180 cm - 71 inch
Werkgröße 89×70cm
Referenzfigur 180cm
Werkdaten Nr. 150
Lack / Hartfaser
13.05.1974 - 14.05.1974, » 89×70 cm (35×28")
Rückseite von » 146

» Kommentar

Blättern:
links / rechts wischen
die Tasten ← / → nutzen
auf Pfeil links / rechts klicken

Feste Breiten: »1600px   »800px   »500px   »200px

Kommentar
© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


  Engelbrecht: Die Familie des Schreibers. Litho. 76x56cm · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
  Ausschnitt: Fisch (Wal) · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
  Ausschnitt: Vogel (Ente) · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
  Ausschnitt: Münder · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Auch diesen hier begriff ich als Selbstportrait. Ich hatte mich warm angezogen, anscheinend war es sehr kalt und ungemütlich. Im Sinne der Beratung Engelbrechts versuchte ich die Bedeutung dieses Bildes durch Entdeckung verborgener Figuren aufzuwerten und meinte im Gesicht einen Vogel entdecken zu können. *

Nun gut, aber was war damit gewonnen? Sollte ich darauf stolz sein? Kam es darauf an, möglichst viele versteckte Gestalten zu produzieren? Sollte ich mir dieses Bild an die Wand hängen? Sollte irgendjemand sonst sich dieses Bild an die Wand hängen?

Verglichen mit anderen Bildern, die an Wänden hängen, spricht nichts dagegen. Aber würde ich das Bild mögen? Würde ich meinen Blick immer wieder dahinwandern lassen? Es wäre vielleicht einen Versuch wert gewesen, aber ich malte schon zu viele Bilder, um sie alle aufhängen zu können. Aber warum? Was wollte ich mit all diesen Bildern?

Diese Frage muss ich mir heute immer noch stellen. Wenn es mir gelungen wäre, mich als Maler zu etablieren und mein Leben davon zu bestreiten, wäre ich gerechtfertigt gewesen. Es ist ja auch nicht ausgeschlossen, dass dies noch einmal der Fall sein könnte, obwohl es sehr unwahrscheinlich erscheint.

Aber letzten Endes kann es in der Kunst ja nicht um den Kommerz gehen. Ein Bild bekommt seinen Wert nicht dadurch, dass es verkauft wird. In irgend einem Buch habe ich eine sehr schöne Geschichte gelesen, es war wohl die Autobiografie des Kunsthändlers » Ambroise Vollard. Ein Verwandter, ein Schwager oder so, fragte ihn zu Beginn seiner Karriere, welche Kunst er als Kapitalanlage für die Ausbildung seines Kindes kaufen solle.Vollard empfahl ihm selbstverständlich seine eigenen Künstler, die jedoch nicht den Massengeschmack trafen. Der treusorgende Vater gab stattdessen viel Geld für Kunst aus, die gerade in Mode war. Als das Kind erwachsen war, waren diese Kunstwerke nichts mehr wert, die von Vollard empfohlenen Kunstwerke hatten jedoch ihren Wert vervielfacht.

Solche Anekdoten sind natürlich sehr unterhaltsam und in der Kunst keineswegs selten. Man kann sogar sagen, dass es die Regel ist, jedenfalls was die Vergangenheit betrifft, und es spricht eigentlich nichts gegen die Annahme, dass diese Regel auch für die Gegenwart und Zukunft Gültigkeit beansprucht kann. Das wiederum würde bedeuten, dass alle Kunstwerke, die heute in Mode sind, in kurzer Zeit nichts mehr wert sind.

Das ist keineswegs weit hergeholt. Ich erinnere mich an die Geschichte eines Ehepaars, das wohl aus Bremen stammte, und eine umfangreiche Sammlung von Werken von » Horst Antes angelegt hatte. Eines Tages wollten sie diese Sammlung einem Museum andienen, was ihnen aber nicht gelang. Niemand wollte diese Sammlung haben. Antes war einmal sehr in Mode und unter Kunsthistorikern nicht sehr beliebt. Aber auch die bei Kunsthistorikern beliebten Maler, die man in praktisch jedem modernen Museum auf der ganzen Welt sehen kann, sind keineswegs davor gefeit, an Wert zu verlieren.

