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180 cm - 71 inch
Werkgröße 100×80cm
Referenzfigur 180cm
Werkdaten Nr. 38a
Öl / Nessel
11.11.1973, » 100×80 cm (39×31")

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Die erste Lesende - und gleich in einer recht komplizierten Haltung und Perspektive. Der Kopf weckt Assoziationen an » Giacometti, und zwar sowohl durch die Form als auch durch die Farbe. Gleichwohl hat diese Figuren nichts von Giacometti an sich. Vermutlich erlaubt es die Assoziation, sich das Bild leichter anzuverwandeln.

Ich nahm die offensichtliche Trennung von Kopf und Leib erstaunt zur Kenntnis und glaubte sie auch in späteren Werken erkennen zu können. Das schien mir ein Zeichen für Verkopfung und Verklemmung zu sein. *

Dieses Bild hat mir immer sehr gut gefallen und ich habe es anfangs auch aufgehängt. Die Darstellung und Verkürzung der Füße sind einfach unglaublich virtuos und lassen ein langjähriges Studium mit vielen Skizzen und Versuchen vermuten; auch die Darstellung der rückwärtigen rechten Hand und des Armes ist verblüffend. Trotz aller Freiheiten sind hier keine unangenehmen Verzeichnungen wie bei  Nummer 36 zu finden.

Diese Virtuosität ist umso erstaunlicher, als auch dieses Bild völlig ohne Modell und Vorzeichnung entstanden ist. Links neben der rechten Brust, ziemlich nah am linken Bildrand, findet man eine weitere, noch etwas reizvollere Brust, die davon zeugt, dass die Figur zunächst weiter links angelegt war. Die Übermalung rechts neben ihrem linken Arm ist ebenfalls eine Korrektur. Ich habe mich also einfach nur auf mein Auge verlassen. Die endgültige Konturzeichnung um die Schultern ist delikat und köstlich.

Ihr linker Oberschenkel ist etwas zu lang und endet etwas zu dick, und der linke Unterschenkel ist dafür zu kurz und zu dünn; da ich ansonsten nicht gezögert habe, wenn nötig zu korrigieren, ist nicht ganz klar, warum mein Auge hier nicht protestiert hat. Auch die linke Ferse hätte etwas Kontur vertragen können. Bei ihrem Hintern kann man noch ganz deutlich drei verschiedene Ansätze erkennen.

Interessant finde ich auch die Brüste, die ich, wie auch alles andere, nie nach der Natur studiert habe. In gewisser Weise habe ich vermutlich genau das realisiert, wovon Picasso im Alter laut Hélène Parmelin schwärmte: Chiffren zu verwenden, die für Gegenständliches stehen. Meine Naturstudien beschränken sich auf die wenigen Portraits und Selbstportraits und die Kopien, wenn man so will. Alles andere ist ohne Vorbild entstanden, auch die Paraphrasen.

Die Haut ist malerisch wunderbar erfasst, obwohl ich mir auch hier viele Freiheiten erlaubt habe. Der Vergleich mit  Nummer 29 beispielsweise zeigt meine Fortschritte. Der Kopf charakterisiert trotz der der argen Deformation und der groben Mittel eine feine Persönlichkeit. Die Konzentration auf die Lektüre, auf das auf den Beinen gehaltene, summarisch angedeutete Buch, ist trotz der simplen Knopfaugen überzeugend. Der Schambereich ist unbestimmt; es könnte eine Andeutung sichtbar sein, mehr aber nicht.

Dieses Bild hat mich trotz der malerischen und zeichnerischen Virtuosität irritiert, und zwar wegen fehlender weiterreichender Botschaft und inhärenter Peinlichkeit. Ganz offensichtlich ist eine Pose dargestellt - zwar könnte man in dieser Haltung lesen, würde es aber vermutlich nicht tun. Durch die Konzentration auf das Buch gibt es keine Kommunikation mit dem Betrachter. Dafür ist der Körper vom Kopf getrennt und zum Betrachten freigegeben, zur Lust eines Unbekannten. Vielleicht ist das die eigentliche Spaltung zwischen Kopf und Körper. Das Modell prostituiert seinen Körper, und das ist unangenehm und beschämend, für das Modell und auch für den Betrachter. So dämpft dieses Gefühl seine Freude ganz erheblich.

*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007

 

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