180 cm - 71 inch
Werkgröße 122×81cm
Referenzfigur 180cm
Werkdaten Nr. »141
Lack / Hartfaser
19.04.1974 - 20.04.1974, » 122×81 cm (48×32")
Rückseite von » 142

» Kommentar

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Nun aber kommt die Lust an der Anverwandlung der Errungenschaften Picassos erneut zum Zuge. Als Fingerbung nicht schlecht. *

Der Ausdruck Anverwandlung ist vielleicht gar nicht unpassend. Ich wsste nicht, dass Picasso jemals ein Gesicht oder Hnde in dieser Art gemacht htte. Dennoch ist dieses Bild ohne Picassos Vorbild nicht denkbar.

Angesichts der Vorgnge um die » Plagiatsaffre Guttenberg und die sich daran offenbarende Unkenntnis dessen, was ein Plagiat ist, worum es sich bei geistigem Eigentum handelt, was eine geistige Schpfung berhaupt ist und warum diese geschtzt werden muss, sollte ich hier vielleicht ein paar Worte aus Knstlersicht verlieren.

Musiker, Schriftsteller und Maler reagieren ununterbrochen auf die Hervorbringungen ihre Kollegen, lebender und toter. Kultur wird nicht im luftleeren Raum produziert, sondern innerhalb einer Tradition, deren Tiefe im allgemeinen nicht bestimmt werden kann.

Wie auch in der Wissenschaft ist es in der Regel vollkommen unmglich, ein Versatzstck aus Produktionen anderer Knstler als Eigenes auszugeben, sofern nicht die zustzliche eigene Schpfungshhe dies rechtfertigt.

Wenn also » Bert Brecht sich frei dazu bekannt hat, berall zu „klauen“, wie es ihm beliebt, und Picasso bei seinen Kollegen gefrchtet war, weil ihre Motive nach einem Atelierbesuch in seinen Werken auftauchten, so handelt es sich hier um ein Missverstndnis hinsichtlich schpferischer Ttigkeit.

Der Schnurrbart, den » Marcel Duchamp der Mona Lisa anmalte, war kein Plagiat und er hat die Mona Lisa damit auch nicht „geklaut“. Die Schpfungshhe seiner Tat war uerst gering, damit htte er einen „Diebstahl“ auch nicht rechtfertigen knnen. Er hat die Mona Lisa einfach benutzt, oder genauer gesagt eine Reproduktion des Gemldes.

In diesem Sinne sind Collagen von Abbildungen anerkannter Kunstwerke neue Schpfungen von normalerweise sehr geringer Originalitt, von Diebstahl kann aber keine Rede sein, obwohl das Verfahren rein uerlich dem Vorgehen des Freiherrn sehr hnelt. Und auch wenn Brecht oder Shakespeare oder Picasso Motive aufgreifen, die andere ebenfalls behandelt haben, handelt es sich nicht um Plagiate.

Ich habe bei diesem Bild nun nicht direkt auf bekannte oder unbekannte Gemlde oder Zeichnungen Picassos zurckgegriffen, trotzdem kann man im Sinne Brechts oder Picassos von „Diebstahl“ sprechen, insofern nmlich als dieses Bild ohne Picasso nicht entstanden und denkbar wre.

Trotzdem handelt es sich um eine vllig eigenstndige Leistung, und so ist es auch im Falle Picassos oder Shakespeares oder Brechts. Jede Kulturleistung befruchtet andere Kulturleistungen, mehr oder weniger. Niemand hat Sprache erfunden, jeder benutzt dieselben Worte, aber damit ist nicht zu begrnden, dass jeder ein Plagiator ist. Dasselbe gilt fr die Musik - es sind immer dieselben Noten, und Musiker haben sich immer von Werken ihrer Kollegen „inspirieren“ lassen. Das ist vollkommen legitim.

Im brigen gehrt zum Plagiat die Absicht, sich Leistungen erschleichen zu wollen. Die knstlerischen Leistungen, die von anderen knstlerischen Leistungen angeregt worden sind, wollen natrlich ebenfalls anerkannt werden, aber nicht indem die Originalleistung als eigene ausgegeben wird, sondern deren Verarbeitung oder Anverwandlung, womit eine eigenstndige Schpfung gemeint ist, die sich der (stilistischen) Mittel des Kollegen bedient.

Am deutlichsten wird der Unterschied im Kabarett. Wenn ein Kabarettist einen anderen parodiert, begeht er ja kein Plagiat, sondern er benutzt die Sprechweise, die Inhalte, die Worte des Parodierten, um dadurch eine Distanz zum Vorbild herzustellen und seine Botschaft deutlich zu machen.

Mein Bild entbehrt aber jeglicher Anflge zur Parodie, zur Kritik, zum Kommentar. Es prsentiert sich vollkommen ernsthaft wie ein Picasso, der sich selbst ja nie auf die Schippe genommen hat und auch die schlimmsten Verfremdungen vollkommen ernst meinte.

Was an diesem Bild deutlich wird, nennt man auch Einfluss. Viele Knstler stehen unter dem Einfluss anderer Knstler, und meistens sieht man das auf den ersten Blick. blicherweise wird das in der Zunft sehr kritisch und negativ gesehen. Man nennt so etwas » epigonal und hlt es - zumindest hierzulande - fr wertlos. » Jackson Pollock war beispielsweise in seinem Frhwerk enorm von Picasso beeinflusst. Erst als er etwas vollkommen anderes machte, nmlich flssige Farbe auf Leinwnde tropfen lie, nahm ihn die Kunstwelt ernst, obwohl sowohl die Ttigkeit als auch das Ergebnis deprimieren banal waren.

