180 cm - 71 inch
Werkgröße 38×52cm
Referenzfigur 180cm
Werkdaten Nr. »2
Öl / Leinwand
01.01.1963, » 38×52 cm (15×20")
Privatbesitz
Kopie nach van Gogh: Les roulottes, campement de bohmiens aux environs d'Arles

» Kommentar

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Da die Buchdruckfarben offenbar nicht geeignet waren und man dem Sohn mit richtigen Knstlerlfarbe vielleicht eine Freude machen knnte, schenkten meine Eltern mir zu Weihnachten ein Sortiment Knstlerfarben. Selbstredend durften diese teuren Materialien nur zu einem guten Zweck verwendet werden. Eine » van-Gogh-Kopie schien akzeptabel. Die Vorlage hatte ich vermutlich aus dem damals abonnierten Schlermagazin 'Liliput', das jeden Monat ein moderat-modernes Kunstwerk vorstellte.

Viele Jahre spter bog ich eines Tages in einem Pariser Museum um die Ecke und war wie vor den Kopf geschlagen: Da hing doch 'mein Bild' an der Wand! Das » Original musste etwa so gro sein wie meine Kopie, denn sonst htte ich das Bild an der Wand nicht auf den ersten Blick fr meines halten knnen. Dank Internet fand ich nun heraus, dass das Original im Muse d'Orsay hngt; man kann es auf dessen Webseite aufrufen und es werden sogar die Mae angegeben: 45x51cm. Meine Kopie entspricht mit 38x51cm exakt der Breite, aber nicht der Hhe - beim Vergleich sieht man auf den ersten Blick, dass ich den Vordergrund etwas verkrzt habe, was dem Bild aber nicht schadet. Vermutlich hat mein Vater die Leinwand gebastelt. Kannten wir damals die Dimensionen des Originals? Hat er die bercksichtigt? Keine Ahnung. Es ist nicht anzunehmen, dass die Mae in der Schlerzeitung genannt wurden; das ist selbst bis heute noch nicht einmal in Bchern blich.

Van Gogh verbraucht enorm viel Farbe, das sieht man sogar auf einer einfachen Reproduktion in einem Schlermagazin, und ich habe mich erfolgreich bemht, diese Plastizitt nachzuahmen, wie man sehen kann. Infolgedessen waren die Farben anschlieend fast alle. Vorbei der Spa! Mein Vater hatte aber ein Einsehen und prsentierte eine Lsung: Er kaufte mir das Bild fr 20 DM ab. Damit konnte ich neue Farben kaufen. Es blieb aber sein einziger Erwerb, woraus ich schliee, dass er erstens das Bild gelungen fand und es mochte, zweitens aber keine Serienproduktion wnschte. Er war ein sparsamer Mann. Bei seinem Tode fiel das Bild wieder an mich zurck. Bei mir heit es 'Zigeunerwagen', das Museum nennt es 'Les roulottes, campement de bohmiens aux environs d'Arles'. *

Das Geheimnis, wie van Gogh sich einen derartigen Farbenverbrauch leisten konnte, habe ich erst krzlich gelst: Sein Bruder hat ihm gegen berlassung aller damit produzierten Kunstwerke smtliche Materialien kostenlos zur Verfgung gestellt und darber hinaus einen monatlichen Betrag zur Lebenshaltung, der grer war als der Monatsverdienst des von van Gogh portraitierten Brieftrgers, der damit eine fnfkpfige Familie zu unterhalten hatte. Soviel zur Legende, dass van Gogh ein armer Schlucker war, der aus finanzieller Not sein Ohr abschneiden musste, um die Prostituierte zu bezahlen.

Meine Eltern haben sich vermutlich nicht viel dabei gedacht, als sie mir die Farben schenkten, genauso wenig wie ich selbst. Ein anderes Mal wnschte ich mir ein Akkordeon, weil auf einem Foto des Zwei- oder Dreijhrigen ein Jngling mit Schifferklavier zu sehen war und ich mich dunkel an Glcksgefhle erinnerte. Meine Eltern erkundigten sich und deuteten dann an, dass ein Akkordeon sehr teuer sei und ich mir etwas anderes berlegen solle; da ging mir auf, dass eine Gitarre berhaupt sehr viel schicker sei - ich kam langsam in das Alter, wo man Musik hrte und fr Bands schwrmte. Das schien wohl in Ordnung zu sein. Als ich dann doch ein (gebrauchtes) Akkordeon bekam, war ich leicht enttuscht.

Ein solches Geschenk ist keine Verpflichtung und legt nicht fest. Ich bin ja auch kein Musiker geworden, obwohl ich mich um dieses Instrument ernsthaft bemht habe - genausowenig htte ich wegen dieses Geschenks nun ein Knstler werden mssen, zumal mich meine Eltern nicht sonderlich ermutigt haben.

Die Kopie nach van Gogh ist nach meiner Einschtzung sehr gut gelungen. Ich habe dazu nicht gebt und keinerlei Probleme wahrgenommen, sondern einfach ganz unbedarft losgelegt und das Bild heruntergepinselt. Erstaunlich! Aber das will ja nicht viel heien, jugendliche Talente mssen sich bewhren. Das Bild ist nicht signiert, das Original auch nicht. Es ist auch nicht datiert; das Datum 1. Januar soll signalisieren, dass es sich hier um eine Schtzung handelt. Als ich die Farben bekam, war ich vermutlich 14 oder 15 Jahre alt, vielleicht auch jnger.

Es war meine erste Kopie und ist hier stellvertretend fr alle anderen aufgenommen worden, die ich in meinem Elternhaus angefertigt habe. Angesichts der vielen Jahre, die ich dort noch verbracht habe, war ich nicht besonders fleiig. Ich hatte offenbar nicht vor, Knstler zu werden.


» Reproduktion laut Muse d’Orsay. · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork  CC BY-SA
No. 2 » Reproduktion laut Zeno.org · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork  CC BY-SA
No. 3 » 2 38x52cm, 01.01.1963  · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork  CC BY-SA
No. 3 » 2 38x52cm, 01.01.1963 sold/verkauft
 
Wie man sieht, ist die Reproduktion von Farben schwierig. » Zeno hat sogar links etwas abgeschnitten.

Was mein Gemlde betrifft, so scheint es mir ganz eindeutig viel zu hell und strahlend zu sein. In meiner Erinnerung kommt es dem Original sehr nahe, aber das will nicht viel heien - eine verlssliche Aussage kann man nur machen, wenn man beide Gemlde nebeneinanderhlt. Deshalb haben die Maler frher ihre Kopien im Museum gemacht. Auch heute noch kann man das manchmal sehen.
*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007

 

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