180 cm - 71 inch
Werkgröße 53×37cm
Referenzfigur 180cm
Werkdaten Nr. 153
Lack / Pappe
01.06.1974, » 53×37 cm (21×15")
Rückseite von » 165

» Kommentar

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Die Virtuosität dieses Kopfes verblüfft mich noch immer. *

Merkwürdigerweise ist dieses Bild signiert; sollte ich es 1983 im » Leopold-Hoesch-Museum ausgestellt und aus diesem Anlass signiert haben?

Trotz seiner jungen Jahre scheint der Mann keine Haare zu haben. Die Strukturen rund um seinen Kopf möchten vielleicht glauben machen, dass er eine gewaltige Halskrause trägt und sich als Harlekin kostümiert hat, doch es finden sich keine Hinweise auf ein Gewand, das einen Körper bedecken könnte. Der Kopf scheint zu schweben.

Die Virtuosität dieses Bildes ist nur auf den ersten Blick beeindruckend. Im Vergleich mit dem vorigen ist dieser Kopf einfach nur verwirrt. Aber noch mehr als das: Er ist eigentlich leicht irre. Das kommt vor allem durch die Augen, genauer durch die weiß verlaufende Farbe, die als Lichtreflex interpretiert wird. Irgendwie ergibt sich so auch eine leichte Assoziation zu einem Totenschädel, was ein makaberes und morbides Gefühl auslöst.

Die junge Mann ist unsicher und scheint Angst zu haben. Während der vorige, zeichenhafte Kopf Ruhe und Trost spendet, bedarf dieser Mensch selber des Trostes und Beistands; die Gegenüberstellung macht das sofort und auf den ersten Blick deutlich. Seine Not ist groß, er scheint hochgradig gefährdet zu sein.


No. 1 » 152 40x36cm, 23.05.1974  » 153 53x37cm, 01.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 1 » 152 40x36cm, 23.05.1974 sold/verkauft » 153 53x37cm, 01.06.1974
 


Wenn man - so kommt mir jetzt spontan die Idee - das Bild um 90° drehen würde, würde der Kopf liegen; das Bild könnte dann einen geschmückten Toten darstellen. Ein Test zeigt, dass diese Lesart überhaupt nichts für sich hat. Das Bild erscheint kaum verständlich und verlangt danach, richtig gezeigt zu werden.


© Copyright Werner Popken. 
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Erst nach einer vollen Umdrehung ist das Auge wieder zufrieden. Das erinnert mich an die Methode von » Betty Edwards, die die Erkenntnisse über die » Lateralisation des Gehirns auf den Unterricht im Zeichnen übertragen hat. Einer ihrer Methoden besteht darin, die linke Gehirnhälfte auszutricksen, indem die Zeichenvorlage auf den Kopf gestellt und dadurch nicht mehr interpretierbar wird. Eines ihrer Beispiele im Buch ist ein Zeitungsfoto von » John F. Kennedy, den man tatsächlich erst erkennt, wenn man das Buch um 180° dreht.

So schlimm ist es hier nicht. Der Kopf ist in jeder Richtung erkennbar, aber irgendwie meint das Auge beziehungsweise besser: das Gehirn doch, dass der Kopf senkrecht stehen sollte.


No. 6 » 151 104x123cm, 15.05.1974 » 153 53x37cm, 01.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 6 » 151 104x123cm, 15.05.1974 » 153 53x37cm, 01.06.1974
 


No. 7 » 150 89x70cm, 13.05.1974 » 153 53x37cm, 01.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 7 » 150 89x70cm, 13.05.1974 » 153 53x37cm, 01.06.1974
 


No. 8 » 153 53x37cm, 01.06.1974 » 148 90x66cm, 19.04.1974  · © Copyright Werner Popken. 
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No. 8 » 153 53x37cm, 01.06.1974 » 148 90x66cm, 19.04.1974 sold/verkauft
 


No. 9 » 144 124x90cm, 01.01.1974  » 153 53x37cm, 01.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 9 » 144 124x90cm, 01.01.1974 sold/verkauft » 153 53x37cm, 01.06.1974
 


153 wirkt von weitem etwas anders als von nahem, weil einige Details verloren gehen, so zum Beispiel die oberen Mäusezähnchen und die untere Zahnreihe. 152 hat es da leichter, die wesentlichen Elemente bleiben immer noch erkennbar und wirksam. Auch die flüssige, virtuose Malweise ist aus der Nähe besser zu erkennen. Die Pinselstriche auf dem Kopf fallen auf die Distanz viel mehr auf und stören ein bisschen, von nahem bilden die Rüschen ein starkes Gegengewicht und lenken deshalb von diesen Strichen ab.

Das kleine Bild schlägt sich ganz wacker, aber es ist wohl kein Magnet wie 148 oder 144. Mal sehen, was die Kollegen dazu sagen.


No. 10 » Feuerbach: Nanna. 75x62cm. 1860 » 153 53x37cm, 01.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 10 » Feuerbach: Nanna. 75x62cm. 1860 » 153 53x37cm, 01.06.1974
 


Feuerbach habe ich erst Anfang der Siebziger kennengelernt, über die » Goldene Palette, eines der ersten großformatigen, vollfarbigen Kunstbücher, das einen Querschnitt durch die deutsche Kunst vom Mittelalter bis zur Neuzeit bietet. Ende der Siebziger habe ich das Buch der Stadtbibliothek Bielefeld geschenkt, es dann aber bedauert und vor ein paar Jahren antiquarisch wieder erworben. Da habe ich eben reingeguckt, um mir eine Anregung zu holen, was ich wohl gerne an der Wand sehen würde.

