78 Com Werner Stürenburg Original Fine Art Originalkunst, Oeuvre Werkschau joe

180 cm - 71 inch
Werkgröße » 37x47 cm (15x19")
Referenzfigur 180 cm


Werknummer
» 78
Abmessungen
» Kommentar
» 37x47 cm (15x19")
Öl / Leinwand
02.01.1974

Auflösung:
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Kommentar
© Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Ein etwas impressionistisch angehauchtes Bid, im Gegensatz zu den vorherigen starkfarbigen Bildern nun überraschenderweise fast als Grisaille gearbeitet; als bunte Farbe taucht lediglich das Braun auf.

Der glatzköpfige Mann mit den langen Haaren, dem weißen Hemd und der Krawatte wirkt ganz modern in seinen pelzbesetzten Mantel. Der Bürgersteig, den er entlanggeht, wirkt trist und grau. Dieser Mann ist unfroh und auf der Hut.

Sollte ich darin ein Selbstportrait erkennen? In meiner Familie hat bisher noch niemand eine solche Glatze gehabt - aber angesichts der psychologischen Interpretation dürfte eine solche Einzelheit für diese Frage keine Rolle spielen. *

Es ist ja nun einfach unglaublich - wie komme ich dazu, ein solches Bild zu malen? Es wirkt wie eine Illustration, aber zu welcher Geschichte? Und diese Kleidung - der Pelz, der Kragen, die Krawatte! Kleider machen Leute, aber sie siedeln sie vor allem in einer bestimmten Zeit an. Dieser Mensch ist ein moderner Mensch.

Aber Pelzkragen waren doch gar nicht modern! Ich besaß keinen Mantel mit Pelzkragen und kannte auch niemanden, der einen solchen trug. Und diese Glatze und die langen Haare - auch die passen zur Zeit. Solche Haare konnte man damals schon sehen oder hätte sie vielleicht sehen können, aber ich kannte niemanden, auf den diese Darstellung zutreffen würde.

Selbst der Fenstergriff und die Fensterkonstruktion gehören einer bestimmten Epoche an und sind heute fast ausgestorben. Immerhin waren vermutlich die Fenster unserer Wohnung in Bielefeld-Quelle von dieser Art. Aber dies ist die Straße in einer Stadt, während wir an einer Landstraße wohnten und einen Vorgarten hatten. Bei uns lief niemand vorbei, und selten radelte jemand auf dem Radweg vor dem Hause.

Selbstverständlich habe ich keine Vorlage benutzt, etwa ein Foto aus einer Zeitung. Das Bild entsprang genauso meinem Kopf oder besser meiner Hand wie die anderen Bilder auch. Also muss es wohl wieder in Ermangelung einer besseren Hypothese psychologisch verstanden werden, wie ein Traum. Ich hetze also unglücklich durch unwirtliche Straßen.

Der Mann auf diesem Bild ist deutlich älter als ich es war, vielleicht 20 Jahre liegen dazwischen. Wenn das vorhergehende Bild Lebensangst oder besser Zukunftsangst ausdrückt, dann kann dieses vielleicht als Befürchtung verstanden werden. Würde ich in 20 Jahren unglücklich durch die Welt laufen, unglücklich mit mir selbst und der Welt, ohne meinen Platz gefunden zu haben?

Immerhin hat mich diese Frage beschäftigt. Was sollte ich mit meinem Leben machen? Etwa 10 Jahre früher war mir diese Frage erstmals bewusst geworden, ohne dass ich bis dahin eine Antwort hatte finden können. In Berlin hatte ich immer wieder gewitzelt, was ich alles machen und werden könnte:
Friseur zum Beispiel, wenn ich Erika eine schöne Frisur gemacht hatte, Busfahrer wäre auch eine Option, schlimmstenfalls Straßenfeger.

Das war natürlich Unfug, das war mir klar, als Abiturient und Student würde ich so etwas aller Wahrscheinlichkeit nach nicht machen, aber was dann? Anscheinend war ich nicht davon überzeugt, der leidenschaftliche und geborene Mathematiker zu sein. Und auch die Aussicht auf ein Leben als Lehrer vermochte mich nicht wirklich zu begeistern. Irgendwie hatte ich von Anfang an das Gefühl, dass diese Frage metaphysischer Art war.

Es ging nicht so sehr darum, den Lebensunterhalt zu verdienen als vielmehr, meine Aufgabe im Leben zu finden. Ich habe die Frage sogar in religiösen Begriffen formuliert:
Was hatte Gott mit mir vor? Was wollte er, das ich in diesem Leben mache? Diese Wendung ist bedeutsam:
Es ging nicht darum, was ich wollte, sondern was er wollte. Aber leider sprach er nicht mit mir. Ich hielt ihn ja sowieso für nicht existent, aber dann offenbar irgendwie doch.

Bei diesem Mann besten Alters fällt mir der Ausdruck „unbehaust“ ein. Dieser Mann hat seinen Platz im Leben nicht gefunden. Dieser Mann ist gottverlassen. Dieser Mann ist unglücklich, aber er kann es nicht zugeben. Er muss weitermachen, irgendwie.

An der Malerei habe ich diesmal nichts zu meckern. Ich finde es erstaunlich, wie virtuos dieser Typ in Szene gesetzt worden ist. Das könnte ich gar nicht. Überhaupt kann ich ja überhaupt nicht malen. Als Prestigeobjekt für das kulturbeflissene Bürgertum könnte ein solches Bild freilich nicht dienen. Dazu ist es viel zu unscheinbar, zu wenig malerisch.

*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung
aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007

 

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