In diesem Sinne nahm ich mein eigenes Bild nicht ernst, obwohl es doch eigentlich sehr gut ist. Der tiefere Grund wird aber vermutlich sein, dass ich mich mit diesem Monster nicht identifizieren konnte. So faszinierend die Erfindung sein mochte, so absurd schien sie mir, und Absurditt konnte mir kein Ziel sein. Ich suchte Wahrheit, Tiefe, Herzblut.


No. 1 » 140 123x150cm, 18.04.1974 » 141 122x81cm, 19.04.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork  CC BY-SA
No. 1 » 140 123x150cm, 18.04.1974 » 141 122x81cm, 19.04.1974
 
No. 2 » 141 122x81cm, 19.04.1974 » 140 123x150cm, 18.04.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork  CC BY-SA
No. 2 » 141 122x81cm, 19.04.1974 » 140 123x150cm, 18.04.1974
 
No. 3 » Leibl: Die Drei Frauen in der Kirche. 113x77cm. 1878–1881 » 141 122x81cm, 19.04.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork  CC BY-SA
No. 3 » Leibl: Die Drei Frauen in der Kirche. 113x77cm. 1878–1881 » 141 122x81cm, 19.04.1974
 
No. 4 » 141 122x81cm, 19.04.1974 » Leibl: Die Drei Frauen in der Kirche. 113x77cm. 1878–1881 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork  CC BY-SA
No. 4 » 141 122x81cm, 19.04.1974 » Leibl: Die Drei Frauen in der Kirche. 113x77cm. 1878–1881
 
Mein armes, missachtetes Bild hlt es gut an der Wand aus, sogar mit dem » Leibl. Haben Sie bemerkt, dass auch dieses Bild sehr humorvoll ist? Man muss freilich hinschauen. Ich wsste nicht, dass Picasso irgendwo humorvoll ist, es sei denn er produziert eine Karikatur. Dass ich selbst Humor habe, war mir gar nicht bewusst. Etwa 25 Jahre spter sagte mir jemand dies auf den Kopf zu, und ich wollte es nicht glauben. Aber jetzt sehe ich es, immer wieder.

Noch ein bisschen testen, andere Rahmen, andere Partner.


No. 5 » 141 122x81cm, 19.04.1974 » 120 70x45cm, 06.03.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork  CC BY-SA
No. 5 » 141 122x81cm, 19.04.1974 » 120 70x45cm, 06.03.1974
 
No. 6 » 141 122x81cm, 19.04.1974 » 87 38x28cm, 16.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork  CC BY-SA
No. 6 » 141 122x81cm, 19.04.1974 » 87 38x28cm, 16.01.1974
 
No. 7 » 141 122x81cm, 19.04.1974 » 22 70x43cm, 28.09.1973 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork  CC BY-SA
No. 7 » 141 122x81cm, 19.04.1974 » 22 70x43cm, 28.09.1973
 
No. 8 » 141 122x81cm, 19.04.1974 » 58 60x40cm, 08.12.1973 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork  CC BY-SA
No. 8 » 141 122x81cm, 19.04.1974 » 58 60x40cm, 08.12.1973
 
No. 9 » 141 122x81cm, 19.04.1974 » 59 80x80cm, 12.12.1973 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork  CC BY-SA
No. 9 » 141 122x81cm, 19.04.1974 » 59 80x80cm, 12.12.1973
 
No. 10 » 141 122x81cm, 19.04.1974 » Vermeer: Milchausgieende Magd. 46x41cm. 1658–1660 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork  CC BY-SA
No. 10 » 141 122x81cm, 19.04.1974 » Vermeer: Milchausgieende Magd. 46x41cm. 1658–1660
 
No. 11 » 141 122x81cm, 19.04.1974 » Modigliani: Frau mit Hut. 55x38cm. 1917 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork  CC BY-SA
No. 11 » 141 122x81cm, 19.04.1974 » Modigliani: Frau mit Hut. 55x38cm. 1917
 
Ich bin zufrieden. An der virtuellen Wand kann ich dieses Bild ehren. Im wirklichen Leben hatte ich vermutlich immer zu viele Bilder, zu viele, die ich diesem vorgezogen habe. Auerdem wusste ich noch nicht, wie ich sie - ganz praktisch - aufhngen sollte.

Spter habe ich mir dann eine Konstruktion ausgedacht, die sowohl Rahmen als auch Halt fr doppelseitig gemalte Bilder auf Hartfaser ist und die beidseitige Prsentation erlaubt - und nicht zuletzt als Schutz dient. Wenn man die Bilder nmlich ungerahmt aufbewahrt, das heit stapelt, werden sie notwendigerweise beschdigt. Diese Konstruktion hat sich im Groen und Ganzen bewhrt und funktionierte sogar bei sehr groen Tafeln, die nicht nur ein erhebliches Gewicht besitzen, sondern auch uerst wenig verwindungssteif sind.
*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007
 
 
hnliche Rahmen knnen bei » Kunstkopie, » artoko und anderswo erworben werden.

 

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