180 cm - 71 inch
Werkgröße 63×50cm
Referenzfigur 180cm
Werkdaten Nr. »157
Lack / Hartfaser
11.06.1974, » 63×50 cm (25×20")
Rückseite von » 158

» Kommentar

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


157 und 158 konnten meinen inzwischen implizit formulierten Anspruch, dass Malerei der Selbsterkenntnis zu dienen habe, nicht erfllen. *

Was sollte diese Gestalt sein? Ein Indianer? Diese Assoziation liegt nahe, durch die „Kriegsbemalung“ und die „Adlerfeder“ und das tiefschwarze, lange, glatte Haar - aber warum hat diese Figur nur ein Auge und keine Nase?

Aber das Schlimmste war fr mich wohl, dass diese Figur mir Angst machte. Oder vielleicht nicht gerade Angst, aber sie war mir doch sehr unangenehm. Ich war ja nicht angetreten, um zu schockieren, ich wollte schn und ergreifende Bilder malen. Schn war das bestimmt nicht, jedenfalls konnte ich es nicht schn finden, und ergriffen war ich auch nicht.

Ich stellte mir dabei natrlich eine Art existenzieller Ergriffenheit vor, so wie die Selbstportraits von Rembrandt etwa eine Art von Ehrfurcht erzeugen. Jegliche Art von willkrlicher Provokation ist mir bis heute fremd.

In diesem Sinne hatte ich mir nichts vorzuwerfen, ich wollte nicht provozieren, aber ich muss doch erkennen, dass das Ergebnis durchaus in gewisser Weise provozierte. Es provozierte zumindest mein Verstndnis von Schnheit und sicher auch von Ergriffenheit.

Da fllt mir ein Traum ein, den ich in dieser Zeit oder etwas spter gehabt haben muss. Genauer habe ich zwei mal im Abstand von wenigen Tagen eine Serie von Trumen gehabt, einmal drei, einmal fnf, die ganz anders waren als alle Trume, die ich sonst in meinem Leben hatte. Ich muss mich damals schon mit » C.G. Jung beschftigt haben, den ich durch » Erich Engelbrecht kennengelernt hatte. Diese Trume identifizierte ich als das, was er „groe Trume“ nannte.

In diesen Trumen war ich gewissermaen wach und entscheidungsfhig. In einem der Trume wurde ich stndig mit Situationen und Dingen konfrontiert, die ich entsetzlich und abstoend fand, wo smtliche Eingeweide in mir in Aufregung gerieten und ich nichts als Zumutung empfand. Im Laufe des Traums begriff ich allerdings, dass sich meine Gefhle in dem Moment entspannten, in dem ich die Dinger und Situationen akzeptierte, und schlielich erkannte ich, dass ich sie sogar mgen und lieben musste. In diesem Moment entstand Harmonie, Eintracht und Glckseligkeit.

Eine Situation bestand zum Beispiel in dem Besuch einer riesigen professionellen Kche, wo mir als Gast alle mglichen Gerichte gezeigt und zum Kosten angeboten wurden. Das Problem war nur, dass die Kche Exoten waren und deren Speisen entsprechend unbekannt, geradezu widerlich, sie rochen bel, sie sahen aus wie Hhnerdreck, es war einfach frchterlich. Ich konnte mich zunchst nicht dazu durchringen, zu probieren, und habe dadurch natrlich die Kche bel beleidigt. Es war dabei nicht still, aber es wurde kein Wort gesprochen. In dem Moment, wo ich meinen Widerstand berwand und mit der Zungenspitze ein bisschen Hhnerdreck aufnahm, entspannte sich die ganze Atmosphre und wurde wunderschn. Der Hhnerdreck schmeckte brigens kstlich.

Daraufhin verschwand die Kche und ich befand mich in einer Anstalt fr geistig und krperlich Behinderte. Wieder wurde ich herumgefhrt und sollte Bekanntschaft machen mit verschiedenen Insassen. Nun sehen Behinderte ja schon oftmals sehr eigenartig und vielleicht sogar erschreckend aus, aber diese Leute waren einfach ungeheuerlich. Da liefen sogar Leute herum, die hatten statt eines Kopfes eine Kasserole oder einen verwesenden Tierschdel - einfach ekelhaft. Wieder strubte sich alles in mir, aber ich hatte schon etwas gelernt, und so konnte ich die unangenehme Phase verkrzen und ganz bewusst meine liebevollen Gefhle fr diese armen und doch frhlichen Geschpfe aktivieren. Und wieder entspannte sich die Atmosphre schlagartig und Glcksgefhle breiteten sich aus.

