56e Com Werner Stürenburg Original Fine Art Originalkunst, Oeuvre Werkschau joe

180 cm - 71 inch
Werkgröße » 11x7 cm (5x3")
Referenzfigur 180 cm


Werknummer
» 56e
Abmessungen
» Kommentar
» 11x7 cm (5x3")
Tusche / Papier
05.12.1973

Auflösung:
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Kommentar
© Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Diese kleine Pinselzeichnung habe ich erst vor einem Jahr dem Online-Werkkatalog zugefügt. Ich hatte eine Mappe im Lager gefunden und unter vielen anderen nicht erfassten Zeichnungen fand sich auch dieses kleine Blatt, das aufgrund der deutlich erkennbaren Datierung an der richtigen Stelle eingefügt werden konnte.

Ich halte diese Zeichnung für ein Selbstportrait. Nach wie vor bin ich mit der künstlerischen Qualität sehr einverstanden. Als Autodidakt habe ich es weit gebracht. Freilich sind mittelmäßige Gebrauchsgrafiker vermutlich wesentlich virtuoser, aber was will das schon heißen?

Mit Sicherheit habe ich kein Selbstportrait malen wollen, und ich saß auch nicht vor dem Spiegel. Irgendwie hatte ich wohl einen Stapel dieser farbigen Karten und habe ein wenig mit Tusche herumgespielt. Tusche lässt sich nun überhaupt nicht korrigieren. Eins dieser Blätter zeigte einen älteren Mann, der für mich den Eindruck eines Diplomaten machte. Da wurde ich sofort vom schlechten Gewissen geplagt.

Während der beiden letzten Jahre der Schulzeit hatte sich ein Lehrer für mich interessiert, Dr. Wilhelm Stadtländer. Er war Anfang der dreißiger Jahre nach Chile ausgewandert und wegen der zu erwartenden politischen Umwälzungen und zur Absicherung seiner Pensionsansprüche Mitte der sechziger nach Deutschland zurückgekehrt; seine Frau entstammte einer Großgrundbesitzerfamilie, der Enteignung drohte. Er schlug mir vor, Diplomat zu werden und wollte sich für mich verwenden. In Chile war er Verbindungsmann zwischen der Botschaft und der Schule und der Gesellschaft und verfügte daher über gewisse Kntakte. Google findet ihn auf einer Seite des Deutsch-Chilenischen Bundes:


» Vermeer:<br /> Mädchen mit Weinglas · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
 
CARL-ANWANDTER-MEDAILLE:

1962 eingeführt, wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich durch einen beispielhaften Einsatz in der deutsch-chilenischen Gemeinschaft besondere Verdienste erworben haben.
Die stille, nicht nach außen hin glänzende Kleinarbeit soll genauso berücksichtigt werden, wie die hervorragende Einzelleistung.
Diese Auszeichnung wird auf der Jahrestagung verliehen.

» Medaillenträger

1964 gehörte er zu den Preisträgern, und kurz danach muss er nach Deutschland übersiedelt sein. Anlässlich meines Abiturs hatte er mich zu einem Essen eingeladen und ich war im Laufe des Tages versackt und hatte ihn versetzt. Das war sehr unschön und unverzeihlich. Wir haben anschließend kaum noch Kontakt gehabt. Diese Diplomatenzeichnung nahm ich nun zum Anlass, ihm einen Brief zu schicken und sie ihm zu schenken. Natürlich hat er nicht geantwortet. Ich bin noch heute, 45 Jahre später, sehr beschämt.

Ihm verdanke ich viel in Bezug auf die Kunst. Er hat mir gezielt große Kunst gezeigt, und zwar im Original. Zunächst hat er mich in seinem Auto nach Braunschweig fahren lassen (obwohl ich noch keinen Führerschein hatte), um den » Vermeer im dortigen Museum zu sehen:
» Das Mädchen mit dem Weinglas.

Dann hat er mich nach Berlin eingeladen, um mir drei Gemälde in der Dahlemer Galerie zu zeigen:

Ansonsten sollte ich meine Augen zu Boden richten, um sie nicht durch die Fülle der Eindrücke zu verderben. Entsprechend schnell durchschritten wir die Räume.

» Raffael:<br /> Tondo · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
 
     
» Goldhelm · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
 
     
» Holbein:<br /> Giese · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
 
     
» Pollaiuolo:<br /> Frau · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
 


 Goldhelm, Ausschnitt · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
 
Vor dem Mann mit dem Goldhelm bat er mich, zehn Minuten stillzusitzen und das Bild unentwegt anzuschauen; es sei ihm klar, dass mir das als junger Mensch schwer fallen müsse, aber ich solle ihm vertrauen und es einmal probieren. Es war unglaublich. In den ersten fünf Minuten passierte nichts, aber dann verwandelte sich der Helm in pures Gold.

Er wusste das und bat mich schließlich, ganz nahe heranzutreten und mich zu überzeugen, dass das Gold lediglich Hühnerdreck war (ranzoomen mit Google Art Project).

Ansonsten verlor er keine Worte, sondern vertraute darauf, dass die Bilder ihre Wirkung schon tun würden.

 

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