20 Com Werner Stürenburg Original Fine Art Originalkunst, Oeuvre Werkschau joe

180 cm - 71 inch
Werkgröße » 66x131 cm (26x52")
Referenzfigur 180 cm


Werknummer
» 20
Abmessungen
» Kommentar
» 66x131 cm (26x52")
Öl / Nessel
20.08.1973 - 21.08.1973
Kopie nach Picasso: Femme nue couchée jouant avec un chat.

Auflösung:
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Kommentar
© Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


» Femme nue couchée jouant avec un chat, 89x195cm · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Diese » Kopie nach Picasso ist nach einer Abbildung in einem preiswerten Picasso-Buch entstanden:
Pablo Picasso. Gemälde und Grafiken. Einleitung von Jürgen Gustav. Berghaus Verlag,1972. Das Buch befindet sich noch in meinem Besitz; mit Bleistift habe ich auf dem Titel vermerkt:
Herbst 73. Unmittelbar nach dem Erwerb muss ich das Bild gemalt haben, da es am 20. und 21. August 1973 entstanden ist.

Solche Bücher haben damals die Dimensionen nicht vermerkt. Später erfuhr ich, dass das Original von 1964 im » Von der Heydt-Museum in Wuppertal hängt und noch deutlich größer ist als meine auch schon nicht kleine Version, nämlich 89x195cm.

In all diesen Jahren habe ich es noch nicht geschafft, mir das Original anzuschauen. Die kleine » Abbildung dieses Bildes auf der Internetpräsenz des Museums wirkt sehr flau. Die Abbildung im Buch wurde auf grobem Papier gedruckt und ermangelte dementsprechend ebenfalls der Tiefe und des Kontrastes.

Der Maler » Erich Engelbrecht, den ich kurz darauf kennenlernte, wollte dieses Bild kaufen, aber das habe ich abgelehnt. Eigentlich war es ja auch eine Beleidigung. Er hätte ein Bild von mir kaufen sollen, nicht eine Kopie nach Picasso. Wahrscheinlich wollte er sich einen Spaß erlauben.

Dieses Bild habe ich ausnahmsweise signiert, links oben, um gar keine Unklarheit aufkommen zu lassen, mit joe n. P. (nach Picasso). Das Signieren habe ich nämlich schnell wieder aufgegeben. Eigentlich, so fand ich, stören Signaturen. Und warum sollte ich?

 Vergleich Original - Kopie · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Soweit ich das beurteilen kann, ist die Kopie recht gut gelungen, wenn man berücksichtigt, dass ich gewissermaßen frei Hand gearbeitet habe, also ohne Zuhilfenahme eines Projektionssystems. Auf diese Weise habe ich mich in das Bild hineingefühlt, statt mich sklavisch an die Vorgabe zu halten, und gleichzeitig sind einige gravierende Positionsfehler entstanden, wie man aus der Animation unmittelbar entnehmen kann - die waren mir vorher gar nicht aufgefallen.

Bei der Arbeit an diesem Bild konnte mir nicht verborgen bleiben, wo Picasso gearbeitet und wo er gepfuscht hatte. Ich habe viel daran gelernt - deshalb wurde das Bild in den Werkkatalog aufgenommen. Ich habe zwar nicht, wie » Paul Cézanne das nannte, einen Picasso nach der Natur gemalt, weil ich ja nicht das Original vor Augen hatte, aber so etwas ähnliches.

Der Kopf ist ganz offensichtlich am interessantesten; bei mir schaut die Frau (mit der offensichtlich » Jacqueline Picasso gemeint ist) etwas freundlicher und interessierter als bei ihm. Der Rest ist ziemlich uninteressant. Je weiter man sich vom Kopf entfernt, desto skizzenhafter und summarischer hat Picasso gearbeitet oder eben nicht gearbeitet.

