180 cm - 71 inch
Werkgröße 80×55cm
Referenzfigur 180cm
Werkdaten Nr. »190
Lack / Hartfaser
30.08.1974 - 03.11.1974, » 80×55 cm (31×22")
Rückseite von » 193

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Als ich einen Kalender Hommage à Picasso zusammenstellte, hätte dieses Bild natürlich dabeisein sollen. Aber da die Kalenderblätter Querformate sind und nur das Titelblatt ein Hochformat ist, standen die Chancen schlecht - jedenfalls für dieses Mal. Trotz der deutlichen Anklänge an Picassos Stilistik gefällt mir dieses Bild sehr gut. Natürlich ist es affig, sich ständig deswegen entschuldigen zu müssen. Aber da die meisten Betrachter sich in der Kunstgeschichte nicht besonders gut auskennen und von Picasso immerhin noch eine recht gute Vorstellung haben, liegt der Vergleich zu Picasso natürlich jedem auf der Zunge. Wir erschließen uns Neues ja grundsätzlich durch Analogie zum Bekannten. Und da ich Picasso so sehr schätze und bewundere, feiere ich ihn eben gerne in meinen Werken. Ich habe auch mehrfach Max Beckmann gefeiert, aber das merkt keiner, weil Beckmann recht unbekannt ist. *

13.01.2013

Dieses Bild besteht auch die beiden Tests Wohnumgebung und Museum. Die junge Frau kann sich überall gut halten, sie ist eine ernstzunehmende Persönlichkeit, die ihre Seele zeigt.

» Portrait de Sylvette David, 05.05.1954, 81x64cm · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
» Portrait de Sylvette David, 05.05.1954,  92x73cm · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Nacktheit steht ja vor allem für seelische Nacktheit, Kleidung verhüllt und täuscht vor: Kleider machen Leute. Am auffälligsten ist aber natürlich die Picasso-Manie. Habe ich in der Schule schon eines der Portraits von » Sylvette David gesehen? Die Version » Portrait de Sylvette David befindet sich im Besitz der Kunsthalle Bremen, ist also museumswürdig, wird vermutlich auch gezeigt, könnte man sich also bei Gelegenheit mal anschauen.

Im Vergleich der beiden Gemälde fällt auf, dass die Kopfhaltung, die verschattete Kinnpartie und der überlange Hals sehr ähnlich gestaltet sind. Meine Frau ist nackt, Sylvette hochgeschlossen angezogen. Angeblich soll ihr Verlobter ständig als Anstandswauwau zugegen gewesen sein, da man dem alten Lustmolch zutraute, das junge Ding zu verführen. Sie berichtet im Alter, sie sei ganz allgemein Männern gegenüber sehr abweisend gewesen, das gerade habe Picasso scharf gemacht. Man sei davon ausgegangen, er wolle sie auch nackt malen, aber er habe sich sehr einfühlsam verhalten und nicht einmal einen diesbezüglichen Vorschlag gemacht (siehe » Girl with a Picasso ponytail).

Aus den mir vorliegenden Versionen des » OPP-Katalogs geht hervor, dass Picasso 1954 sage und schreibe 41 Zeichnungen und Gemälde dieser jungen Frau angefertigt hat, wobei die realistischen Arbeiten ganz liebenswürdig wirken, alle anderen merkwürdig manieriert, verquält und einige nachgerade misslungen (siehe z.B. Abbildungen im genannten Artikel » Girl with a Picasso ponytail). Auf jeden Fall ist keine dieser Arbeiten eines Künstlers vom Range Picassos würdig. Wären diese nicht so stümperhaft, könnte man auf die Idee kommen, er wolle sich selbst persiflieren.

Das heißt aber natürlich nicht, dass man damit nicht vortrefflich spekulieren könnte. So hat ein Direktor eines ambitionierten Auktionshauses in Australien ein Gemälde dieser Serie (» Portrait de Sylvette David, OPP.54:014) 2006 in London ersteigert, um es zwei Jahre später in seinem eigenen Auktionshaus anzubieten. Damit wollte er nicht nur sein Geschäft aufwerten, sondern auch seinen Anspruch untermauern, das führende Auktionshaus in Südostasien zu sein. Der Plan ist aufgegangen (» Picasso painting goes for $6.9 million, » Picasso’s lady to put us on art map, » Oil price peaks as art imitates life $6.9m). Angesichts fälliger Provisionen in Millionenhöhe beläuft sich sein Gewinn immer noch auf etwa 1 Million. Sehr schöne Rendite.

Dass sich mein Bild in Wohnumgebungen halten kann, ist schon erfreulich, dass es sich aber auch in der Museumssimulation so gut schlägt, ist sehr erstaunlich. Noch erstaunlicher finde ich, dass dieses Bild nicht als ein Picasso durchgehen kann, obwohl es sich ganz offensichtlich seiner Stilmittel bedient, insbesondere der geraden, willkürlichen Linien. Das liegt meines Erachtens an der Seelenhaftigkeit der Figur. Bei Picasso gerät alles leicht zur Schablone. Meine Figuren überzeugen als Persönlichkeiten, trotz aller ungeheuerlichen Stilmittel.
*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007
 
 
Da das Picasso Project seit sptestens 24.01.2011 gesperrt ist, fhrt ein direkter Link nicht mehr zum Ziel; daher bin ich gezwungen, die erwhnten Werke hier zu reproduzieren und berufe mich dabei auf » Fair Use bzw. das » Zitatrecht.

 

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