180 cm - 71 inch
Werkgröße 67×51cm
Referenzfigur 180cm
Werkdaten Nr. »24
Öl / Nessel
04.10.1973, » 67×51 cm (26×20")

» Kommentar

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Und schon bin ich anscheinend wieder zurck beim Portrait, diesmal aber ohne Vorbild. Und ich habe keine Ahnung, wie ich die Frau habe so locker in Szene setzen knnen. Insofern ist dieses Bild durchaus schon ein Beleg fr die vollkommene Hingabe an den Malprozess, den ich erst noch wrde bewusst lernen mssen. *

Zweifellos hatte ich wieder meine schne Freundin im Sinn, die damals einen Pony trug; auf dem Foto war dies nicht der Fall. Merkwrdigerweise sind die Augen ganz schwarz und tot, und auch der Mund ist schwarz oder zumindest sehr dunkel geschminkt - nach dem vorliegenden Scan zu urteilen, jedenfalls. Gesicht und Hnde sind demgegenber wei.

Die Frau sitzt anscheinend in einem Ecksofa. So etwas besaen wir gar nicht. Hinter ihr scheint sich eine Wandecke zu befinden, allerdings ist die schrg. Den rechten Arm hat sie aufgelegt, die Hand hngt leblos herunter.

Die Malweise der Hand erinnert mich ein bisschen an » Max Beckmann, und ich kann es nicht vermeiden, dass mir dabei sofort die Anekdote einfllt, von der er in seinem Tagebuch erzhlt. Kufer hatten ihm ein Bild zur berarbeitung zurckgebracht, weil sie die Anzahl der Finger nachgezhlt hatten. Es war einer zu viel, er musste sein Bild korrigieren und bezeichnete die Operation als Amputation. Diese Anekdote kannte ich zu dem Zeitpunkt noch gar nicht - genau dasselbe ist Picasso brigens auch passiert, wie ich erst vor ein paar Jahren erfahren habe, und auch er hat dem Wunsch der Besitzer stattgegeben, obwohl er doch sonst so abweisend war.

Und tatschlich: Sie hat doch sechs Finger an ihrer Hand! Ist ja nicht zu fassen! Da ich der Besitzer bin und keinen Ansto daran nehme, es ja gar nicht bemerkt habe, wird es auch so bleiben. Ansonsten sitzt sie in einer kniglichen Haltung, geschmckt mit einer Kette, die ein gewaltiger Anhnger ziert, aber merkwrdigerweise scheint der linke Arm zerlumpt zu sein. Die linke Hand ruht auf ihrem Oberschenkel.

Die Haare wirken wieder wie eine Percke, das Kinn scheint zu kurz zu sein, an der Nase habe ich korrigiert (am Kinn vielleicht auch), ihr Hals scheint durch einen Schal oder Rschen bedeckt zu sein. Mglicherweise ist die weie Gesichtsfarbe ber etwas drbergepinselt, was man noch ganz leicht ahnen kann. Sie schaut unbestimmt vor sich hin.

Auffllig ist der groflchige rote Hintergrund, der mit dem roten Unterkleid korrespondiert, das am zerlumpten linken Arm sichtbar wird. Die Atmosphre ist insgesamt etwas traurig und hoffnungslos. Wre das Bild aus der blauen Periode von Picasso, handelte es sich um eine Prostituierte oder Absinthtrinkerin, womit eine Alkoholikerin gemeint wre.

Die Farbe ist an vielen Stellen gar nicht berzeugend, zum Beispiel das Braun des Sofas, besonders um ihre rechte Hand herum. Dafr berzeugt das Kleid an vielen Stellen. Der linke Arm wirkt etwas abgeschnitten, die rechte Hfte ist ebenfalls etwas knapp.

Diese ganze Diskussion ist aber sehr merkwrdig, da die spteren Bilder so berzeugend wirken, obwohl berhaupt nichts stimmt, wenn man sie mit hnlichen Augen betrachten wrde. Warum drngt sich der Eindruck hier berhaupt auf? Liegt es daran, dass die Malweise eine realistische Darstellung suggeriert, lediglich auf eine etwas freizgige Weise? Aber dann msste ja jegliche unrealistische Darstellung per se berzeugend wirken, was ja auch nicht der Fall ist.

Ich frchte, hier stt die Sprache und die Analyse an Grenzen. Warum wirkt beispielsweise ihre rechte Hand im oberen Bereich weniger berzeugend als im unteren, obwohl ja nicht nur ein Finger zu viel ist, sondern die angedeuteten Fingerngel zuweilen gar nicht an der richtigen Stelle sitzen?

Demgegenber wirkt ihre linke Hand berzeugender, aber zugleich weniger ausdrucksvoll. Der bergang zwischen ihrem linken Oberarm und dem Unterarm ist fr mein Empfinden durchaus in Ordnung, sachlich gesehen jedoch vllig unbefriedigend. So gesehen ist es erstaunlich, dass ich den Mut gefunden habe, das Bild so stehen zu lassen, wie es ist.

Obwohl es also viele Hinweise gibt, dass das Bild ein Portrait ist, hat es abgesehen von uerlichkeiten doch keinerlei hnlichkeiten. Diese Frau ist mir vollkommen fremd und ist es immer gewesen. Mglicherweise habe ich ein Portrait vorgehabt, und es ist mir nicht gelungen.
*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007

 

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