Am interessantesten ist noch die Chiffre für den nach oben erhobenen Fuß - laut Helène Parmelin wollte er Anfang der Sechzigerjahre alles auf Chiffren reduzieren, was im Falle eines Fußes vielleicht ausreichen mag und hier ganz gut gelungen ist. Aber schon der zweite Fuß wirkt sehr dürftig und hat im übrigen eine Zehe zu wenig - aber wir wollen ja einem Genie gegenüber nicht kleinkariert sein. So hat er denn wohl sein Ziel erreicht, nämlich eine Frau aus lauter Chiffren zusammengesetzt, die ganz eindeutig Brust oder Bauch oder Scham oder Hintern signalisieren.

Der rechte Arm und das linke Bein wirken wie nicht dazugehörig, wie aus Papier ausgeschnitten, der Hintern allzu gleichmäßig, wie industriell gefertigt, die Schamhaare wie draufgeklebt. Die Katze ist immerhin um viele Klassen besser als jede Katze, die » Max Beckmann zustande gebracht hat, und bildet ein wichtiges Gegengewicht, auf das sich auch der Blick der Frau bezieht. Der Rest ist irgendwie hingeschmiert.

Beim Hals, dem rechten Oberarm und der linken Hand beklaut er sich selbst:
Er setzt Floskeln ein, die er anderweitig entwickelt hatte und hier irgendwie nicht zusammenzupassen scheinen. Es ist ein sehr gutes Beispiel für die Manier, die schließlich gepflegt hat. Man erkennt sofort, es ist ein Picasso, aber man weiß nicht, warum das Bild so sein muss und nicht anders. » John Berger hätte auch dieses Bild nehmen können, um seine Klage über Picasso zu begründen (The Success and Failure of Picasso (1965), dt. » Glanz und Elend des Malers Pablo Picasso. Reinbek 1973)

Natürlich ist auch der Kopf manieristisch, aber er besitzt Ausdruck, eine Person wird erkennbar, ein bisschen liebevolle Zuneigung sogar, was bei Picasso ja gar nicht selbstverständlich ist. Vielleicht war das der Grund, warum ich ausgerechnet dieses Bild ausgesucht hatte.

Nach dieser Erfahrung war ich ein bisschen enttäuscht. Warum sollte man seine Zeit damit verbringen, solche Bilder zu machen? Das Gemälde ist ohne Zweifel dekorativ - ich habe es sogar einmal für kurze Zeit aufgehängt, als es neu war, bis ich was Besseres hatte - es ist marktfähig, insoweit man sofort erkennt, dass es sich um einen Picasso handelt, und wenn man mehr nicht im Sinn hat, dann mag man sich damit zufrieden geben, sowohl als Maler als auch als Käufer oder Kunstliebhaber.

Picasso hat mit seinen Mitstreitern die überwältigende Mehrzahl der Kunst des 19. Jahrhunderts zur Bedeutungslosigkeit degradiert. Das war nicht schwierig, weil diese Kunst sich in Klischees erschöpfte und kein echtes Erleben ermöglichte. Deshalb ist » Gustav Klimt für uns weitgehend ungenießbar, während » Vincent van Gogh bewundert und geliebt wird. Viele Sachen von Picasso erschöpfen sich leider ebenfalls in Klischees und bieten nichts, was der Seele Nahrung gibt. Berger hat das sehr gut erkannt und beschrieben, obwohl er selbst vermutlich mit dem Begriff Seele nichts anfangen kann. Diese Erfahrung half mir also auch nicht weiter.

Natürlich hat Picasso aufgrund seiner Übung viel souveräner arbeiten können als ich, der ich ja gerade am Anfang stand. Darauf kam es aber nicht an. Routine und Virtuosität garantieren nicht große Kunst, und umgekehrt kann große Kunst trotz technischer Unzulänglichkeit entstehen. Van Gogh wird bewundert, obwohl er technisch sehr zu wünschen übrig lässt, und manch ein akademischer Maler oder Grafikdesigner, der technisch fantastisch ist, liefert nichtssagende Werke ab. Die Frage, wie große Kunst entsteht, wird durch den Hinweis auf Übung und Fertigkeit nicht beantwortet. Deshalb habe ich mich von meiner mangelnden Übung nicht abschrecken lassen.

 

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