In der » Bielefelder Kunsthalle zählte Anfang der Siebziger Jahre ein riesiges Gemälde von » Pierre Soulages zu den Attraktionen; es befindet sich vermutlich noch immer in deren Besitz, ist allerdings anscheinend seit der Pensionierung des damaligen Direktors Joachim Wolfgang von Moltke (der für den Erwerb verantwortlich war) und der Übernahme durch seinen Assistenten Ulrich Weisner (der selbstredend eigene Akzente setzen wollte) im Magazin verschwunden. Überhaupt ist es um die abstrakte Malerei der Nachkriegszeit, die meine Jugend absolut dominierte, inzwischen totenstill geworden, trotz der immer wieder versuchten Reanimierung interessierter Kunsthändler und Sammlerkreise. Diese einst so heiß umkämpfte Kunst ist erledigt.

Die erfolglosen Künstler haben schon im ausgehenden 19. Jahrhundert versucht, den Spieß umzudrehen und Erfolglosigkeit als Ausweis der Genialität interpretiert. Das ist natürlich Unsinn. Das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun. » Rembrandt war sehr erfolgreich und bekanntermaßen sehr gut. » Rubens war auch sehr erfolgreich und nach meinem Dafürhalten weit weniger gut. » Holbein war ebenfalls sehr erfolgreich und auf seine Weise auch sehr gut. Diese Aufzählung könnte man beliebig fortsetzen.

Es kommt nur auf die Qualität an. Qualität ist anscheinend nicht zu definieren. » Robert Pirsig hat mit seinem Motorrad-Philosophie-Roman » Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten den Nachweis versucht, dass jeder weiß, zumindest mit vergleichbarer Erfahrung, was Qualität ist, obwohl Qualität nicht definiert werden kann. Jeder Kunstliebhaber wird dem zustimmen. Die entscheidende Prämisse ist die Erfahrung.

Wer sich in ein Fachgebiet egal welcher Art intensiv einarbeitet, wird sich in seinem Urteil immer sicherer fühlen und er wird immer mehr mit denen übereinstimmen, die denselben Weg zurückgelegt haben. Wie » Ernst Gombrich einmal sinngemäß sagte: „Wer kein Weintrinker ist, wird schwerlich einen guten von einem schlechten unterscheiden können.“ Auch die Qualität eines Rembrandt kann man erst dann erkennen, wenn man sich hinreichend mit Kunst und mit Rembrandt beschäftigte.

Und wie beim Wein werden auch in der Kunst Urteile durch Vergleiche gewonnen. Also sollte ich dieses Bild aufhängen und mit anderen vergleichen, um mir über seine Qualität mehr Klarheit zu verschaffen.


No. 5 » 150 89x70cm, 13.05.1974 » 149 60x50cm, 15.07.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 5 » 150 89x70cm, 13.05.1974 » 149 60x50cm, 15.07.1974
 


Donnerwetter! Ich hatte gar nicht realisiert, dass dieses Bild viel größer ist als der Vorgänger. So nebeneinander an der Wand sieht man unmittelbar, dass die beiden sich nichts nehmen.

Die Rückseite hatten wir schon. Jetzt will ich mal beide nebeneinander sehen.


No. 6 » 150 89x70cm, 13.05.1974 » 146 89x70cm, 28.04.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 6 » 150 89x70cm, 13.05.1974 » 146 89x70cm, 28.04.1974
 


Gar nicht übel! Erstaunlich! 146 kommt in diesem Zusammenhang sehr gut.


No. 7 » 145 80x63cm, 27.04.1974 » 150 89x70cm, 13.05.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 7 » 145 80x63cm, 27.04.1974 » 150 89x70cm, 13.05.1974
 


No. 8 » 150 89x70cm, 13.05.1974 » 144 124x90cm, 01.01.1974  · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 8 » 150 89x70cm, 13.05.1974 » 144 124x90cm, 01.01.1974 sold/verkauft
 


No. 9 » 150 89x70cm, 13.05.1974 » 143 124x90cm, 01.05.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 9 » 150 89x70cm, 13.05.1974 » 143 124x90cm, 01.05.1974
 


Nicht schlecht. Besser als ich dachte. Nun will ich sehen, was Kollegen sagen.


