127 Com Werner Stürenburg Original Fine Art Originalkunst, Oeuvre Werkschau joe

180 cm - 71 inch
Werkgröße » 123x80 cm (49x32")
Referenzfigur 180 cm


Werknummer
» 127
Abmessungen
» Kommentar
» 123x80 cm (49x32")
Öl / Hartfaser
11.03.1974 - 12.03.1974
Rückseite von » 118

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


» Jean-Léon Gérôme:<br /> Bad im Harem, 1876, 74x62cm · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Eine Odaliske mit Magenkrämpfen? *

Ein Kommentar mit vier Worten - mir fiel mir für das Werkverzeichnis nicht ein. Auch dieses Bild habe ich selten gezeigt und wenn es jemand gesehen hat, etwa bei einem Umzug, habe ich mich ein wenig geschämt und dafür gesorgt, dass wir uns etwas anderem zugewendet haben.

Warum sollte ich eine Odaliske malen? Hatte ich die von Picasso geerbt? Und der hatte sie ja von » Matisse, und Matisse wiederum von » Delacroix. Der Orientalismus war im 19. Jahrhundert beliebt, je repressiver die Sexualmoral, desto wilder die Fantasien über die himmlischen Zustände im » Harem, wobei man sich eine Art Privatbordell darunter vorstellte, mit schönen, europäischen Sklavinnen bestückt, die zwar unglücklich waren, aber wussten, was sie zu tun hatten, um ihren Herrn zu erfreuen.

Delacroix hatte immerhin einen Harem von innen gesehen und einige Skizzen machen können, aber Fachleute sind sich heute einig, dass damit das Leben im Harem nicht korrekt beschrieben wurde. Auch bei Delacroix herrscht eine schwüle Bordellatmosphäre, und die zieht sich überall durch, bis zu Matisse, und bei Picasso verliert sie sich dann, vermutlich weil dieser einfach zu brutal und nüchtern war, um sich auf die Lüsternheit der Erwartung einlassen zu können. Bei ihm werden die Frauen zu einem Gegenstand, zu einem Stück Holz, zu einem bloßen Objekt. Man fragt sich oft, ob dieser Mann überhaupt zu zarteren Gefühlen fähig war - seine Odalisken hatten jedenfalls mit Matisse so gut wie nichts zu tun, außer dem Kostüm. So sind denn auch seine Paraphrasen nach Delacroix' » Frauen von Algier entsprechend nichtssagend ausgefallen.

Meine Odaliske ist ebenfalls vor allem durch ihre Kleidung als solche ausgewiesen, durch das Mieder, die weite Bluse, den weiten Rock, den stoffreichen Schal. Sie hat ansonsten gar nichts von einer Odaliske an sich, die sich anbietet und ihren Herrn in Stimmung bringen soll, sondern offensichtlich enorme Schwierigkeiten, vermutlich körperlicher Art, sie verzieht das Gesicht, als ob sie entsetzliche Schmerzen hätte, nicht unbedingt seelische, sondern körperliche, möglicherweise Regelschmerzen, denn Wehenschmerz kann es wohl nicht sein, da der Bauch ganz normal zu sein scheint.

Aber ist das korrekt interpretiert? Würde man in einer solchen Situation die Arme hochreißen und am Boden hocken? Die ganze Frau ist in Bewegung, um den Kopf herum wirbelt es, um den Schoß herum ebenfalls. Die Armhaltung könnte man dahingehend verstehen, dass sie sich die langen glatten Haare so zusammenbindet, dass sie an der Seite nach vorne fallen. Andererseits dient eine solche Haltung wohl auch dazu, die Brüste zu präsentieren, was aber angesichts ihres Mieders weder nötig scheint noch etwas bringen dürfte.

Nun könnte man vielleicht auch im Sitzen tanzen, und wenn man dazu gezwungen wird, könnte man unter Umständen auch das Gesicht verziehen, vielleicht sogar in dieser Weise. Damit wäre der Ausdruck ein Protest gegen die Sklavenrolle und die sexuelle Ausbeutung. Aber Himmel, warum sollte ich ein solches Bild malen? Ich habe doch weder mit dem Orientalismus noch mit der Befreiung der Frauen aus dem Harem - von der diese ja noch nicht einmal träumen - zu tun. Zwar war dies ein Thema der europäischen Kultur, allerdings nur die Befreiung europäischer Sklavinnen, man denke nur an » Mozarts » Entführung aus dem Serail; dieses Thema ist auch im 20. Jahrhundert in der Romanreihe » Angélique wieder aufgegriffen worden, wie ich mir habe sagen lassen.

