51 Com Werner Stürenburg Original Fine Art Originalkunst, Oeuvre Werkschau joe

180 cm - 71 inch
Werkgröße » 70x80 cm (28x32")
Referenzfigur 180 cm


Werknummer
» 51
Abmessungen
» Kommentar
» 70x80 cm (28x32")
Öl / Nessel
25.11.1973

Auflösung:
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Kommentar
© Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Und noch einmal:
Vorlesen. Ich habe damals überhaupt nicht darüber reflektiert und dieses Bild als irrelevantes Frühwerk mit vielen anderen beiseite gestellt. Heute finde ich es hochinteressant.

Der junge Mann ist vollständig in seine Tätigkeit versunken. Der Schneidersitz ist mir gar nicht geläufig gewesen und hat daher mit mir persönlich nichts zu tun.

Der Mann ist vollständig angekleidet, im Gegensatz zur Frau, der sozusagen alles zeigt, was sie hat. Sie scheint angestrengt zu lauschen, aber hört sie wirklich zu? Oder ist sie auf den Mann fixiert und versucht ihn zu verstehen?

Kann der in der Gegenwart einer nackten Frau nichts anderes tun, als vorzulesen? Worum geht es hier eigentlich?

» Baselitz würde vermutlich behaupten:
um Malerei. Aber Malerei schien mir nicht Selbstzweck zu sein, nie. Malerei als Selbstzweck empfand ich schon immer als langweilig. Deswegen kommt abstrakte Malerei auch nicht in Frage. Das ist für mich » Kunstgewerbe. *

Auch in diesem Bild taucht eine Lampe auf. Auffällig ist die Gestaltung der gewaltigen Rockerfrisur (Meine Assoziation:
» Bob Dylan) und des Hemdes, witzig die Hand, die die Broschüre hält. Der doppelte Umriss des Männerkopfes gibt diesem eine interessante Dynamik. Die Frau ist deutlich älter und schaut verblüfft auf diesen jungen Mann, der sich so gar nichts aus ihr zu machen scheint. Ihr Kopf ist erheblich strenger gestaltet als ihr Körper; wenn man ihn längere Zeit fixiert, scheint er fast aufgeklebt zu sein.

Die amorphe Struktur des Frauenkörpers ist merkwürdig; beispielsweise hätten die Brüste ja mit ebenso energischen Strichen hingesetzt werden können wie etwa die Nase. Der Körper ist eher so diffus behandelt wie der Hintergrund. Ohne Picassos Erfindungen und Freiheiten wäre eine solche Gestaltung vermutlich nicht denkbar. Im Gegensatz zu den Bereichen Rundungen ihres Körpers ist die rechte Hand erstaunlich spitz, wie oft auch bei Picasso. Diese Spitzen zeigen aber nicht auf ihn, sondern auf sie.

» Nu assis et deux personnages II, 52x65cm · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
 
     
» Femme assise, 188x130cm · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
 
Die Gestaltung ihres Körpers, die natürlich Picasso viel, nein alles verdankt, erscheint hier aber weniger aufdringlich (Beispiel:
» Nu assis et deux personnages II) und weniger aggressiv (Beispiel:
» Femme assise dans un fauteuil (Dora)) als bei ihm. Es ist nicht das Auge des Voyeurs oder Sadisten, das hier erfreut sein soll.

Vielmehr sind die erotischen Einzelheiten mehr nebenbei skizziert und bekommen nicht mehr Gewicht als etwa seine Hand oder sein Fuß. Man hat auch nicht den Eindruck, dass der junge Mann sexuell behindert sei wie die alten Männer bei Picasso oder schwul und aus diesen Gründen nicht an der Frau interessiert. Warum dann?

Wenn ich dieses Bild als Repräsentation innerer Kräfte lese, so wird hier zweifellos ein Konflikt dargestellt. Für den jungen Mann sind andere Sachen wichtig als die, die die Frau ihm unterstellt. Offensichtlich sind es geistige Dinge, die er in dieser Broschüre findet. Das Interesse daran wird schon aus seiner Physiognomie deutlich; man vergleiche im Gegensatz dazu nur die vielen Männer und Jünglinge bei Picasso, denen man kaum zutraut, dass sie jemals ein Buch in die Hand nehmen. Dieser Jüngling ist eindeutig ein Intellektueller, vielleicht sogar ein Sinnsucher.

*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung
aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007
 
 
Da das Picasso Project seit spätestens 24.01.2011 gesperrt ist,
führt ein direkter Link nicht mehr zum Ziel; daher bin ich gezwungen, die erwähnten Werke
hier zu reproduzieren und berufe mich dabei auf » Fair Use bzw. das » Zitatrecht.

 

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