180 cm - 71 inch
Werkgröße 45×63cm
Referenzfigur 180cm
Werkdaten Nr. »156
Lack / Hartfaser
09.06.1974, » 45×63 cm (18×25")
Rückseite von » 88

» Kommentar

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Ja und Nein. Offenbar gab es auch starke vitale Kräfte, die sich nicht vor gelb und rot und grün und weiß fürchteten, sondern dem Ungeheuer unbeschwert ins Gesicht blicken konnten.

Dieses Bild ist auf eine Pappe gemalt, die zuvor als Unterlage für Schneidarbeiten gedient hatte, was man deutlich sehen kann. Vielleicht spielte das durchaus eine Rolle - ein paar Jahre später habe ich als Lehrer die Hemmungen der Schüler dadurch ausgehebelt, dass ich sie auf alten, wertlosen Zeitungen habe malen lassen. *

Auch dieses Bild war mir sehr fremd und unangenehm. Vor etwa 10 Jahren lief es mir wieder über den Weg und ich stellte es vor meinem Schreibtisch auf, so dass mein Blick immer wieder einmal darauf fiel.

Da gefiel es mir sehr gut. Es gefiel mir sogar immer besser. Ich begann, es zu bewundern. Die Vitalität, die Sparsamkeit der Mittel, die Intensität des Ausdrucks, aber verstanden habe ich es nicht. Und da ich ein Intellektueller bin, verursacht mir das Bauchschmerzen.


Ich fürchte, das ist ein Konflikt, den ich nicht lösen kann. Ich sehe zwar ein, dass man Bilder und Musik, Gerüche und Stimmungen lieben kann, ohne sie zu verstehen, dass es sogar darauf ankommt, sie zu lieben, nicht aber, sie zu verstehen, und trotzdem möchte ich sie verstehen.

Mehr noch: Es ist mir klar, dass ein Kunstwerk desto weniger zu verstehen ist, je besser und größer es ist. Diese Einsicht ist ja keineswegs neu und nicht auf meinem Mist gewachsen, aber jeder Mensch muss sie offenbar wieder für sich entdecken.

An dem ersten meiner Kunstwerke, über die ich etwas habe sagen können, dem Holzschnitt  Nummer 284 zur Museumsausstellung im » Leopold-Hoesch-Museum Düren, habe ich ja bereits erfahren, dass alles, was ich darüber sagen konnte, dass Eigentliche nicht erreichte, dass das Kunstwerk immer tiefer wurde, je mehr ich mich damit beschäftigte, ohne dass ich darüber hätte mehr sagen können.

Warum also diese ständige Unzufriedenheit darüber, dass ich nichts Kluges über dieses oder jenes Bild zu sagen weiß? Mal sehen, vielleicht komme ich im Laufe dieser Überlegungen ja noch dahinter. Nun will ich das Bild aber wirklich an der Wand sehen. Wie macht es sich mit anderen?


No. 1 » 156 45x63cm, 09.06.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 1 » 156 45x63cm, 09.06.1974 » 155 63x45cm, 09.06.1974
 


Erst jetzt fällt mir auf, dass die beiden Tierköpfe in beiden Bildern rechts eine gewisse Ähnlichkeit haben. Der rechte wirkt mehr wie ein Reptil, der linke mehr wie ein Insekt. Dass ich das noch nie gesehen habe!


No. 2 » 156 45x63cm, 09.06.1974 » 154 85x63cm, 02.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 2 » 156 45x63cm, 09.06.1974 » 154 85x63cm, 02.06.1974
 


No. 3 » 156 45x63cm, 09.06.1974 » 153 53x37cm, 01.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 3 » 156 45x63cm, 09.06.1974 » 153 53x37cm, 01.06.1974
 


No. 4 » 152 40x36cm, 23.05.1974  » 156 45x63cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 4 » 152 40x36cm, 23.05.1974 sold/verkauft » 156 45x63cm, 09.06.1974
 


No. 5 » 151 104x123cm, 15.05.1974 » 156 45x63cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 5 » 151 104x123cm, 15.05.1974 » 156 45x63cm, 09.06.1974
 


No. 6 » 150 89x70cm, 13.05.1974 » 156 45x63cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 6 » 150 89x70cm, 13.05.1974 » 156 45x63cm, 09.06.1974
 


