180 cm - 71 inch
Werkgröße 210×130cm
Referenzfigur 180cm
Werkdaten Nr. »4a
Öl / Nessel
01.12.1968, » 210×130 cm (83×51")
verschollen

» Kommentar

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Auch hierbei handelt es sich um einen ironischen Protest, diesmal jedoch gezielt gegen einen schon damals hochgeschtzten Avantgardisten gerichtet: » Yves Klein.

Ich kannte nur wenig aus der Kunstgeschichte und hatte mich damit auch gar nicht beschftigt. Auf einer ersten Sommerreise mit meiner neuen Freundin durch Skandinavien besuchte ich das » Moderna Museet in Stockholm und war wenig angetan. Insbesondere emprten mich zwei Werke von Klein, die spter beide zu knstlerischen Protestreaktionen fhrten.

Die berhmten Naturschwmme, die er einfach auf eine Holzplatte montiert und anschlieend gleichmig blau eingefrbt hatte, empfand ich als abgeschmackt. Das sollte ein bedeutendes Kunstwerk sein? Nur eine von den drei Arbeiten, die in Reaktion darauf Kunstschwmme benutzen, haben Eingang ins Werkverzeichnis gefunden - warum eigentlich? Mglicherweise waren die beiden anderen nicht mehr in meinem Besitz, als ich die fotografische Dokumentation begann.

Die sogenannten Anthropometrien Kleins andererseits, Abdrcke nackter Frauen, die der Knstler vorher blau angemalt hatte, ohne jeden anekdotischen Bezug, wo er also Menschen in ihrer Eigenschaft als erotische Objekte enterotisiert, instrumentalisiert und zum Werkzeug macht, fhrten zur gesprhten Umrisszeichnung meiner Geliebten Erika, die durch eine dicke Lage Nivea und eine Faschingspercke geschtzt war. Diese Percke wiederum wurde anschlieend in Werk  Nummer 6 verarbeitet. *


› No. 6   80x60x30 cm sold/verkauft
Diese Frau wird in ihrer Krperlichkeit sichtbar, man ahnt ihre Rundungen, man mchte ihren Leib anfassen, sie wird als Individuum fassbar, obwohl die Darstellung hochgradig anonym ist. Ihre Haltung ist hchst stilisiert, wirkt im oberen Teil segnend, obwohl aus dem unteren hervorgeht, dass sie auf dem Bauch liegen muss. Da das Bild aber senkrecht an der Wand hngt, ergibt sich ein gewisser Schwebezustand.

Und wiederum drngen sich mir Assoziationen zu religisen Vorstellungen auf, in diesem Fall zu Schweitchern. Das liegt zweifellos an der merkwrdigen Patina, von der ich gar nicht sagen kann, wie sie zustandegekommen ist. Es wird die natrliche Begleiterscheinung der Sprhtechnik gewesen sein. Man erkennt, dass ich zwei verschiedene Farben verwendet habe: Rot und Schwarz, um die Umrisse zu beschreiben. Wie der Bildgrund entstanden ist, wei ich nicht mehr, aber er trgt sehr stark zur Aura des Werks bei.

Verglichen mit den Anthropometrien Kleins wirkt dieses Werk sehr intim, konkret, verbindlich, whrend seine Arbeiten demgegenber abstrakt und willkrlich anmuten. Diese Frau knnte man liebkosen, seine Abdrcke nicht. Hier ahnt man die Haut und die Schnheit, bei ihm ist diese gar nicht vorstellbar. Seine Werke wirken distanziert, abgeklrt, unterkhlt, dieses Werk wirkt warm und naiv. Seine Bilder sind Artefakte eines Happenings, wo der Knstler im Smoking zu Kammermusik zur Unterhaltung des Publikums die nackten Frauen als stimmengesteuerte Pinsel benutzt, um die Autonomie und Knstlichkeit der Kunst zu beweisen. Mein Bild ist eine Liebeserklrung, entstanden in der Intimitt der Zweisamkeit.

Dies war eins der Werke, die ein Jahr spter anlsslich der Wohnungsauflsung vor der bersiedlung in die USA versteigert wurde. Ich glaube nicht, dass ich den Erwerber gekannt habe. Anhand der Symbolfigur erkennt man, wie gro das Bild ist und wie gro die Frau, deren Abbild hier zu sehen ist. In unserem kleinen Zimmer war natrlich kein Platz dafr, aber fr das so genannte Berliner Zimmer der groen grnderzeitlichen Wohnung, in der wir Studenten mit Freunden lebten, war es ideal: Ein groes Durchgangszimmer, mit dem eigentlich wenig anzufangen war, das einem solchen Bild aber sehr schn zur Entfaltung verhelfen konnte.

Ursprnglich hatte ich das Bild wohl nicht aufnehmen wollen, spter aber dann meine Meinung gendert und musste es dann wegen der chronologischen Ordnung notgedrungen dazwischenschieben - deshalb die eigenartige Werknummer. Da ich alle Berliner Werke vor der Abreise fotografiert hatte, um sie verschiedenen Kunsthndlern anzubieten, und diese Dias die Zeiten ebenfalls berdauert hatten, konnten auch Werke dokumentiert werden, die inzwischen verschollen sind. Was aus diesem Bild wohl geworden ist? Ob es wohl immer noch existiert? Als wir nach einem Jahr aus den USA wieder zurckkamen und unseren alten Freunden in Berlin einen Besuch abstatteten, wusste niemand mehr etwas davon.
*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007

 

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