No. 10 » Rembrandt: Selbstporträt als Apostel Paulus. 91x77cm. 1661 » 150 89x70cm, 13.05.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 10 » Rembrandt: Selbstporträt als Apostel Paulus. 91x77cm. 1661 » 150 89x70cm, 13.05.1974
 


No. 11 » Rembrandt: Die Judenbraut 122x167cm. 1667 » 150 89x70cm, 13.05.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 11 » Rembrandt: Die Judenbraut 122x167cm. 1667 » 150 89x70cm, 13.05.1974
 


No. 12 » Modigliani: Novo Pilota, Bildnis Paul Guillaume. 105x75cm. 1915 » 150 89x70cm, 13.05.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 12 » Modigliani: Novo Pilota, Bildnis Paul Guillaume. 105x75cm. 1915 » 150 89x70cm, 13.05.1974
 


Na sowas! Das Gesicht war mir immer viel zu blass, viel zu undifferenziert, viel zu wenig auf Distanzwirkung angelegt, aber das scheint dem Bild nicht wirklich zu schaden.

Nun will ich mal sehen, was die Vögel da machen.


 Vergleich: manipuliert (links) und Original (rechts) · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
 Vergleich: manipuliert (links) und Original (rechts) · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Beide Vögel sind ziemlich abstrakt - die erste im Gesicht kann für mich leichter entdeckt werden, der zweite ist mehr versteckt. Dafür ist der erste weniger leicht als Vogel zu deuten; er scheint irgendwie fröhlich zu grinsen, während der zweite fürchterlich grimmig schaut.

Der grüne Vogel scheint sich vor den Mann zu stellen und ihn schützen zu wollen. Der Vogel im Gesicht scheint die ganze Sache nicht so ernst zu nehmen. Der Mann ist sich nicht sicher, wie er das beurteilen soll, was da auf ihn zukommt.

Der Vogel im Gesicht fällt deshalb mehr auf, weil das Gesicht durch den „Schnabel“ eine Gestalt bekommt, die einem Gesicht nicht zukommt. Man kann darüber nicht hinwegsehen. Was ändert sich, wenn man diesen Schnabel entfernt?



 Vergleich: manipuliert (links) und Original (rechts) · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
 Vergleich: manipuliert (links) und Original (rechts) · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
 Vergleich: manipuliert (links) und Original (rechts) · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Ich finde, der „Schnabel“ ist nicht unbedingt wesentlich. Wenn er fehlt, merkt man allerdings die verminderte humoristische Dimension sehr deutlich.

Das Erstaunlichste an dem Bild ist vermutlich, dass mit ein paar Strichen nicht nur ein Mondgesicht, sondern im Grunde eine Persönlichkeit hingezaubert worden ist, die Geschichte und Zukunft hat. Wenn man sich die Konfrontation mit dem » Modigliani zu Gemüte führt, erkennt man, dass der  Modigliani eigentlich eher eine Karikatur ist, auf jeden Fall nur eine Maske: Man erfährt nichts über diese Person, man sieht, dass sie etwas vorstellen und sich dahinter verbergen möchte. Der Grüne verbirgt nichts, der ist ganz da.

Die Gegenüberstellung mit den beiden  Rembrandts zeigt, dass diese auf der gleichen Höhe sind. Auch dort gibt es keine vorgespiegelten Botschaften, kein „als ob“, sondern ungeschminkte Ernsthaftigkeit. Rembrandt wollte sich genauso wenig belügen wie ich. Und er musste auch niemandem etwas beweisen, schon gar nicht sich selbst. Was an Rembrandt fasziniert, ist gerade diese existenzielle Wucht, die er sich im Laufe seiner Karriere mühsam erarbeiten musste. Sein Frühwerk ist einfach schrecklich, er möchte gerne, aber er kann nicht, und das ist einfach nur peinlich. Aber im Alter hat er den Bogen raus.

Dies ist eins von den Bildern, mit denen ich mich nicht gerne beschäftigen wollte, auf die ich nicht stolz war, die ich selbst eher befremdlich fand, und ich bin - wie auch in ähnlichen Fällen zuvor - erstaunt, wie gut sich dieses Bild an der Wand hält. Das hätte ich nicht erwartet.

*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007
 
 
Urheberrechtlich geschtzte Abbildungen wiedergegeben unter Berufung auf das » Zitatrecht beziehungsweise » Fair Use.
 
 
hnliche Rahmen knnen bei » Kunstkopie, » artoko und anderswo erworben werden.

 

Öl              Papier              Skulpturen              Drucke              Alles


Winzig              Klein              Mittel              Groß              Riesig



 
Home               Galerie               Altar               Fotos


Credo               Texte               Blog               Bücher               Manifest


 English   Top


server time used 0.2365 s