81 Com Werner Stürenburg Original Fine Art Originalkunst, Oeuvre Werkschau joe

180 cm - 71 inch
Werkgröße » 52x41 cm (21x17")
Referenzfigur 180 cm


Werknummer
» 81
Abmessungen
» Kommentar
» 52x41 cm (21x17")
Öl / Papier
05.01.1974

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Dieses Blatt trägt die römische Ziffer IV; wo sind die ersten drei Arbeiten dieses Tages geblieben? Es ist mit dem Pinsel und Öl auf ein dickes Papier mit unebener Oberfläche gemalt, das ich wohl von meinem Vater bekommen hatte, der als Buchdrucker in einer Geschäftsbücherfabrik in Hannover arbeitete. Dort wurden solche Papiere normalerweise nicht verarbeitet.

Auf der gegenständlichen Ebene zeigt es ein junges Mädchen, das mit einem griechisch anmutenden, hochgegürteten leichten Gewand angetan ist, mit einem breiten Rüschenkragen und gefalteten Ärmeln. Die gewellten Haare sind rot und lang und seitlich zusammengenommen. In der Stirn ist der ursprüngliche Schwung für das Oval des Gesichts noch sichtbar.

Die Augen sind weit aufgerissen, sie schaut von unten nach oben aus dem Bild heraus, als würde sie einer Autoritätsperson gegenübertreten, der sie sich zu verantworten hätte. Der Hintergrund hinter ihren Haaren ist grün und zieht sich um das Gesicht herum und füllt sogar die Halspartie aus, was aber merkwürdigerweise gar nicht weiter stört. Wenn man diese Partie ins Auge fasst, könnte es sich auch um eine Maske und ein Kostüm handeln, das an der Wand hängt. Diesen Eindruck macht die Figur aber keineswegs.

Auf mich wirkt dieses Bild wie ein lebendiges Portrait eines liebenswerten Mädchens, das dem Leben gegenüber noch nicht das rechte Vertrauen gewonnen hat. Als Bildes ist es dekorativ, aber es war mir etwas zu dünn, zu liebreizend. Das nächste Bild, das wesentlich spröder ist, habe ich diesem vorgezogen und es einmal aufgehängt.

Eines aber hat mich immer gewurmt und auch jetzt fällt es mir auf:
Der verunglückte Schatten unter der Unterlippe, der wie verrutscht aussieht. Ich könnte ja mal probieren, welche Auswirkungen so etwas hat.

Vergleich:<br /> manipuliert (links und mitte) und Original (rechts) · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Vergleich:
manipuliert (links und mitte) und Original (rechts)


Wo ich gerade dabei war, habe ich auch noch die merkwürdige Überkreuzung am Augenwinkel herausgenommen. Beide Änderungen sind meines Erachtens kein Gewinn. Verstehen tue ich das nicht, insbesondere beim Schatten der Unterlippe, wo ich doch nach wie vor irritiert bin. Vielleicht braucht das Auge diese Irritation als Ausgleich für die Reize oberhalb und unterhalb.

Diese Reize haben es in sich. Das Gesicht ist flach, aber lieblich und unschuldig. Es ist der Reiz der Jungfrau, des sich vom Kind zur Frau entwickelnden Mädchens. Unterhalb der Schleiers zeigt sie zwei wunderschöne, unterschiedliche, feste Brüste, die ansprechender nicht präsentiert, deutlicher nicht herausgearbeitet werden könnten und zudem durch das lose fallende Kleid akzentuiert werden.

Vielleicht ist es gar keine Autoritätsperson im eigentlichen Sinne, der sie prüfend unter die Augen tritt, sondern ein Vertreter des Geschlechts, für das sie sich schön gemacht hat, für das sie attraktiv sein, das sie gewinnen möchte. Auch in diesem Sinne muss sie sich als Heranwachsende erproben und Erfahrungen sammeln.

Und was hat das mit mir zu tun? Keine Ahnung. Ganz dunkel erinnere ich mich, dass ich einmal kurz nach dem Abitur mit einem Mädchen aus der Nachbarschaft ausgegangen bin, das diesem Mädchen entfernt ähnlich sah. Sie war so zauberhaft zart, dass ich sie gar nicht beim Namen genannt habe (an den ich mich auch gar nicht erinnere), sondern „Engelchen“. Aber warum sollte die in einem meiner Bilder auftauchen?

Und wenn ich es recht bedenke, so trifft diese Deutung gar nicht zu. Dieses Mädchen schaut nicht, als wollte es gefallen. Ich habe mich durch die weiblichen Reize verleiten lassen, diese zu überschätzen. Der Gegensatz zwischen oberer und unterer Hälfte ist in der Tat bemerkenswert:
Oben flach, unten voluminös, oben existenziell betroffen, unten herausfordernd weiblich.

Meine erste Deutung scheint mir doch eher zuzutreffen. Sie möchte etwas richtigmachen und ist sich nicht sicher.

Nachdem mir die Dekoration in  Nummer 80 so gut gefallen hat, kann ich sie ja jetzt mal aufhängen und schauen, wie sie sich mit einem Schwergewicht wie  Nummer 187 macht.

No. 2 » 187 126x153cm, 29.08.1974 » 81 52x41cm, 05.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 2 » 187 126x153cm, 29.08.1974 » 81 52x41cm, 05.01.1974
 


Nicht schlecht. Sie hat was zu bieten und kann sich trotz ihrer Zartheit dem großen, dunklen Bild gegenüber gut behaupten. Und jetzt drehe ich das große Bild mal um - das hat nämlich auch eine Rückseite:
 Nummer 200.

No. 3 » 200 126x153cm, 08.10.1974 » 81 52x41cm, 05.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 3 » 200 126x153cm, 08.10.1974 » 81 52x41cm, 05.01.1974
 


Doll! Das ist ja wunderbar! Jetzt kann ich endlich alle meine Bilder mal aufhängen und zur Geltung kommen lassen! Und auch in diesem Zusammenhang bewährt sie sich wieder - sie kann diesem düsteren, wuchtigen Bild etwas Leichtes, Luftiges entgegensetzen.

Und ich kann Vorder- und Rückseite gleichzeitig betrachten! Überraschung! 187 habe ich immer für gut gehalten, bei 200 hatte ich keine Meinung. Im Vergleich gefällt mir 200 aber fast noch besser! Anscheinend ist das ein sehr starkes Bild.

 

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