85 Com Werner Stürenburg Original Fine Art Originalkunst, Oeuvre Werkschau joe

180 cm - 71 inch
Werkgröße » 52x41 cm (21x17")
Referenzfigur 180 cm


Werknummer
» 85
Abmessungen
» Kommentar
» 52x41 cm (21x17")
Öl / Papier
12.01.1974

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


» Vase de fleurs sur une table, 27.10.1969, 116x89cm · © Copyright Werner Popken. 
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» Vase de fleurs sur une table, 28.10.1969, 116x89cm · © Copyright Werner Popken. 
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Noch eins dieser dicken Papiere, und ein weiteres der seltsamen Stillleben. Interessant die Darstellung des Aquariums, also eines durchsichtigen Gegenstandes. Ein realistischer Maler hätte sich vermutlich so etwas vorgenommen und sich dabei möglicherweise ziemlich gequält. Ich hingegen habe unbeschwerten Herzens einfach losgemalt und mir selbst dabei zugeschaut, was wohl dabei herauskommt.

Diese Art Unbekümmertheit ist sehr schwer zu erlangen, nachdem sie als zunächst natürlicher Zustand im Grundschulalter unvermeidlich verloren geht, nämlich sobald das Bewusstsein weit genug entwickelt ist und erkennt, dass die Dinge anders ausschauen, als das

Vielleicht ist es das, was Picasso an den Kindern bewundert hat, und wovon er selbst behauptete, es nie gehabt zu haben. Immer wieder neu anfangen zu können, wenn man alles kann, alles zu vergessen und voraussetzungslos zu schöpfen, ist unglaublich schwer. Ob mir das damals bewusst war? Vermutlich nicht. *

Dieses Bild ist zweifellos durch die Stillleben beeinflusst worden, die ich in » Klaus Gallwitz:
Picasso Laureatus. Sein malerisches Werk seit 1945
studieren konnte. Picasso hatte vermutlich so eine Szenerie vor Augen, ich jedenfalls nicht. Aber ob er wirklich hingeguckt hat, wenn dem so war, ist fraglich.

Auf jeden Fall sind seine Gemälde mit Schwung und reichlich Material entstanden, und vermutlich vorzügliche Beispiele für das, was » John Berger in The Success and Failure of Picasso (1965), dt. » Glanz und Elend des Malers Pablo Picasso. Reinbek 1973 als virtuosen Leerlauf bezeichnet hat. Der Maler verfügt über seine Mittel, aber er weiß nicht, wofür er sie verwenden soll.

Nun ist es mit Stillleben sowieso so eine Sache. Man konnte versuchen, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und Silber wie Silber, Fischschuppen wie Fischschuppen und Äpfel wie Äpfel erscheinen zu lassen, man konnte auch etwas ganz anderes darstellen als die Gegenstände, indem nämlich eine erloschene Kerze auf den Tod und ein Spiegel auf die Eitelkeit verwies, man konnte auch die Schönheit der Schöpfung feiern, indem man etwa einen schönen Blumenstrauß darstellte, man konnte vielleicht auch einfach nur die Farben und Formen feiern, wie man das vielleicht » Emil Nolde oder » Vincent van Gogh unterstellen mag, aber alles das ist es bei Picasso nicht.

Er feiert seine Erfindungskraft, seine Willkür, seinen Sadismus. Wie soll man es anders nennen, wenn alles spitz und aggressiv ist, wenn die Blüten aussehen wie Krebsscheren, die zum Angriff ausgefahren werden, und einen mit grauslichen Augen anstarren, wenn sich völlig unvermittelt schwarze Löcher auftun, wenn der Bildgrund zerlegt und aufgefächert ist? Und meins? Mal sehen.


No. 3 »Vase de fleurs sur une table 116x89cm »Vase de fleurs sur une table 116x89cm » 85 52x41cm, 12.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 3 »Vase de fleurs sur une table 116x89cm »Vase de fleurs sur une table 116x89cm » 85 52x41cm, 12.01.1974
 


Im Vergleich wirkt es sehr viel diffuser, unklarer. Das ist sicherlich auch der Distanz geschuldet - das Bild ist ja vergleichsweise klein, muss also eher aus der Nähe beurteilt werden. Versuchsweise könnte man die Dimensionen ja umdrehen und schauen, ob sich am Eindruck etwas ändert, ob die Vermutung korrekt ist.


  Dimensionen vertauscht · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Im Prinzip ja - die Pinselzeichnung gewinnt scheinbar durch die Vergrößerung, aber im Vergleich mit den Arbeiten Picassos mangelt es ihr an Entschlossenheit, an Klarheit, an Tiefe. Sie gibt eine Virtuosität vor, die nicht ganz gerechtfertigt ist und an Beliebigkeit grenzt. Ich habe mich damit zufriedengegeben, und das war vermutlich auch richtig, weil ich das Bild bei weiteren Bearbeitung verdorben hätte, oder es wäre etwas ganz anderes entstanden.

Dieser unangenehme Eindruck entsteht sicherlich durch die vielen Schlenker, die auf sachlicher Ebene nichts beitragen. Solche Tricks wendet Picasso natürlich auch an, und zwar reichlich, aber nicht zeichnerisch, sondern malerisch. Die flächige Behandlung wirkt natürlich einheitlicher. Bei der ersten Präsentation mit den wahren Größenverhältnissen wirkt die Zeichnung überzeugender, obwohl sie kleiner ist - vermutlich hängt das genau mit demselben Effekt zusammen:
Durch die „Entfernung“ verschwimmen die Einzelheiten und ein flächigerer Eindruck entsteht. In dieser Fassung kann das Bild eher mit den Vorbildern von Picasso mithalten. Es ist zwar kleiner, hat aber mehr Kraft. Bei der vergrößerten Version wirken die vielen weißen Flecken einfach unruhig und fahrig.

Zurück zur Frage:
Was soll das, was verrät mir mein Bild über mich? Hier wird nichts gefeiert, keine Farbe, keine Fläche, keine Schönheit, keine Blumen, hier führt sich nur die Experimentierlust vor. In der  größeren Fassung kann man dem Blatt ein bisschen abgewinnen, aber es bleibt eine leere Übung, wie eine Illustration. Die Linienführung ist furios, aber leer. Ich habe mich durch (m)einen Meister verleiten lassen, ohne zu erkennen, dass dieser selber eine ganz dünne Suppe gekocht hat.

Später habe ich dieses Buch über das Spätwerk Picassos » Engelbrecht gezeigt, und der hat sofort gesehen, wo der Hase im Pfeffer liegt. Der ließ sich durch „den alten Affen“ nicht verwirren. Seine Geringschätzung erschien mir zunächst wie Respektlosigkeit, aber er konnte mir schnell zeigen, warum er von den meisten Sachen überhaupt nichts hielt. Dazu gehört natürlich auch diese absurden Stillleben. Die ungeheure Tragik, dass der größte Künstler des zwanzigsten Jahrhunderts so extrem ungleichmäßige Qualität produziert hatte und selber offensichtlich nicht unterscheiden konnte (oder wollte), war mir damals noch längst nicht aufgegangen.

*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung
aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007
 
 
Da das Picasso Project seit spätestens 24.01.2011 gesperrt ist,
führt ein direkter Link nicht mehr zum Ziel; daher bin ich gezwungen, die erwähnten Werke
hier zu reproduzieren und berufe mich dabei auf » Fair Use bzw. das » Zitatrecht.

 

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