180 cm - 71 inch
Werkgröße 80×60cm
Referenzfigur 180cm
Werkdaten Nr. »6
Assemblage
01.11.1968, 80×60×30 cm (31×24×12")
verschollen

» Kommentar

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Der Bildtrger ist eine der verdorbenen Leinwnde, die ich produziert habe, als mir keiner mehr reinreden konnte und ich glaubte, allein schon damit die Mglichkeit zur Kunstproduktion erlangt zu haben, und die mir zu der bitteren Erkenntnis verhalfen, dass Freiheit keine hinreichende Bedingung fr die Produktion von Kunst ist; es ist also eine echte, von mir bemalte Leinwand.

Die Percke hatte ich im Zusammenhang mit Werk  Nummer 4a schon erwhnt; sie diente dazu, die Haare meiner Geliebten vor der Sprhfarbe zu schtzen. Das Gebiss ist ein Abguss meines eigenen Gebisses; kurz vor dem Abitur hatte ich einen Unfall und schlug mir mehrere Zhne aus. Dies sind die berbleibsel der Vorbereitungen fr die Produktion der notwendig gewordenen Kronen. Dieses Produkt des Zahnarztes durfte ich als Erinnerung mitnehmen. Ich stellte es als Kleinskulptur ins Regal.

Zur Verwendung in diesem Werk wurden die Zhne rot angestrichen und die beiden Hlften anatomisch korrekt fixiert. Der Zigarillo bezeugt, dass ich trotz heftigen pubertren Protestes gegen die Raucherei meiner Eltern im Zuge des Erwachsenwerdens die imagefrdernde Wirkung des Tabaks ausprobieren musste.

Der besondere Clou an dieser Arbeit ist die Asche. Fr die Konservierung durfte ich mir etwas einfallen lassen. Wie man erkennt, ist es gut gelungen. Die Augen bestehen aus handgeformten Gipsklumpen, die auf einem Stckchen montiert und rot angemalt sind. Die Blume stiftete meine Freundin; ich hatte sie ihr auf einem Kirmes geschossen.

Man sieht diesem Werk nicht unbedingt die Protesthaltung zu » Daniel Spoerri an; es gab noch ein zweites Werk, das Essensreste konservierte, und zwar durchaus problematische Materialien, etwa Feldsalat (» Eat Art). In diesem Fall war ich mir nicht sicher, wie haltbar meine Kunst sein wrde. Sie hat aber wesentlich lnger gehalten, als ich befrchtet hatte. Ich kann mich nicht erinnern, sie entsorgt zu haben. Vermutlich ist sie auf der groen Auktion vor dem Amerikaaufenthalt verkauft worden. In dieser Zeit lieferte ein Freund dieses Werk unter seinem eigenen Namen bei der Groen Berliner Kunstausstellung ein. Es wurde nicht nur ausgestellt, sondern auch neben anderen Werken fr das Titelbild des Kataloges ausgewhlt. Man denke! *

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Die Idee der » Objektkunst schien mir sehr drftig; das war ein Fall fr Leute, denen gar nichts mehr einfiel. Das Problem der Konservierung der Zigarrenasche war ja auch lediglich technischer Art und nicht wirklich interessant.

Die willkrliche Kombination von realen Gegenstnden, die eine neue Art von Poesie hervorrufen sollte, hatte mich auch nie wirklich berzeugt. In diesem Fall wird ja ganz bewusst eine Art dreidimensionales Portrait erzeugt - die „Augen“ und der „Mund“ sitzen anatomisch einigermaen korrekt. Die langen Haare und die Blume wirken eindeutig weiblich, whrend der Zigarillo ein mnnliches Element hineinbringt.

Die Augen sitzen eindeutig zu hoch, whrend man ber die Position des Mundes nichts genaues sagen kann. Dadurch entsteht zwischen den Augen und dem Mund ein Loch, wodurch sich eine Sogwirkung ergibt. Zwei der Zhne im Unterkiefer haben etwas lngere Hlse, was eine Art Vampirwirkung erzeugt.

Insgesamt scheint diese weibliche Person einen verfhrerischen, unheilvollen Charakter zu haben. Die langen schwarzen Haare entsprechen dem Klischee der Zigeunerin, die damals in so manchem Schlafzimmer gehangen haben mag.

Mehr kann man aus einer solchen Sache aber nicht herausholen. Und das war eindeutig zu wenig. Obwohl ich so etwas nicht fr tragfhig hielt, meinte ich aber doch, es nicht einfach nur als Spa betrachten zu knnen. Man muss sich ja schon fragen, warum ich berhaupt so etwas gemacht habe. Niemand sonst in meinen Umfeld wre auf eine solche Idee gekommen.
*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007

 

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