180 cm - 71 inch
Work size 12×17"
Reference figure 71"
Work Data No. 47
Öl / Paper
25.11.1973, » 30×42 cm (12×17")

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© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA







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Zwei Tage später, die ersten neun Blätter fehlen im Werkkatalog und vielleicht überhaupt; dies ist Blatt Nummer X. Ich habe den Kugelschreiber also beiseitegelegt und meinen alten Deckfarbkasten aus der Schule aktiviert - oder stimmt der Eintrag im Werkkatalog und es handelt sich um Öl auf Papier? Könnte wohl sein.

Farbe kommt jedenfalls ins Spiel, und zwar genauso virtuos wie zuvor bei der Stiftzeichnung. Vermutlich hatte ich in dieser Zeit die erste Publikation über Picassos Spätwerk erworben, » Klaus Gallwitz: Picasso Laureatus. Sein malerisches Werk seit 1945, ein echtes finanzielles Opfer angesichts meines studentischen Budgets, und staunte über dessen viele Variationen zum Thema Maler und Modell. *

Dieses Gemälde gefällt mir sehr gut; es ist sehr frisch, sehr dynamisch, sehr kraftvoll, sehr frei, es wirkt geradezu professionell. Ich habe meine Lektion bei Picasso gut gelernt, wie man an der summarischen Darstellung des Mannes und dem prominent zur Schau gestellten Hinterteil der Frau erkennen kann.

»  Nature morte sous la lampe, 53x64cm · Âä Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork ä CC BY-SA
» Le peintre et son modèle, 22x28cm · Âä Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork ä CC BY-SA
Außerdem taucht hier auch noch eine Lampe auf. Ich erinnere mich gut an den Linolschnitt » Nature morte sous la lampe 1962, der in einem dieser Bücher abgebildet war, die ich damals studierte. Die Lampe dort hat mich sehr beeindruckt, mehr als das Glas und die Tomaten. Meine Lampe gefällt mir fast noch besser. Freilich spendet sie eigentlich kein Licht.

Bei diesem alten Knaben kann man nun nicht mehr davon sprechen, dass es sich um ein verkapptes Selbstportrait handelt (oder sollte ich mich mit diesem identifiziert haben?). Dabei wird jedoch etwas anderes deutlich: Die Unangemessenheit dieser Situation. Die Frau ist nackt und blickt den Mann leicht lüstern an. Sie ist in Gedanken ganz woanders, jedenfalls nicht bei dem Buch und der Vorlesung, während der Mann ganz eindeutig auf diese Tätigkeit fixiert ist.

Die Assoziation zu den vielen Variationen Maler und Modell von Picasso liegt nahe: Auch dort ist der Mann meistens in die Arbeit vertieft und scheint die Verlockung der Frau gar nicht zu bemerken (z. B. » Le peintre et son modèle 15.07.1970). Bei ihm scheint die Thematik autobiografisch gefärbt zu sein, nämlich durch sein Leiden an seiner Impotenz. Bei mir hingegen muss diese Enthüllung verwundern, da ich aus einem prüden Elternhaus stamme und fast mein ganzes Leben lang davon ausgegangen bin, dass Lüsternheit und Frau gar nicht zusammengeht. Infolgedessen habe ich diesen eindeutigen Bildinhalt nicht wirklich zur Kenntnis nehmen wollen.

Das ist nun wirklich ein starkes Stück: Das Bild zeigt mir etwas, und ich will es nicht sehen. In der Realität habe ich so etwas sicher nicht erlebt. Oder wenn ich es erlebt haben sollte, habe ich es nicht wahrgenommen. Irgendwann habe ich einmal gelesen, vielleicht in einem psychoanalytischen Traumbuch, dass Lesen gleichzusetzen ist mit Sex haben - was ja nun wirklich keine Überraschung ist, wenn man bedenkt, dass laut » Freud eigentlich alles irgendwie mit Sex zusammenhängt.

Auch im Vergleich mit den anderen Zeichnungen ist diese bemerkenswert, da bisher die Frauen keinen Kontakt zu den Männern aufgenommen hatten, während diese Frau ganz eindeutig den Mann zugewandt ist - schon die räumliche Stellung ist bezeichnend. Die Lampe und das Licht beziehungsweise die Wand dahinter wirken wie ein Keil zwischen den beiden, die blaue Struktur hinter der Frau wirkt wie ein zusätzlicher dynamischer Schub, so dass man den Eindruck hat, die Frau rücke näher an den Mann heran.

*   The preceding comment is the annotation from the oeuvre catalogue » Stürenburg 2007
 
 
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