79 800 Com Werner Stürenburg Original Fine Art Originalkunst, Oeuvre Werkschau joe

180 cm - 71 inch
Werkgröße » 79x99 cm (32x39")
Referenzfigur 180 cm


Werknummer
» 79
Abmessungen
» Kommentar
» 79x99 cm (32x39")
Öl / Leinwand
00.01.1974

Auflösung:
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Kommentar
© Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Die Serie der Kleinbilder ist vorüber, nun also wieder ein größeres französisches Format. Und eine völlig eigene Bilderfindung. Hier ist der orangene Küchentisch so abgebildet, dass man ihn nachbauen könnte.

Zwei Freundinnen sitzen offenbar am Tisch, ohne Kaffeegeschirr oder sonstige Dekorationsobjekte; auch die Räumlichkeit bleibt unbestimmt. Der Rechten geht es offenbar sehr schlecht, die Linke scheint zu trösten und beizustehen.

Bemerkenswert wieder, mit wie einfachen Mitteln seelische Zustände evoziert werden. Wiederum gibt es keinerlei Anhaltspunkte im realen Leben, die ein solches Bild rechtfertigen würden. *

Zwar lebte ich mit Erika zusammen, aber sie hatte keine Freundin, also konnte diese sie auch nicht besuchen. Sie war auch nicht der Typ, der sein Leid, so vorhanden, anderen ausschütten würde. Sie ließ niemanden in sich hineinschauen.

War das vorangegangene Bild schon als Verkaufsobjekt kaum geeignet, so kann man sich bei diesem kaum vorstellen, dass es in irgendeinem mehr oder weniger vornehmen Wohnzimmer hängen könnte. Das ist erstaunlich, da doch die unglaublichsten Sachen verkauft und mit Stolz präsentiert werden, und wenn es nur eine krakelige Linie auf einem riesigen Bild ist. Haben sich die Künstler nicht geradezu einen Wettbewerb geliefert, wer das unmöglichste Bild malen kann? Würde dieses Bild in dieser Konkurrenz bestehen können?

Der Haupteinwand ist vermutlich der dünne Farbauftrag und die weiche Linienführung. Wenn man die Farbe mit der Kelle aufträgt, bekommt man zumindest viel Material und einen sinnlichen Eindruck. Hätte ich mehrere Schichten übereinander aufgetragen, wären natürlich vielfältige farbige Effekte entstanden, die dem Bild etwas Kostbares gegeben und zumindest bewiesen hätten, dass Zeit, Mühe und Arbeit hineingesteckt wurde. Aber so sieht man, dass ich die ganze Geschichte einfach so hingeworfen habe. Kann das Kunst sein?

Die Qualität dieses Scans lässt sehr zu wünschen übrig und das Bild ist aufgerollt und damit gewissermaßen verschwunden. Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wie es mir vorkommt. Vielleicht besitzt es doch eine malerische Ausstrahlung. Damals war ich jedenfalls unzufrieden und bereit, den Keilrahmen für ein neues Bild zu opfern. Immerhin bin ich froh, dass ich das Bild nicht vernichtet habe.

So wie es ist, finde ich es perfekt und wüsste nicht, was ich daran ändern oder verbessern könnte. Es würde auf jeden Fall ein anderes Bild werden, und das könnte ich mir nicht wünschen.

Sehe ich das Bild als Bild meiner selbst, so fällt mir wieder auf, dass die eine Hälfte verzweifelt ist, die andere aber zuversichtlich. Die verzweifelte fühlt sich entsetzlich elend, lässt sich hängen und drückt sogar den Tisch herunter, die zuversichtliche ist energisch und pocht mit den Fingern auf die Tischplatte, um ihrem Vortrag Nachdruck zu verleihen. Sie weiß genau, wo es langgeht.

Merkwürdig, wie einfach plötzlich alles wird. Habe ich nicht Hunderte von Bildern dieser Art gemalt? Die Wissende besitzt hier sogar zwei Augen übereinander. Ganz offensichtlich sind damit nicht die beiden Augen gemeint, die sie auf beiden Hälften des Gesicht trägt. Das untere Auge entspricht dem wirklichen Auge, das obere ist ein anderes Auge, dessen Iris als Spirale ausgebildet ist. Dieses Auge hat eine andere Qualität.

Ich habe nicht den Eindruck, als ob die Rote die Blaue nicht wahrnehmen würde. Sie haben beide denselben Realitätsgrad. Hier sitzt nicht etwa ein Schutzengel am Tisch. Trotzdem scheint die Hilfsbedürftige die Hilfe nicht annehmen oder zumindest nicht umsetzen zu können. Für sie ist die Lage heil- und ausweglos. Auch das scheint typisch zu sein.

Mit dem Abstand von 35 Jahren kann ich dieses Bild heute sogar sehr gut finden, witzig und ausdrucksstark. Wenn man es nach allen Regeln der Kunst „künstlerisch“ aufladen würde, wäre es ein völlig anderes Bild. So wie es ist, ist es vollkommen.

*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung
aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007

 

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