180 cm - 71 inch
Werkgröße 50×80cm
Referenzfigur 180cm
Werkdaten Nr. »55
Öl / Leinwand
05.12.1973, » 50×80 cm (20×31")

» Kommentar

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


» La casserole émaillée, 82x106cm · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
 
Das zweite Stillleben. Es zeigt keinerlei Bezug zu irgendwelchen Gegenständen meiner Umgebung, gefällt mir sehr gut und deshalb habe ich es immer wieder einmal aufgehängt, um mich daran zu erfreuen.

Zwar habe ich nur wenige Stillleben gemalt, aber ich weiß sie durchaus zu schätzen. Und das hat mich wiederum sehr irritiert. Wie kann man ein Bild einfach nur mögen? Ein Stillleben drückt doch gar nichts Tieferes aus, oder? Kann es ausreichen, sich einfach nur an einem Bild zu erfreuen? Ohne zu wissen warum? *

Ich schämte mich schon fast, mich zu dem Bild zu bekennen. Dabei ist das Bild nämlich auch noch ebenso absurd wie das berühmte Picasso-Stillleben mit der Kasserole » Pichet, bougeoir et casserole émaillée [La casserole émaillée], mit dem wir im Unterricht des Gymnasiums traktiert wurden. Als braver, guter, aufrichtig bemühter Schüler wollte ich gerne glauben, dass es sich dabei um den Gipfel der Malkunst handeln müsse.

Es muss wohl ein paar Monate später gewesen sein, dass ich Erika zu einem Tanzkurs nach Paris begleitet habe. Bei dieser Gelegenheit habe ich mir natürlich auch die Picassos in den Pariser Museen angeschaut. Andächtig studierte ich dieses wohlbekannte Stillleben und ließ es im Original auf mich wirken. Ich fand nichts zu bemängeln, war durchaus beeindruckt.

» Deux femmes sur la plage, 195x260cm · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
 
Das kann ich deshalb sagen, weil ich ich mit einem anderen Gemälde, das damals als Schenkung von Madame Cuttoli ausgewiesen war, trotz allen guten Willens und stundenlanger Bemühungen durchaus nichts anfangen konnte: » Deux femmes sur la plage [Femmes devant la mer] (beide heute im » Centre Pompidou).

Dass dieses Gemälde riesige Ausmaße hat, sollte es eigentlich als Hauptwerk kennzeichnen, gemalt vom größten Künstler unserer und vielleicht aller Zeiten im reifen Alter von 75 Jahren mit unglaublicher Erfahrung, Sachverstand, Kunstfertigkeit, Virtuosität, kurz mit allen guten Gaben, die man jemandem wünschen könnte - deshalb war es umso unverständlicher, dass ich mich nicht beeindrucken lassen konnte. Der Eindruck, es handele sich hier um eine vollkommen leere Stilübung, wollte einfach nicht verschwinden, sondern verstärkte sich, je länger ich das Werk auf mich wirken ließ.

Aber wer war ich, dass ich solch ein Urteil hätte fällen können? Ich zog es vor, das Unverständnis meinem fehlenden Sachverstand anzukreiden, der als solcher vollkommen verständlich war: Meine bescheidene Schulbildung, mein autodidaktisches Buchstudium, mein naives Gefühl - mehr konnte ich nicht ins Feld führen.

Dass es sich bei dem besagten Stillleben ebenfalls um eine vollkommen leere Stilübung handeln könne, kam mir natürlich überhaupt nicht in den Sinn. Zufällig fiel mir vor ein paar Tagen eine Postkarte dieses Stilllebens in die Hände und ich stellte sie im Bücherregal so auf, dass mein Blick immer wieder darauf ruht. Nun ist die Farbwiedergabe bei dieser Postkarte vollkommen anders als bei dem Scan des On-line Picasso Projects, dem ich die Abbildung hier entnommen habe. Nach meiner Erinnerung war das Bild im Original ziemlich dunkel und sehr braun, also eher so wie der Scan und nicht so wie die Postkarte; Abbildungen in zweien meiner Bücher sehen allerdings wieder mehr wie die Postkarte aus. Trotzdem, abgesehen von den Farbverfälschungen fällt mir jetzt doch sehr ins Auge, wie gewollt und trotz aller genialischen Machart konstruiert dieses Bild doch ist. Ich kann es, egal in welcher Farbversion, heute nicht mehr als unbestrittenes Meisterwerk bewundern.

Bei meinem Stillleben fällt natürlich auf, dass ebenfalls eine brennende Kerze abgebildet wird und auch ein Krug, der ebensowenig seinen Zweck erfüllen kann wie der Picassos, und auch die Porzellan-Etagere sieht sehr amorph aus (ich hatte mal irgendwo so etwas gesehen, ein sehr künstliches Gebilde, was den Eindruck eines Flechtwerks hervorrufen sollte). Man könnte fast meinen, mein Bild sei eine bewusste Hommage an Picassos Bild, oder ein Kommentar, auf jeden Fall auf dieses bezugnehmend. Das ist aber nicht der Fall. Ich hatte auch bei diesem Bild keinerlei bewusste Absichten und Vorstellungen.

Das Obst, die Kerze, die Flamme, der Kerzenständer, wie alles andere auch natürlich vollständig aus der Situation heraus erfunden (oder irgendeinem bewunderten Vorbild intuitiv nachempfunden) und nicht etwa nach einem Vorbild abgemalt, gefallen mir nach wie vor sehr gut - ein heiteres Schmunzeln steigt in mir auf, ich freue mich über die Formen und Farben, die lockere Malweise, den tänzerischen Schwung, es ist fast, als könnte man das Vergnügen spüren, das ich beim Malen gehabt haben könnte.

Daran erinnere ich mich nicht mehr, aber gut an spätere Situationen, wo ich während des Malens so intensive, lang anhaltende Glücksgefühle hatte, dass ich manchmal glaubte, es gar nicht aushalten zu können. Ich hatte natürlich gar keine Ahnung, warum ich mich plötzlich so außerordentlich euphorisch fühlte. Selbstverständlich war ich vollkommen nüchtern und hatte vermutlich reichlich sonstige Sorgen, die mich hätten belasten können. Erst gut 30 Jahre später hat mir meine jetzige Frau erklären können, was das war.
*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007
 
 
Da das Picasso Project seit sptestens 24.01.2011 gesperrt ist, fhrt ein direkter Link nicht mehr zum Ziel; daher bin ich gezwungen, die erwhnten Werke hier zu reproduzieren und berufe mich dabei auf » Fair Use bzw. das » Zitatrecht.

 

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