Dieses Gesicht habe ich nie mit den Behinderten dieses Traumes in Verbindung gebracht, aber ein bisschen Ekel knnte man schon empfinden vor diesem verunstalteten Gesicht. Nun habe ich in frheren Kommentaren schon die Formulierung verwendet: „Dieses Bild braucht einen Freund.“ Ja, auch dieses Bild braucht einen Freund. Und vielleicht kann man dieses unangenehme Gesicht doch auch mgen und lieben, genauso wie die Eltern von behinderten und veranstalteten Kindern diese aus vollem Herzen lieben.


No. 1 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » 156 45x63cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork  CC BY-SA
No. 1 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » 156 45x63cm, 09.06.1974
 


No. 2 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » 156 45x63cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork  CC BY-SA
No. 2 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » 156 45x63cm, 09.06.1974
 


Im Vergleich mit 156 wird die beunruhigende Qualitt von 157 sehr deutlich; das vorhergehende Bild wirkt durchaus humorvoll, sogar etwas witzig, whrend dieses geradezu grimmig daherkommt und gar keinen Spa zu verstehen scheint - was natrlich ganz gut zum Indianer passt.

Noch ein Unterschied: Es macht kaum etwas aus, ob man nher dran ist oder nicht, whrend man bei 156 das Gefhl hat, man wre gerne noch nher dran. Bei der Nahansicht habe ich mir links die Freiheit erlaubt, die Lampen und die Pflanze weiter nach rechts zu rcken, damit der wohnliche Eindruck erhalten bleibt.

Von diesem Bild habe ich nie viel gehalten, aber ich sehe, dass ich dem Bild und mir selbst dabei Unrecht getan habe. Das htte ich vermutlich nie erkennen knnen, wenn ich nicht diese Kommentare schreiben und die Bilder „aufhngen“ wrde. Welch eine freudige berraschung! Ich hatte erwartet, mich fr dieses Bild schmen zu mssen, und nun sehe ich, dass ich stolz darauf sein kann.


No. 3 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 157 63x50cm, 11.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 3 » 155 63x45cm, 09.06.1974 » 157 63x50cm, 11.06.1974
 


Unglaublich! Ist der Grne aggressiv und wuchtig, so kann der Indianer dieser Anstrengung ganz locker und gelassen widerstehen. Und in diesem Moment bekommt das Bild tatschlich auch einen humorvollen Einschlag! Ist nicht wahr!


No. 4 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » 154 85x63cm, 02.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 4 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » 154 85x63cm, 02.06.1974
 


Eine kleine bung zur Frage, was man mit Rahmen erreichen kann. Ich wollte den Rahmen fr 157 genauso gro machen wie den fr 154. Um den Leerraum zu strukturieren, habe ich 157 erst mit Gold gerahmt. 157 ist zwar sehr viel kleiner als 154, bekommt durch diese aufwendige Rahmung aber jetzt ein bergewicht. 154 kann das freilich verkraften. Und nochmal ohne den berrahmen:


No. 5 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » 154 85x63cm, 02.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 5 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » 154 85x63cm, 02.06.1974
 


Das gefllt mir jetzt nicht so gut, vermutlich weil sich der Rahmen mit der Feder beit. Besser wre es vermutlich, einen kontrastreicheren Rahmen zu nehmen.


No. 6 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » 154 85x63cm, 02.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 6 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » 154 85x63cm, 02.06.1974
 


Ist o.k., nicht berauschend, aber in Ordnung.


No. 7 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » 153 53x37cm, 01.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 7 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » 153 53x37cm, 01.06.1974
 


No. 8 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » 150 89x70cm, 13.05.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 8 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » 150 89x70cm, 13.05.1974
 


No. 9 » 148 90x66cm, 19.04.1974  » 157 63x50cm, 11.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 9 » 148 90x66cm, 19.04.1974 sold/verkauft » 157 63x50cm, 11.06.1974
 


Ein trauriger Krieger. Ein verwirrter Indianer. Ein armer Mann.

Mal sehen, was die Kollegen dazu sagen.


No. 10 » Gogh: Selbstbildnis (tude  la bougie) 81x60cm. 1888 » 157 63x50cm, 11.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 10 » Gogh: Selbstbildnis (tude la bougie) 81x60cm. 1888 » 157 63x50cm, 11.06.1974
 


Ja, hier sieht man, was mir noch fehlt. Obwohl der » van Gogh unvollendet ist, hat er doch eine ungeheure Wucht. Mein Bild wirkt vergleichsweise zahm, flchig, plakativ, langweilig.

