180 cm - 71 inch
Werkgröße 99×79cm
Referenzfigur 180cm
Werkdaten Nr. 181
Lack / Hartfaser
22.08.1974 - 03.09.1974, » 99×79 cm (39×31")
Rückseite von » 182

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


»Â Le baiser, 12.12.1969, 130x96cm · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Dieses Bild habe ich ebenfalls sehr geliebt und oft aufgehängt. Ich weiß nicht, was sich die Leute gedacht haben, die dieses Bild gesehen haben. Der Glatzkopf wirkt ja durchaus lüstern, aber nicht unangenehm, und vor allen Dingen hat er Angst vor der Zurückweisung, und die ist ihm ziemlich sicher. Woran sie denkt, ist weniger klar, aber auf jeden Fall scheint sie doch an etwas anderes zu denken. *

Das Bild ist ja offensichtlich ganz locker heruntergemalt, aber dennoch sind das keine Puppen, keine Konstruktionen, sondern ausdrucksstarke Persönlichkeiten, die ein Seelenleben haben und miteinander kommunizieren und interagieren.

Trotz der Vereinfachung ergibt sich keinerlei humoristischer Aspekt - dieses Bild könnte niemals als Cartoon oder Comic missverstanden werden.

Wenn man dieses Bild mit irgendeinem beliebigen Bild aus dem Spätwerk Picassos vergleicht, wird deutlich, was seine Bilder so abstoßend macht (Beispiel „Le baiser“ = » Pablo Picasso. Kiss. 1969 ($ 18,0 Millionen, Christie, 2011) - russisch, in Chrome wird automatisch übersetzt). Da wollte einer und konnte nicht (vermutlich buchstäblich).

Ich wollte nicht und konnte. Aber das war mir keineswegs bewusst. Niemals hätte ich mir eingebildet, etwas besonders Großartiges geschaffen zu haben. Ich war ja doch nur ein kleiner Mathematikstudent, der in seiner Freizeit malte - wie hätte ich mir anmaßen können, mich mit Picasso zu vergleichen?

Das betrifft ja nicht nur die Kunst, sondern auch die Lebenserfahrung. Picasso war sehr alt gworden und hatte sehr viel erlebt, auch und insbesondere mit Frauen (im Gegensatz zu mir jungem Spund) - ich bewunderte ihn und gab ihm jede Art von Kredit, mehr noch, ich stellte ihn über alles. Wenn ich etwas an seinem Werk nicht schätzen oder verstehen konnte, dann lag es mit Sicherheit an mir und nicht an ihm.

Nach fast 40 Jahren kann ich freilich anders darüber reden. Meine Malerkarriere habe ich 1985 an den Nagel gehängt. Freilich habe ich mich noch lange als Maler begriffen und wollte auch verkaufen und vielleicht wieder einmal als Maler tätig werden, aber auch das ist vorbei. Viel lieber würde ich jetzt alle Bilder zurückkaufen, die ich einmal verkauft oder verschenkt habe. Das ist alles nur noch meine private Angelegenheit; insbesondere kommt ein Verkauf nicht mehr in Frage, um keinen Preis.

So bin ich mir selbst historisch geworden und betrachte diese Bilder wie ein Fremder. Und je länger ich mich damit beschäftige, desto mehr staune ich. Zwar habe ich schon von Anfang an, seit ich meinen Durchbruch erlebt hatte, über meine Produktion gestaunt, und versucht zu verstehen, was da eigentlich passiert. Spätestens seit dem » Basler Manifest war mir auch klar, dass dieses Geschehen von großer Bedeutung für die Kunstgeschichte und die Erkenntnistheorie ist. Wie konnte man erklären, dass solche Sachen entstanden? Ich konnte es nicht.

Seit längerem lese ich immer wieder mal in kleinen Häppchen in » In Defense of Humanism von Richard A. Etlin, Untertitel VALUE IN THE ARTS AND LETTERS, wo er sich auch Gedanken darüber macht, wie Kunst entstehen kann (Creativity and Genius, Kap. 2). Aber leider weiß er nichts darüber. Wie soll ein Blinder über Farben reden?

Immerhin ist es sehr lobenswert, der Qualität eine Lanze zu brechen. So urteilt er als Spezialist für Architektur im Kapitel „Distinguishing between Greater and Lesser Art“ (p. 33 ff) sehr scharf und negativ über » Richard Serras » Tilted Arc, Federal Plaza, Manhattan. Er urteilt dabei als Architekturkenner, und von dieser Warte aus ist für ihn vollkommen klar, dass die angeblichen Errungenschaften dieses Bildhauers gar keine sind, sondern schon seit je ein wesentlicher Bestandteil der Architektur darstellen, nämlich das Erlebnis des Raumes durch die Bewegung des Betrachters durch diesen Raum.

*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007
 
 
Da das Picasso Project seit spätestens 24.01.2011 gesperrt ist, führt ein direkter Link nicht mehr zum Ziel; daher bin ich gezwungen, die erwähnten Werke hier zu reproduzieren und berufe mich dabei auf » Fair Use bzw. das » Zitatrecht.

 

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