180 cm - 71 inch
Werkgröße 30×42cm
Referenzfigur 180cm
Werkdaten Nr. 46
Kugelschreiber / Papier
23.11.1973, » 30×42 cm (12×17")

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Gleich noch einmal der Rückgriff auf das Vorlesethema, diesmal aber leicht abgewandelt: Der Mann ist von vorne zu sehen, das Buch kaum noch erkennbar, die Frau hat es sich auf einem » Sitzsack gemütlich gemacht, im Vordergrund ist ein » Flokatiteppich angedeutet, der damals modern war, ebenso wie die Sitzsäcke.

Unser Teppich hat fast das gesamte Wohnzimmer bedeckt; außer dem Teppich gab es sechs Sitzsäcke, einige Beistellwürfel, eine Reusenlampe, eine Musikanlage und mit Nessel bespannte Schiebewände vor dem Fenster - alles in Weiß und alles selbstgebaut. Selbst den Verstärker hatte ich (bereits in den USA) als Bausatz gekauft und zusammengebaut und -gelötet, die Lautsprecher waren in Bielefeld als Satellitensystem mit vier Mittel-Hochton-Gruppen und zwei riesigen Bass-Exponentialboxen nach Anleitung aus einem » Franzis-Handbuch realisiert worden.

Mit anderen Worten: Ich arbeite wie Picasso und zeige durchaus und ungeniert, was ist. War mir das bewusst? Vermutlich nicht. Allerdings dürfte ich damals schon die Darstellungen Picassos von seiner Villa Californie gekannt haben. In diesem Sinne ist diese Zeichnung so realistisch wie die Arbeiten Picassos, der ja bekanntlich Wert darauf gelegt hat, immer streng wie die Natur zu arbeiten, nicht nach der Natur. Man schaut hier also von der Tür auf die Fensterseite und sieht die beiden da sitzen.

Freilich sind bei den Personen keinerlei Ähnlichkeiten zu uns zu entdecken. Die Stimmung zwischen beiden ist freundlich, insbesondere die Frau scheint sich wohlzufühlen, der Geschichte zu lauschen und in sich hineinzuhorchen. Der Mann liegt etwas merkwürdig nach vorn rechts heraus, als wäre dort etwas - jedenfalls konzentriert er sich nicht auf sein Buch.

Der Teppich stört ein bisschen. Er bringt Unruhe in das Bild und ist vielleicht auch nicht ganz geschickt dargestellt. Wäre es ohne diesen Teppich besser? Diese Frage ist ja mit Hilfe der digitalen Bildbearbeitung leicht zu beantworten:


 Mit und ohne Teppich · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA

Ich finde, ohne Teppich fehlt etwas, aber vielleicht ist das nur die Gewöhnung. Der Teppich erdet die ganze Sache etwas mehr, die Figuren schweben nicht einfach so im Raum. Die beiden sind ja in dieser Fassung des Themas etwas zusammengerückt, sein Knie berührt sogar den Sack. Er scheint auf dem Boden zu sitzen, und zwar im Schneidersitz, was für mich nicht gerade charakteristisch ist.

Der frische Gesichtsausdruck des Mannes fällt auf. Er scheint eine Menge Mumm zu haben und sehr präsent zu sein. Obwohl er im Schneidersitz eigentlich kaum beweglich sein dürfte, wirkt er sehr dynamisch, während die Frau in ihrer Eiform geradezu unbeweglich und eingesponnen wirkt. War mir die vorherige Zeichnung zu intim, zu gefährlich? Verglichen damit wird hier eine heile Welt vorgespielt.

 

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