No. 7 » 156 45x63cm, 09.06.1974 » 148 90x66cm, 19.04.1974  · © Copyright Werner Popken. 
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No. 7 » 156 45x63cm, 09.06.1974 » 148 90x66cm, 19.04.1974 sold/verkauft
 


No. 8 » 144 124x90cm, 01.01.1974  » 156 45x63cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 8 » 144 124x90cm, 01.01.1974 sold/verkauft » 156 45x63cm, 09.06.1974
 


Insgesamt bin ich etwas enttäuscht. 156 kommt im Vergleich nicht besonders gut. Die Qualitäten dieses Bildes können sich nicht so leicht bemerkbar machen und durchsetzen. Man muss sich schon auf das Bild konzentrieren.

Woran liegt das? Vielleicht an der fehlenden Konturierung?


No. 9 » 144 124x90cm, 01.01.1974  » 156 45x63cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 9 » 144 124x90cm, 01.01.1974 sold/verkauft » 156 45x63cm, 09.06.1974
 


Ja, ich glaube das macht was aus. Mal sehen, was die Kollegen dazu sagen.


No. 10 » Rembrandt: Selbstporträt 64x58cm. 1669 » 156 45x63cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 10 » Rembrandt: Selbstporträt 64x58cm. 1669 » 156 45x63cm, 09.06.1974
 


No. 11 » Tizian: Porträt des Vicenzo Mosti 85x66cm. 1520 » 156 45x63cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 11 » Tizian: Porträt des Vicenzo Mosti 85x66cm. 1520 » 156 45x63cm, 09.06.1974
 


No. 12 » Gauguin: Selbstporträt 45x38cm. 1893 » 156 45x63cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 12 » Gauguin: Selbstporträt 45x38cm. 1893 » 156 45x63cm, 09.06.1974
 


No. 13 » Manet: Porträt der Berthe Morisot mit dem Veilchenstrauß 55x38cm. 1872 » 156 45x63cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 13 » Manet: Porträt der Berthe Morisot mit dem Veilchenstrauß 55x38cm. 1872 » 156 45x63cm, 09.06.1974
 


Schwierig. Der eigentliche Reiz dieses Bildes kommt auf diese Entfernung nicht richtig heraus. Die Charakterisierung der beiden menschlichen Gesichter ist höchst delikat und mit minimalen Mitteln gestaltet. Der Abstand zum Bild von meinem Schreibtisch aus betrug damals etwa anderthalb Meter.

Einen Tag später finde ich die Gegenüberstellung der Kollegen mit diesem Bild nicht mehr ganz so gewöhnungsbedürftig. Der Abstand in der Auffassung von Malerei und Kunst wird überdeutlich. » Tizians Bild ist im Grunde ein konventionelles Portrait, sehr gut zwar, aber doch reine Handwerksarbeit. Bei » Rembrandt spürt man schon die Suche nach sich selbst. Das Handwerk ist Mittel, der Zweck nicht die konventionelle Darstellung, sondern die Selbstbefragung. » Gauguin kokettiert, er findet sich ganz toll und prahlt mit seinem Gemälde im Hintergrund. Er will nichts über sich wissen, sondern uns was über sich erzählen. Marketing, Propaganda, vielleicht will er sich auch selbst etwas erzählen und sich einreden, wie toll er ist. » Manet ist routiniert und ein bisschen leer - da geht mir auf, dass ich schon immer das Gefühl hatte, er und » Liebermann seien verwandt, aber es ist mir nie zu Bewusstsein gekommen.

Seit langem schon schiebe ich das Problem vor mir her, eine Nahansicht im Internet zu simulieren. Hier erstmal ein Notbehelf, den ich kürzlich ja erfunden hatte:


 Vergleich: manipuliert (links) und Original (rechts) · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
 Vergleich: Detail (links) und Original (rechts) · © Copyright Werner Popken. 
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 Vergleich: Detail (links) und Original (rechts) · © Copyright Werner Popken. 
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 Vergleich: Detail (links) und Original (rechts) · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA

Nach wie vor rätsele ich über den Inhalt dieses Bildes - da fällt mir etwas ein: Das sind doch zwei Männer oder Männchen, von denen der eine den Durchblick zu haben und der andere sich auf diesen zu verlassen scheint.

