180 cm - 71 inch
Werkgröße 42×30cm
Referenzfigur 180cm
Werkdaten Nr. »14
Ölkreide / Papier
10.11.1972, » 42×30 cm (17×12")

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Ich sitze wieder vor dem Spiegel und probiere eine neue Technik aus: lkreide. Ich hatte damit gar keine Erfahrungen und mir einen schnen, professionellen Holzkasten gekauft, den ich heute noch besitze. Diesmal habe ich ein Hemd an, man sieht im offenen Kragen sogar das Unterhemd. Merkwrdigerweise habe ich hier einen Seitenscheitel; vielleicht sind die Haare an diesem Tag gerade so gefallen.

Der Blick ist ernst und intensiv - wieder schaut der Portraitierte den Betrachter genau an. Man hat nicht so sehr den Eindruck, dass der Maler sich selbst anschaut, als vielmehr, dass die Person im Bild den Betrachter fixiert. Im Gegensatz zu  Nummer 12 ist hier die Selbstgewissheit, die Zuversicht, die fordernde Haltung, die dort ganz rein auftrat, hier sehr stark berlagert von Selbstzweifeln und Angst. So hnlich htte auch » Vincent van Gogh schauen knnen.

Die Selbstportraits von Vincent gehren zu den strksten Arbeiten, die er hinterlassen hat. Merkwrdigerweise hat er immer auen gesucht, was nur drinnen zu finden ist. Vielleicht hat das mit seinem christlichen Elternhaus zu tun: So wollte er ja gerne die anderen retten, wo es doch nur darum geht, sich selbst zu retten. Da kann man vielleicht auch noch was erreichen, whrend die anderen sich ja gar nicht erretten lassen wollen.

Aber ich habe gut reden. Ich sa da vor dem Spiegel und wusste auch nicht, worum es ging. Dabei hatte ich es direkt vor meiner Nase. Was war mir wichtig? Nichts fiel mir ein, aber es war doch sonnenklar: Ich selbst musste mir wichtig sein, wer denn sonst? Fr mein Leben war ich selbst verantwortlich und nur ich allein, niemand konnte mir das abnehmen. Ich musste alles daransetzen, dieses Leben fruchtbar zu machen. Aber was sollte das heien?

Es war noch gar nicht so lange her, dass ich Abitur gemacht hatte. Als Schulsprecher hielt ich die Abiturrede. Ich beklagte mich darber, dass ich mich fr das Leben gar nicht gerstet fhlte. Kurz danach sa ich mit einer Freundin zusammen und wir fragten uns, was uns im Leben erwarte. Vor ein paar Jahren gab sie mir den Brief zurck, den wir damals schrieben. Es war mir peinlich, meinen Lebensentwurf zu lesen - wie naiv ich war!

Und nun war ich unversehens erwachsen geworden - jedenfalls musste man das wohl annehmen. Ich war volljhrig, lebte seit ein paar Jahren in wilder Ehe mit einer Frau, die ich nach besten Krften liebte, hatte ein Mathematikstudium erfolgreich beendet und bereitete mich auf den nchsten Schritt in der professionellen Entwicklung vor, die Promotion. Aber doch schien irgendwo der Zweifel zu wohnen. Ich konnte so etwas wohl machen, aber keine Leidenschaft fr die Mathematik empfinden. War das ntig? Konnte man nicht ein ganz gewhnliches Leben fhren und einfach seine Pflicht tun? Warum musste ich mich vor den Spiegel setzen und mich selbst zeichnen? Irgendetwas qulte mich, und das wird in diesem Portrait sichtbar. Der Mann fhlt sich nicht wohl in seiner Haut.

 

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