Also kann ich mein Bild in diesem Fall nicht auf die europäische Tradition der Odalisken zurückführen (siehe auch die Anmerkungen zu normal;’> Nummer 37,58,100). Ich glaube auch nicht, dass man dafür » Archetypen bemühen kann. Wie ist ein solches Bild also zu verstehen, wie komme ich dazu? Verrückt. Hängen wir es auf! Mal sehen, wie es sich an der Wand macht.


No. 2 » 127 123x80cm, 11.03.1974 » 126 100x76cm, 10.03.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 2 » 127 123x80cm, 11.03.1974 » 126 100x76cm, 10.03.1974
 


No. 3 » 127 123x80cm, 11.03.1974 » 148 90x66cm, 19.04.1974  » 123 45x52cm, 08.03.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 3 » 127 123x80cm, 11.03.1974 » 148 90x66cm, 19.04.1974 sold/verkauft » 123 45x52cm, 08.03.1974
 


No. 4 » 127 123x80cm, 11.03.1974 » 556 80x60cm, 18.01.1985 » 123 45x52cm, 08.03.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 4 » 127 123x80cm, 11.03.1974 » 556 80x60cm, 18.01.1985 » 123 45x52cm, 08.03.1974
 


No. 5 » 127 123x80cm, 11.03.1974 » 204 108x78cm, 19.11.1974 » 123 45x52cm, 08.03.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 5 » 127 123x80cm, 11.03.1974 » 204 108x78cm, 19.11.1974 » 123 45x52cm, 08.03.1974
 


No. 6 » 127 123x80cm, 11.03.1974 » 181 99x79cm, 22.08.1974 » 123 45x52cm, 08.03.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 6 » 127 123x80cm, 11.03.1974 » 181 99x79cm, 22.08.1974 » 123 45x52cm, 08.03.1974
 


Ich werde ja immer mutiger! Trotz des relativ bescheidenen Rahmens hält sich 127 ganz gut.

Eine Sache fällt mir jetzt auf:
Die Gute scheint zu schweben - jedenfalls sind die Strukturen unter ihrem Hosenrock deutlich genug und nehmen viel Platz ein. Auch sie sitzt wieder vor einem Fenster und einem Vorhang. Hat das was zu besagen?

Ich weiß nicht, warum ich gerade 204 und 181 ausgesucht habe, aber beide Bilder sind mir lieb und teuer und verweisen jedenfalls vordergründig auf sexuelle Bedürfnisse und Schwierigkeiten in der Partnerschaft. Durch die Gegenüberstellung mit 127 ergibt sich jetzt eine sexuelle Anspielung. Könnte die Frau vielleicht so sehr in Nöten sein, weil sie mit ihrer eigenen Sexualität im Kampf liegt?

Man darf natürlich nicht vergessen, dass ich nicht Bilder über konkrete Frauen male, sondern Bilder meiner Seele. Es ist also eine Frau in mir, die da Probleme hat, mit anderen Worten:
Allenfalls würde es sich um Schwierigkeiten handeln, die ich selbst habe und möglicherweise gar nicht wahrnehme. Mit diesem Interpretationsansatz greife ich natürlich auf die altbekannte » Traumtheorie » Sigmund Freuds und » C.G. Jungs zurück, wonach sich im Traum ungelöste Konflikte des Alltags manifestieren.

Ob das haltbar ist, kann ich nicht sagen. Vermutlich ist es in Bezug auf die Kunst sogar irrelevant, denn das Kunstwerk bietet sich als Projektionsfläche für den Betrachter an, ganz unabhängig von seiner Funktion für den Schöpfer. Insofern könnte man vielleicht sogar den Wert eines Kunstwerks dadurch bestimmen, inwieweit es sich als eine solche Produktionsfläche eignet und für den Betrachter produktiv wird.

Nachdem die Schöpfung abgeschlossen ist, bin ich selbst natürlich ebenfalls Betrachter wie jeder andere auch. Vielleicht ergeben sich meine unterschiedlichen Haltungen zu den verschiedenen Bildern ebenfalls aus ihrer unterschiedlichen Eignung, für mich als Projektionsflächen zu dienen, wobei auch noch berücksichtigt werden muss, dass ich mich ja im Laufe der Jahre durch meine Erfahrungen verändere und die Nützlichkeit sich demgemäß ebenfalls ändern könnte.

*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung
aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007
 
 
Ähnliche Rahmen können bei » Kunstkopie, » artoko und anderswo erworben werden.

 

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