180 cm - 71 inch
Werkgröße 64×79cm
Referenzfigur 180cm
Werkdaten Nr. »63
Öl / Leinwand
16.12.1973, » 64×79 cm (25×31")

» Kommentar

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Und wieder etwas völlig anderes: Diesmal einfache Grundfarben, wenig modulierte Flächen, aber welcher Ausdruck! Eine Frau kämmt sich vor dem Spiegel, und wer blickt ihr aus dem Spiegel entgegen? Ein Mann!

Der Raum wie von Picasso aus den klaustrophobischen dreißiger Jahren. Die Hände und der Kamm sind bemerkenswerte Einzelheiten. Zwar spielen allgemein Gesichter offensichtlich eine große Rolle, Hände aber nicht minder, wenn sie denn ins Bild passen, auch wenn man nicht unbedingt sofort darauf achtet.

Obwohl der Stil ein völlig anderer ist, eignet jedem dieser Bilder merkwürdigerweise ein gewisses Maß an Virtuosität. Man fragt sich, wo das herkommt. So simpel dieses Bild ist, finde ich es heute doch sehr köstlich.

Aber was sagt es aus? Die Frau schaut auf den Mann, und der Ausdruck ist ungehalten. Das Bild wirkt auf mich so, als reagierte der Mann äußerst positiv auf ihre sexuellen Reize, die ja deutlich genug vorgetragen werden und die sie durch ihre Tätigkeit auch noch unterstreicht und zur Schau stellt. Sie aber scheint ihn verscheuchen zu wollen, was er wiederum zu schlucken scheint. Mit ihm kann sie's machen.

Sehe ich recht, so handelt es sich also um einen Konflikt, der andernorts als Kampf der Geschlechter bezeichnet wird und jedenfalls eine Quelle großen Leids darstellt, was auch durch die schreienden Farben zum Ausdruck gebracht wird. Picasso müsste ich das nicht erzählen, er wusste genau, was damit gemeint ist und hat infolgedessen Bilder produziert, die im Laufe der gesamten Kunstgeschichte so noch nicht gesehen wurden, obwohl solche Qualen durchaus regelmäßig bildlich zum Ausdruck gebracht werden.

» John Berger hat nämlich in seinem Buch » Glanz und Elend des Malers Pablo Picasso völlig zu Recht darauf hingewiesen, dass beispielsweise Toilettenkritzeleien im allgemeinen kräftig schmähen, wonach die größte Not verlangt. Aber war das mein Thema? Oder müsste man auch dieses Bild als innerseelischen Konflikt lesen? Wenn ja, was sollte es bedeuten?

Ich war und bin ratlos. Oder sollte dieses Bild ebenfalls Ergebnis meiner intensiven Beschäftigung mit Picasso sein? Sein Thema war es jedenfalls mit Sicherheit, und zwar anscheinend die meiste Zeit seines Lebens, nach seinen unmissverständlichen Zeugnissen zu urteilen. Immerhin habe ich das Thema mit Humor verarbeitet.

Erfreulicherweise legte ich damals eine große Toleranz an den Tag, so dass diese Arbeiten bis heute überlebt haben. Meistens konnte ich meinen Vernichtungsanwandlungen Einhalt gebieten. Allerdings habe ich eine Reihe von Bildern abgespannt und aufgerollt, um die Keilrahmen wiederverwenden zu können. Das Wort Recycling war damals wohl noch nicht erfunden, aber Kostensenkung ist kein neues Thema. Dieses Bild gehört dazu und wartet darauf, eines Tages wieder aufgespannt zu werden. *
*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007

 

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