Dann aber sieht man auch wieder, welche Freiheiten sich die Malerei inzwischen erobert hat. Van Gogh musste in den Spiegel gucken oder ins Zimmer oder in die Landschaft. Ich schaue nie in die Landschaft oder ins Zimmer und bis auf ganz wenige Ausnahmen am Anfang auch nie in den Spiegel. Natrlich gab es auch schon vor van Gogh Maler, die nicht unbedingt vor Augen haben mussten, was sie malten - » William Blake zum Beispiel, aber sie malten doch etwas, was man im Prinzip htte sehen knnen.


No. 11 » Blake: Adam benennt die wilden Tiere 83x73cm. 1810 » 157 63x50cm, 11.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 11 » Blake: Adam benennt die wilden Tiere 83x73cm. 1810 » 157 63x50cm, 11.06.1974
 


Dies ist die einzige Arbeit Blakes mit Maangaben, die gro genug fr eine Gegenberstellung war; die anderen, fr die er bekannt ist, sind alle sehr klein. Blake illustriert, auch wenn er Visionen malt. Mein Bild ist keine Illustration. Man wsste nicht zu sagen, was es illustrieren soll. Natrlich gibt es auch unter den Illustrationen, wie bei jeder beliebigen Hervorbringung, bessere und schlechtere Arbeiten, aber recht eigentlich sind Illustrationen eher dem Kunstgewerbe als der Kunst zuzurechnen.


No. 12 » Corinth: Selbstbildnis mit Skelett 66x86cm. 1896 » 157 63x50cm, 11.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 12 » Corinth: Selbstbildnis mit Skelett 66x86cm. 1896 » 157 63x50cm, 11.06.1974
 


No. 13 » Corinth: Selbstbildnis mit Tiroler Hut 81x60cm. 1913 » 157 63x50cm, 11.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 13 » Corinth: Selbstbildnis mit Tiroler Hut 81x60cm. 1913 » 157 63x50cm, 11.06.1974
 


» Lovis Corinth ist immer so schrecklich direkt und plump, so ganz Oberflche, groe Geste, aber ich habe immer das Gefhl, es steckt nichts dahinter. Nein, fr Corinth kann ich mich nicht erwrmen. Da gefllt mir mein bescheidenes Bild besser. Es will nicht mehr sein, als es ist. Das ist es aber ganz. Es muss sich nicht anstrengen, es ist einfach da.


No. 14 » Marc: Selbstbildnis in bretonischer Tracht 99x61cm. 1904 » 157 63x50cm, 11.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 14 » Marc: Selbstbildnis in bretonischer Tracht 99x61cm. 1904 » 157 63x50cm, 11.06.1974
 


Von » Macke fhrt Zeno merkwrdigerweise gar kein Selbstportrait, von » Franz Marc nur dieses, bei dem man eigentlich gar nicht von einem Selbstportrait reden kann, nicht einmal von einem Portrait, denn das Gesicht, der eigentliche Brennpunkt, ist so weit abgewandt, dass man diesen Menschen niemals wiedererkennen wrde. Die Farbklnge blau-grn-orange sind schn zusammen mit dem Wei und dem Schwarz, aber doch ein bisschen wenig fr ein gutes Bild.

Mein Bild ist in Wirklichkeit nicht ganz so plakativ wie es in der Reproduktion scheint. Die Lackfarbe ist relativ satt aufgetragen und wirkt als solche schon sinnlich; die Hautpartie ist auch nicht ganz so einfrmig, wie es den Anschein hat. Vielleicht sollte ich probieren, noch einmal nher ranzugehen.


No. 15 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » Rembrandt: Christus in Emmaus. 37x42cm. 1628 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 15 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » Rembrandt: Christus in Emmaus. 37x42cm. 1628
 


Oder noch nher?


No. 16 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » Rembrandt: Christus in Emmaus. 37x42cm. 1628 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 16 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » Rembrandt: Christus in Emmaus. 37x42cm. 1628
 


Noch nher?


No. 17 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » Rembrandt: Christus in Emmaus. 37x42cm. 1628 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 17 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » Rembrandt: Christus in Emmaus. 37x42cm. 1628
 


Oder etwas nher zusammengerckt:


No. 18 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » Rembrandt: Christus in Emmaus. 37x42cm. 1628 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 18 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » Rembrandt: Christus in Emmaus. 37x42cm. 1628
 


Was Rembrandt wohl dazu sagen wrde, dass ich mein Bild neben seins hnge? Auf jeden Fall mache ich keinen Schei. Aus meinem Bild spricht derselbe Ernst wie aus seinem.

Die Feder hngt eigentlich falsch herum. Was soll das denn bedeuten? Ist da links auen noch jemand? Das Gesicht knnte mit einiger Fantasie auch als Fisch gelesen werden, worber sich » C.G. Jung beziehungsweise » Erich Engelbrecht eigentlich freuen mssten. Mal sehen, wie berzeugend das ist, wenn man das Bild dreht:


No. 19 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » Rembrandt: Christus in Emmaus. 37x42cm. 1628 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 19 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » Rembrandt: Christus in Emmaus. 37x42cm. 1628
 


Nein, das berzeugt mich nicht. Wenn das ein Fisch sein soll, ist der ziemlich missglckt. An diesem Fisch gibt es allerhand zu kritisieren. Da habe ich bessere Fische gemacht.

