73 Com Werner Stürenburg Original Fine Art Originalkunst, Oeuvre Werkschau joe

180 cm - 71 inch
Werkgröße » 37x27 cm (15x11")
Referenzfigur 180 cm


Werknummer
» 73
Abmessungen
» Kommentar
» 37x27 cm (15x11")
Öl / Leinwand
31.12.1973

Auflösung:
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Kommentar
© Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Weiß der Maler jetzt, was er tut? Natürlich nicht. Er tastet sich weiter vor. Dieses Gesicht ist zweigeteilt, in eine weiße und eine braune Hälfte, in eine helle und eine dunkle, und die helle Seite kann zugleich als Profil gelesen werden, obwohl diese Lesart am Kinn schon wieder umkippt.

Die Darstellung der Nase bei der Frontalansicht ist problematisch, vor allem wenn das Licht von vorn kommt. Sie wird dann lediglich durch Schatten modelliert. Bei einer scharfen Beleuchtung von der Seite ergibt sich dann auch im fotografischen Portrait eine Kombination beider Sichtweisen.

Faszinierend ist, dass das menschliche Auge oder besser der menschliche Geist grundsätzlich immer tolerant ist und versteht, was gemeint ist, selbst wenn das Zeichen denkbar weit vom Bezeichneten entfernt ist. Schon » Leonardo empfahl, Gestalten in Wolken oder verwitterte Mauern hineinzusehen, um die Fantasie zu schulen und anzuregen, was normalerweise jedermann ohne Mühe gelingt.

Am anderen Extrem steht etwa das Mondgesicht oder der » Smiley; trotz geringster Mittel gelingt es, signifikante Botschaften zu übermitteln. Insofern ist es so gut wie unmöglich, die Wirkungen eines solchen einfachen Bildes zu beschreiben, noch dazu wo diese zweifellos von den Vorerfahrungen des Betrachters abhängen.

Für mich assoziiert sich zum Beispiel die Figur des » Harlekin mit diesem Gesicht. Ich weiß nicht warum, und noch schlimmer:
Ich weiß so gut wie nichts über den Harlekin als Figur, weiß also nicht, ob diese Assoziation berechtigt ist oder was sie in ihrer Gesamtheit bedeutet, was darin mitschwingt.

Aber das ist vermutlich unerheblich. Wenn wir in ein fremdes Gesicht schauen, müssen wir nichts über diese Person wissen, was in den meisten Fällen auch unmöglich zu erfahren sein dürfte. Trotzdem müssen wir uns zu dieser Person verhalten und kann man das meistens auch ganz gut. Was spielt sich da ab? *

Diese Figur ist für mich eindeutig männlich, in junger Mann, der etwas erstaunt in die Welt schaut, oder besser gesagt nicht in die Welt, sondern vor sich hin oder in sich hinein. Jedenfalls die braune Hälfte - die weiße Hälfte scheint etwas selbstbewusster zu schauen. Und schon bin ich wieder dabei, ein weiteres Experiment zu starten:


Vergleich:<br /> Die braune und die weiße Hälfte · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Vergleich:
Die braune und die weiße Hälfte


 

Das ist witzig, aber es hilft mir nicht wirklich weiter. Durch die Spiegelung der braunen Hälfte bekommt diese eine starrende Intensität, die die Hälfte allein gar nicht besaß. Und aus der Nasenspitze wird ein Nasenflügel.

Eine Spiegelung ist ja auch extrem unrealistisch. Bekanntlich sind die beiden Gesichtshälften mehr oder weniger ungleich. Gerade das Streben nach Perfektion, nach Gleichmaß, hatte die antike griechische Bildhauerei steril gemacht.

Interessant ist, dass die Gesichtshälfte als solche auf mich ziemlich ähnlich wirkt, egal ob gespiegelt oder regulär.

© Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


 

Ob das auch mit dem gesamten Gesicht so ist? Nein, definitiv nicht.

gespiegelt und normal · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
gespiegelt und normal

 

Interessant:
Zuerst sieht die Spiegelung fremd aus, aber man kann sich schnell daran gewöhnen. Man sieht sich selbst ja auch immer spiegelverkehrt im Spiegel, man sieht sich nicht so, wie die anderen einen sehen. Wenn man jemand anders im Spiegel sieht, sieht man ihn, wie er sich selber sieht, und das ist oft eine Überraschung. Aber man kann sich daran gewöhnen. Genauso ist es ja mit dem Drucktechniken, wo die Zeichnung, der Stock spiegelverkehrt aufs Papier kommen, und man sich dann sehr schnell an den Druck gewöhnt, obwohl doch die spiegelverkehrte Ansicht des Druckes das Original war.

Vergleich:<br /> Die braune und die weiße Hälfte · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Vergleich:
Die braune und die weiße Hälfte


 

In dieser Gegenüberstellung sehen sie allenfalls wie recht unähnliche Geschwister aus, nicht wie ein und dieselbe Person in zwei verschiedenen Ansichten. Auffällig sind auch die beiden unterschiedlichen Augen:
Das eine ziemlich undeutlich, das andere scharf blickend. » Erich Engelbrecht hatte darüber auch eine Theorie, aber ich habe sie mir nicht merken können. Das eine Auge sollte nach außen, das andere nach innen schauen.

*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung
aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007
 
 
Urheberrechtlich geschützte Abbildungen wiedergegeben unter Berufung auf das » Zitatrecht beziehungsweise » Fair Use.

 

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