Die Nanna wirkte auf mich damals schon künstlich überhöht, und ich wunderte mich nicht darüber, dass » Feuerbach diese Frau als Haushälterin, Modell und Geliebte solange benutzte, wie es ihm gefiel, sie dann wegschickte und sich später über ihren Verfall lustig machte. Die Goldene Palette zeigt von jedem Künstler nur ein, ausnahmsweise zwei Bilder, von Feuerbach neben der Nanna noch » Iphigenie II; Zeno bietet einen schönen Querschnitt über Feuerbachs Schaffen, und auf den ersten Blick sieht man schon allein an den Haltungen seiner Modelle, dass er seine Malerei zelebriert. Schöner Schein, ganz Fassade, Attitüde, Prätention. Das Land der Griechen mit der Seele suchend.


No. 11 » Marc: Rote Rehe II. 70x100cm. 1912 » 153 53x37cm, 01.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 11 » Marc: Rote Rehe II. 70x100cm. 1912 » 153 53x37cm, 01.06.1974
 


Dieses Bild von » Franz Marc habe ich als Halbwüchsiger nach einer Vorlage in einer Schülerzeitschrift (Liliput) auf Hartfaser kopiert, vermutlich sogar in Originalgröße, und zwar mit Deckfarben. Soweit ich mich erinnern kann, war das nicht schwer, wesentlich leichter als der van Gogh ( Nummer 2), und ist mir gut gelungen.

Meine Eltern haben es anschließend im Treppenhaus aufgehängt, bis es später dann durch ein Schwammbild ersetzt wurde, das ich als Student in Berlin aus Protest gegen » Yves Klein gemacht hatte (nicht im Werkkatalog). Es wirkte genauso stumpf wie diese Reproduktion. Das war also die anerkannte Moderne Kunst, heute Klassische Moderne genannt. Irgendwie merkwürdig, nicht so recht nachvollziehbar, warum das nun so überwältigend bedeutsam sein sollte.


No. 12 » Macke: Porträt Franz Marc. 50x39cm. 1910 » 153 53x37cm, 01.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 12 » Macke: Porträt Franz Marc. 50x39cm. 1910 » 153 53x37cm, 01.06.1974
 


Als ich mich mit Portraits befasste, kam ich ja recht schnell dahinter, dass die Oberfläche uninteressant ist, egal wie kunstfertig und beeindruckend sie gemalt sein sollte. In diesem Sinne scheint mir das Bild von » August Macke uninteressant, weil es an der Oberfläche bleibt und sich mit unrealistischer, „expressiver“ Farbgebung und lockerer, professioneller Malweise zufriedengibt. Den Vergleich hält mein kleines Bild jedenfalls aus.


No. 13 » Mueller: Selbstbild. 71x55cm. 1921 » 153 53x37cm, 01.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 13 » Mueller: Selbstbild. 71x55cm. 1921 » 153 53x37cm, 01.06.1974
 


» Otto Mueller ist in der Goldenen Palette ebenfalls vertreten, und zwar mit einem seiner typischen Zigeunermädchen-Bilder, einem ziemlich unscheinbaren sogar: » Badende im Schilfgraben. Glücklicherweise ist er schon lange genug tot, so dass wir bei Zeno eine schöne Übersicht gewinnen können. Das Selbstportrait ist interessant: Es zeigt ebenfalls nur die Oberfläche, gleichzeitig aber auch einen Trend zum Kunstgewerbe, zur Plakatkunst. Es fehlt bei den Werken Muellers einfach das, was ich als Herzblut bezeichnet hatte. Was ist sein Anliegen? Warum soll der Maler malen? Was will er? Worum geht es ihm?


No. 14 » Modersohn-Becker: Selbstporträt. 62x48cm. 1906 » 153 53x37cm, 01.06.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 14 » Modersohn-Becker: Selbstporträt. 62x48cm. 1906 » 153 53x37cm, 01.06.1974
 


Was an » Paula Modersohn-Becker dran ist, habe ich nie verstanden. Ich kann mich für ihren Primitivismus einfach nicht erwärmen. Dabei gilt sie als eine der Leuchten deutscher Malerei. Die Goldene Palette formuliert:

Obgleich ihre Entwicklung schon mit 31 Jahren vom Tod jäh beendet wurde, hinterließ sie ein Werk, das deutsche Tiefe des Empfindens mit französischer Malkultur zu einem höchst eigenständigen Früh-Expressionismus verband.

a.a.O., Seite 422

Donnerwetter! Soll ich das glauben? Soll ich jetzt beeindruckt sein? Französische Malkultur? Ich glaube, die Franzosen würden darüber nur lachen. Deutsche Tiefe? Ich weiß nicht. Wo ist da die Tiefe?
*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007
 
 
Rahmen wie hier gezeigt können bei » Kunstkopie, » artoko und anderswo erworben werden.

 





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