der männliche Teil scheitert. In diesem Sinne sind die Pflanzen einfach nur das blühende Leben, ohne Reflexion, ohne Sorgen und Bedenken.
*   The preceding comment is the annotation from the oeuvre catalogue » Stürenburg 2007

 

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