Solche Bilder habe ich doch später zuhauf gemalt. Im Mittelpunkt stand immer der ratlose, tumbe Held, umgeben von mindestens einem, der mehr zu wissen schien (siehe 508). Ist dies das erste Bild, das in dieses Schema passen könnte? Oder gibt es da noch etwas Früheres?

Nein, wenn ich recht sehe, ist 156 das erste, das man so interpretieren könnte.

Es reicht allerdings von dem späteren Schema noch sehr ab: Der „Wissende“ ist recht selbstbewusst, fast aggressiv und blickt dem Betrachter direkt ins Auge, der Kleine ist nicht direkt als Held gekennzeichnet, sondern eher als Mitläufer.

Das merkwürdige Tier muss in diesem Fall auch unbedingt als Tier verstanden werden; bei 155 oder 150 konnte man die Tiergestalt mit gutem Willen herauslesen, hier ist sie jedoch offensichtlich. Auch das hat mich später immer wieder gewundert: Die Vielzahl von bekannten und unbekannten Tieren, die in meinen Bildern auftauchen.

Das Tier scheint die Situation zu begreifen, während die Menschen sich der Gegenwart des Tieres gar nicht bewusst zu sein scheinen. Das deckt sich mit deren Rolle in den späteren Bildern. Sind die Tiere dort in der Regel ebenfalls Helfergestalten, die sich im Hintergrund halten, ist dieses Tier jedoch übergroß in den Vordergrund gerückt und wirkt als Aufseher oder Aufpasser, jedenfalls als übergeordnete Instanz.

Und nun ein erster Versuch, eine nähere Distanz zu simulieren:


No. 18 » Rembrandt: Selbstporträt 64x58cm. 1669 » 156 45x63cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 18 » Rembrandt: Selbstporträt 64x58cm. 1669 » 156 45x63cm, 09.06.1974
 


Ja, das tut beiden Bildern gut. Man könnte noch näher rangehen. Da habe ich doch glatt vergessen, dass 156 mit 88 eine Rückseite hat! Die wollen wir doch zusammen sehen!


No. 19 » 88 45x63cm, 16.01.1974 » 156 45x63cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 19 » 88 45x63cm, 16.01.1974 » 156 45x63cm, 09.06.1974
 


Diese Rahmen sind jetzt vielleicht ein bisschen unfair; der schwarze Rand tut 156 sehr gut, 88 kommt nicht so gut heraus.


No. 20 » 156 45x63cm, 09.06.1974 » 88 45x63cm, 16.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 20 » 156 45x63cm, 09.06.1974 » 88 45x63cm, 16.01.1974
 


Jetzt sieht man deutlich, dass der linke Rahmen einfach nicht so toll ist.


No. 21 » 88 45x63cm, 16.01.1974 » 156 45x63cm, 09.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 21 » 88 45x63cm, 16.01.1974 » 156 45x63cm, 09.06.1974
 


So ist es besser. Aber auch die Malerei bei 88 ist nicht so berauschend. Die Sparsamkeit ist einfach tödlich.

Da fällt mir eine Geschichte ein, die » Erich Engelbrecht mir damals erzählt hat. In der Gegend um » Bielefeld/» Werther, in der er wohnt, soll es einen alten Maler gegeben haben, der damals wohl schon längst gestorben war. Der war bitterarm, aber an der Farbe sparte er nie, die trug er so dick auf wie der gute Vincent (der allerdings durch seinen Bruder ein exzellentes Auskommen hatte; insbesondere bekam er alle Materialien kostenlos).

Nun hatte der brave Mann auch Kinder, und die hatten Hunger. Da hatten sie aber Pech, die Kunst ging vor. Sie mussten sich draußen in der Natur mit Fallobst zufriedengeben. Engelbrecht fand die Geschichte gut, ich nicht. Nein nein, die Kinder hungern lassen, das kam mich nicht in Frage, obwohl ich noch gar nicht wusste, ob ich jemals welche haben würde. So wichtig konnte die Kunst gar nicht sein. Aber daran konnte man wohl erkennen, das ich gar kein echter Künstler war. Denn was ein echter Künstler ist, der opfert alles für die Kunst, zur Not auch seine Kinder, nicht wahr?
*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007
 
 
hnliche Rahmen knnen bei » Kunstkopie, » artoko und anderswo erworben werden.

 

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