180 cm - 71 inch
Werkgröße 30×26cm
Referenzfigur 180cm
Werkdaten Nr. »13
Öl / Weichfaser
29.10.1972 - 13.10.1973, » 30×26 cm (12×10")

» Kommentar

Blättern:
links / rechts wischen
die Tasten ← / → nutzen
auf Pfeil links / rechts klicken

Feste Breiten: »1600px   »800px   »500px   »200px

Kommentar
© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Dies ist die berarbeitung eines frheren Gemldes, die an mehreren Stellen deutlich zu erkennen ist. Die Datierung des ursprnglichen Gemldes ist schwierig. Es knnte noch whrend meiner Schulzeit entstanden sein oder aber vor den Objektarbeiten aus den Berliner Jahren.

Vermutlich war es ein Selbstportrait, das nun fantastisch umgearbeitet wurde. Der souverne Einsatz der Farben ist verblffend. Die Klnge sind wunderschn und entsprechend schwierig zu reproduzieren. Je lnger ich auf dem Bild herumschaue, desto entzckter bin ich ber die fantastischen Farbzusammenstellungen, die man sich berhaupt nicht ausdenken knnte. Wie kann man nur so ein Bild malen? Alles muss ja zusammenpassen, jede Linie und jede Farbe wirkt wieder auf die anderen zurck. Wie die Pinselfhrung die Farbe changieren lsst, ist unglaublich, etwa bei der roten Umrandung der Haare.

Witzigerweise finden sich einige Symbole auf dem weien, hochgeschlossenen Gewand des Mannes mit rotem Schnurrbart und Mittelscheitel, dessen beiden Knpfe genialisch angedeutet sind: Das mathematische Symbol fr die Summe Σ, das physikalische Vektorzeichen und zwei Zeichen fr die groe Unbekannte x nebst logischem Nicht-Zeichen . Ein gelbes Fragezeichen ? im Haar, die mathematischen Operatoren + und * auf den Wangen und eine Punkt-Strich-Kombination sowie einige Zickzacklinien vervollstndigen das Zeicheninventar.

Auffllig ist natrlich die dunkle Hautfarbe, die Schminke sein knnte, und die grelle Bemalung des Gesichts, die vllig unkonventionell ist und weder an Stammesbemalungen noch an Clownsmasken erinnern. Der Schnurrbart sticht auf den ersten Blick nicht besonders ins Auge, aber wenn man genau hinschaut, sieht es aus, als sei er aufgeklebt. Will sich da jemand hinter einer Maske verstecken? Der Mann ist deutlich verwirrt. Besonders die altrosa umrahmten gelben Augen und der rote Mund mit den Musezhnchen strahlen aber eine enorme Innigkeit aus, deren ich mir damals gar nicht bewusst war. *


Die grnen Haare sind natrlich ebenfalls ungewhnlich, fallen mir aber jetzt erstmals bewusst auf. Warum hat der grne Haare? Oder ist es eine Haube, die so tut, als wren es Haare? Das Werk  Nummer 31 zeigt ebenfalls ein Selbstportrait mit grnen Haaren, was mir frher schon mal aufgefallen war und wofr ich keine Erklrung hatte.

Und dann lief mir vor etwa 10 Jahren ein Buch ber den so genannten » Grnen Mann ber den Weg, ein Phnomen, das sich durch die Kunstgeschichte zieht und im Sinne der » Archetypenlehre von » C.G. Jung gedeutet wurde. Das half mir aber auch nicht weiter. Der Grner Mann ist durch die Vegetation grn, seine Haare und sein Bart werden durch Bltter gebildet, was hier eindeutig nicht der Fall ist. In diesem Sinne ist das sicher kein Grner Mann.

Noch etwas fllt mir heute auf: Das Mal auf der Stirn. Es ist ja eine Art Hinweiszeichen wie bei einer Schnitzeljagd und knnte auf das sogenannte geistige Auge hinweisen, wie es in Indien manchmal als Schmuckzeichen angedeutet wird, wenn dieses nicht viel zu hoch angebracht wre. Die ganze Partie der Nase und der Stirn wiederholt noch einmal den Pfeil nach oben, an den sich die rot gezackte Linie anschliet, die den Scheitel markiert, der seinerseits viel zu hoch angesetzt ist und ebenfalls nach oben weist. Diese Partie wiederum korrespondiert mit der eigenartigen Form, die die Kinnlade und das Kinn markiert, mit einem deutlichen Punkt abschliet und ebenfalls nach oben weist.

Dieser Mann ist nicht nur verwirrt und ein wenig traurig, er schaut auch nach innen beziehungsweise in eine unbestimmte Nhe, wodurch deutlich wird, dass er eigentlich nichts anschaut als seine eigene Existenz. Man knnte annehmen, dass er ein bisschen Angst hat vor der Flle des Lebens, aber neugierig ist er auch. Ich fasse dieses Bild als Selbstportrait auf, und es sollte nicht das einzige bleiben, das mich in starker Verwirrung zeigt.

Der Gegensatz der Befindlichkeit des Dargestellten zu den beiden vorherigen Arbeiten ist ziemlich deutlich. Die beiden anderen Selbstportraits sind demgegenber sowohl naiver als auch weniger offen. Sie zeigen das, was ich im Spiegel sehen konnte. Ich wollte mich hnlich zeichnen, und wenn mir auch eine fotografische hnlichkeit nicht gelang, was mit dem Kugelschreiber auch nicht ganz einfach wre, so war ich doch ziemlich zufrieden. hnlicher hat ein » Pablo Picasso sich auch nicht zeichnen knnen, um den mal ins Spiel zu bringen. Dieses Bild jedoch erhebt gar nicht den Anspruch, mglichst hnlich zu sein. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb wird etwas sichtbar, das im Spiegel nicht zu finden ist.

Die realistischen Selbstportraits habe ich bald aufgegeben, weil mir klar wurde, dass auf diese Weise im wesentlichen nur die Oberflche dargestellt werden kann. Durch die Maskierung kann jedoch, wie man hier sieht, etwas zum Vorschein kommen, was mglicherweise noch gar nicht bewusst ist oder nicht formuliert werden kann. Hier scheint also zum ersten Mal eine Dimension der Kunst auf, die mich faszinierte und ein Leben wert zu sein schien.
*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007

 

Öl              Papier              Skulpturen              Drucke              Alles


Winzig              Klein              Mittel              Groß              Riesig



 
Home               Galerie               Altar               Fotos


Credo               Texte               Blog               Bücher               Manifest


 English   Top


server time used 0.0437 s