180 cm - 71 inch
Werkgröße 42×30cm
Referenzfigur 180cm
Werkdaten Nr. »44
Kugelschreiber / Papier
23.11.1973, » 42×30 cm (17×12")

» Kommentar

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Dieses Blatt trägt zusätzlich zum Datum die römische Ziffer VI - auch das eine Konvention, die ich von Picasso übernommen habe. Während bei ihm Zeichnungen oft experimentellen Charakter haben, wo er durch bewusste Überschreitung von Grenzen gleichsam mit Gewalt auf neue Ideen zu kommen versucht, ist es bei mir eher so, dass jedes Blatt für sich steht. Es gibt in diesem Sinne keine Vorzeichnungen oder Versuche oder Experimente. Durch den Wechsel der Orientierung habe ich offenbar die vorhergehende Serie unterbrochen. *

Diese Zeichnung ist mit acht Strichen gemacht, manche sehr lang und verschlungen, einige wenige sehr kurz. Wie viele habe ich bei den Zeichnungen vorher gebraucht?

Nummer
Anzahl
 /43 18/19
 /42 35
 /41 25

Doch mehr, als ich dachte - freilich sind viele Striche extrem kurz, zum Beispiel die, die das Buch andeuten. Solche anekdotischen Einzelheiten fehlen hier. Dafür haben wir wieder einmal eine extreme Nahsicht, diesmal aber als Profil und Frontalansicht kombiniert. Ist das nun ein Mann oder eine Frau? Für mein Gefühl ist es eindeutig eine Frau; die eher männlich wirkende Profilansicht ist auch nur im oberen Bereich suggestiv, unten nicht mehr, oder genauer gesagt: Unten gibt es gar keine Profilansicht mehr.

Mit der Zuordnung bin ich aber vorsichtig, weil ich schon mehrfach erlebt habe, dass andere Menschen dies anders erleben. Wir kennen das ja auch aus dem wirklichen Leben, wo wir manchmal unsicher sind, ob wir einen Mann oder eine Frau vor uns haben, sei es als Foto oder als Person. Beim genaueren Hinsehen mag sich dann entscheiden, um welches Geschlecht es sich handelt, wobei die Entscheidung mal zur einen und mal zur anderen Seite fällt.

Das ist wieder ein spezifisches Problem für die rechte Gehirnhälfte: Die Bestimmung des Geschlechts. Die linke könnte es nicht ausrechnen oder ausmessen. Oder doch? Die automatischen Personenerkennungsprogramme, die zweifellos immer besser werden, können vielleicht nicht nur ein Bild einer Person zuordnen, sondern daraus auch das Geschlecht ableiten - wer weiß? Der Zeichner und Maler soll das aber können, ohne dass er darüber reflektieren müsste. Er muss es machen, sein Auge muss es sehen, seine Hand realisieren. Er muss es nicht erklären können.

»  Françoise, 65x49cm · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Also schaut mich hier eine Frau an. Ich kann darin keine tiefere Bedeutung erkennen, aber ich sehe, vornehmlich in der  größten Auflösung, dass die Linien und Erfindungen fast überall sehr ausdrucksvoll sind. Einige schwache Stellen finden sich, die man etwa bei Picasso nicht finden würde, aber ansonsten kann die Zeichnung durchaus mithalten. Ich denke da beispielsweise an Lithographien, die Picasso 1946 von seiner neuen Bekanntschaft » Françoise Gilot gemacht hat und die ich aus Pablo Picasso. Gemälde und Grafiken. Einleitung von Jürgen Gustav. Berghaus Verlag,1972 kannte (siehe »Françoise aux cheveux ondulés, wobei insbesondere in der Vergrößerung sehr deutlich wird, dass er hier keineswegs wie ich auf Anhieb gearbeitet, sondern vielmehr kräftig korrigiert hat).

Insbesondere der Mund ist sehr ausdrucksvoll und eine ganz eigene Erfindung. Auch die Augen sind nicht schlecht; das eine scheint nach innen zu blicken, das andere etwas erstaunt nach außen. Der Kugelschreiber hat immer wieder gekleckst, aber das stört nicht weiter. Der Kreis links unten mit dem Zentrum hat mich als überflüssiges Ornament irritiert, weil ich darin die Andeutung von Kleidung gesehen habe, für die eine solche regelmäßige Form nicht wirklich angemessen wäre, bis ich ihn als Brust erkannt habe - so gelesen bringt die Figur einen gewissen Witz hinein und lässt mich schmunzeln.
*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007
 
 
Da das Picasso Project seit sptestens 24.01.2011 gesperrt ist, fhrt ein direkter Link nicht mehr zum Ziel; daher bin ich gezwungen, die erwhnten Werke hier zu reproduzieren und berufe mich dabei auf » Fair Use bzw. das » Zitatrecht.

 

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