Andersherum ist es auch nicht besser:


No. 20 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » Rembrandt: Christus in Emmaus. 37x42cm. 1628 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 20 » 157 63x50cm, 11.06.1974 » Rembrandt: Christus in Emmaus. 37x42cm. 1628
 


Es ist wie bei  Nummer 153: Man glaubt dem Bild die Orientierung nicht, man hat das Gefhl, das Bild msste andersherum hngen. Ist das nicht merkwrdig? Angeblich soll ja » Kandinsky die abstrakte Malerei dadurch entdeckt haben, dass er von einem Spaziergang nach Hause kam und eines seiner Bilder nicht wiedererkannte, aber sehr schn fand, obwohl oder weil es auf dem Kopf stand.

Die Anekdote ist natrlich gut genug, um sie im Schulunterricht unterzubringen, aber eigentlich hat sie wenig fr sich. Die Technik, ein Bild auf den Kopf zu drehen und dann in aller Ruhe zu betrachten, war wahrscheinlich schon Rembrandt bekannt. Damit beurteilt der Maler nmlich die allgemeine Harmonie des Bildes, die Verteilung der Lichter und Schatten, der Farben, der Gewichte, und weil er durch die falsche Orientierung keine gegenstndliche Bedeutung vornimmt, fllt diese Beurteilung leichter als in der richtigen.

Es war wohl » Sedlmayr, wenn ich mich recht erinnere, der darauf hingewiesen hat, dass die abstrakte Malerei viel eher aus der allgemeinen Zeittendenz zur Purifizierung zu verstehen ist, des Wahns, man knnte zum Eigentlichen dadurch besser vordringen, wenn man alles berflssige ber Bord wirft. So entsteht dann die reine Malerei, die reine Architektur, die dann nur noch aus Wrfeln, Kugeln und Pyramiden besteht. So was konnte man damals teilweise noch gar nicht bauen, aber im 20. Jahrhundert wurden tatschlich Kugelhuser errichtet.

Diese Ideologie entstand zumindest in der Architektur noch vor der franzsischen Revolution und ist also viel lter als die moderne Kunst und insbesondere die abstrakte Malerei. Die franzsische Revolution versuchte ja auch, eine Menge anderer Zpfe abzuschneiden und legte fest, dass es fortan 10 Monate im Jahr, 10 Stunden am Tag und in der Nacht und dergleichen geben solle, und das einzige, was meines Wissens von dieser Radikalitt brig geblieben ist, ist das Urmeter, und selbst das ist inzwischen lngst berholt.

Im Rckblick wird sehr deutlich, dass dieser Monumentalarchitektur die geistige Vaterschaft der Architektur des Faschismus und Kommunismus zugestanden werden muss, weil sich die totalitre Gesellschaft in dieser Gigantomanie perfekt spiegeln konnte. Der Mensch ist nichts, das Prinzip alles, und deshalb kann der Mensch mit Leichtigkeit dem Prinzip geopfert werden.

Bei diesen Betrachtungen wird mir deutlich, dass die abstrakte Malerei - jedenfalls dort, wo sie sich nicht primitiv-schmierend, auf Sandkastenniveau regredierend, sondern geometrisch-perfektionistisch gibt - ebenfalls diesen Hang zur Unerbittlichkeit und Klte, zur Prinzipienreiterei und Gefhllosigkeit besitzt.

An dieser Stelle habe ich nun kurz bei Wikipedia nachgeschaut und stie wieder auf kryptische Hinweise zu dem berhmten » Darmstdter Gesprch 1950; eine » Suche bei Google brachte mich zu einer Vorlesung „Aspekte der Kunst nach 1945“ von » Wolfgang Ullrich (als Word-Dokument: » Teil 3, als » Google-Kopie).

Diese Lektre nun ist hchst kstlich und sei jedem anempfohlen, der sich fr Kunst interessiert. Ullrich berichtet, dass Sedlmayr in seinem Abschlussvortrag von „Herzkraft“ spricht - das hrt sich ja nun fast an wie mein „Herzblut“! Donnerwetter! Ullrich war mir bisher noch nicht untergekommen, aber wie es scheint, hat der Mann sehr interessante Ideen und Einsichten: » Nur nicht einschchtern lassen!
*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007
 
 
hnliche Rahmen knnen bei » Kunstkopie, » artoko und anderswo erworben werden.

 

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