119 Com Werner Stürenburg Original Fine Art Originalkunst, Oeuvre Werkschau joe

180 cm - 71 inch
Werkgröße » 130x122 cm (52x49")
Referenzfigur 180 cm


Werknummer
» 119
Abmessungen
» Kommentar
» 130x122 cm (52x49")
Öl / Hartfaser
05.02.1974
Rückseite von » 116

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Dies ist das erste der Bilder, die ich unvollendet gelassen habe. Vielleicht habe ich vor diesen Gestalten Angst bekommen. Heute scheinen mir die Erfindungen durchaus interessant zu sein; ob das für ein gutes Gemälde reicht, ist eine andere Frage. *

Picasso hätte vielleicht an dieser Stelle mutig weitergemacht, und vielleicht würde ich das heute auch tun, aber damals fühlte ich mich einfach elend. Im Vergleich zum Gefühl bei  Nummer 115 war dies einfach übel. Und warum sollte ich mir das dann antun?

Da muss ich heute wieder zurückfragen:
Warum nicht? Diese Figuren sind doch erst einmal mit enormer Kraft und Ausdrucksfähigkeit auf Anhieb entstanden. Und wenn ich etwas herausbekommen wollte, dürfte ich doch keine Angst haben, oder?

Damals war mir das wahrscheinlich nicht so klar, das ich etwas herausbekommen wollte, dass ich auf diese Art und Weise etwas herausbekommen könnte. Es ist natürlich schwer zu sagen, wie es mir damals ging, da ich kein Tagebuch führe und mein Gedächtnis sehr selektiv arbeitet.

Heute stellt sich mir die Frage, ob dieses Bild auch im unvollendeten Zustand etwas taugt. Immerhin ist es ein direktes Zeugnis meiner Arbeitsweise und als solches zweifellos interessant, aber könnte man es aufhängen? Ein Test wird vermutlich eine Antwort bringen.


No. 1 » 119 130x122cm, 05.02.1974 » 117 52x45cm, 03.03.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 1 » 119 130x122cm, 05.02.1974 » 117 52x45cm, 03.03.1974
 


Ich hätte es kaum geglaubt, aber das könnte man sich wohl für eine Weile gefallen lassen. Vielleicht sollte ich den Partner tauschen oder die Rahmen.


No. 2 » 119 130x122cm, 05.02.1974 » 92 85x65cm, 20.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 2 » 119 130x122cm, 05.02.1974 » 92 85x65cm, 20.01.1974
 


No. 3 » 119 130x122cm, 05.02.1974 » 95 61x51cm, 23.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 3 » 119 130x122cm, 05.02.1974 » 95 61x51cm, 23.01.1974
 


No. 4 » 119 130x122cm, 05.02.1974 » 114 63x49cm, 28.02.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 4 » 119 130x122cm, 05.02.1974 » 114 63x49cm, 28.02.1974
 


No. 5 » 119 130x122cm, 05.02.1974 » 72 37x27cm, 31.12.1973 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 5 » 119 130x122cm, 05.02.1974 » 72 37x27cm, 31.12.1973
 


No. 6 » 119 130x122cm, 05.02.1974 » 71 37x47cm, 30.12.1973 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 6 » 119 130x122cm, 05.02.1974 » 71 37x47cm, 30.12.1973
 


Tja, was soll ich sagen:
Das Bild hält sich erstaunlich gut, in jeder Kombination und mit jedem Rahmen. Wie kommt denn das?

Ich glaube mich jetzt zu erinnern, dass ich nicht Angst hatte, sondern mich durch diese Figuren überfordert fühlte, dass ich nicht glaubte in der Lage zu sein, sie adäquat auszuführen. Ich habe einfach vor den Schwierigkeiten und der Größe des Problems kapituliert. Wenn dem so war, stellt sich natürlich die Frage, warum ich ausgerechnet hier so große Schwierigkeiten gesehen habe, wo ich doch sonst keine Probleme hatte.

Was gibt es denn da so Außerordentliches auf diesem Bild? Im Vordergrund hockt eine unförmige Person mit einem Vogelgesicht - Moment mal - hatten wir nicht gerade im vorigen Bild eine unförmige Person in ähnlicher Position? Diese Figur wirkt weiblich, während die andere männlich wirkte. Von dieser weiblichen Figur sind lediglich die Umrisslinien angelegt und die Andeutung eines bandagenähnlichen Gewandes sowie eines Kopftuchs und vielleicht Umhangs. Außerdem finden sich weiße Flecken im Umkreis der Augen. Die Figur wirkt bekümmert und mütterlich und eher angenehm. Sie ist ganz offensichtlich das Zentrum des Bildes.

In der oberen Hälfte des Bildes finden sich fünf sehr merkwürdige Gestalten, die diese Figur im Vordergrund umringen und sich auf sie beziehen. Ein halbkreisförmiger Raumabschluss deutet einen Innenraum an.

Die erste Figur von links ist pechschwarz und scheint wie aus einem Brett ausgeschnitten zu sein, das ohne erkennbare Fixierung aufrecht steht, und ist ein Mittelding zwischen einem Fisch und einem menschlichen, männlichen Profil. Sobald man bemerkt, dass die Münder der anderen Figuren weiß sind, interpretiert man den weißen Strich als Mund, wodurch die Figur einen verkniffenen Ausdruck bekommt. Alternativ ist die Einkerbung darunter als Mund zu lesen, mit der diese Figur dann spricht. Die Aussparung um das Auge herum lässt den Eindruck einer schwarzen Maske entstehen. In jedem Fall hat diese Figur etwas leicht Bedrohliches an sich.

Die nächste Figur besteht aus zwei Teilen:
Einem gelben Körper und einem weißen Kopf. Der sprechende gelbe Körper ist elegant schlangenförmig gebogen, wirkt ein wenig wie ein Luftballon, sitzt mit einer Verdickung auf dem Boden, und scheint den Kopf durch einen Berührungskontakt zu tragen beziehungsweise zu balancieren. Der Kopf könnte fast auch als Luftballon durchgehen, hätte er nicht diese scharfe Kante, die als Nase gelesen werden muss. Hier handelt es sich ganz eindeutig um einen Kopf, denn die beiden Augen und der Mund sind ganz klar gekennzeichnet. Allerdings sieht es so aus, als ob für Mund und Augen Löcher in den Luftballon geschnitten wären und der eigentliche Kopf sich darin befinden würde, wie in einer Maske. Augen und Mund sind lediglich weiße Flecken, jedoch sehr sprechend. Durch die vor allem im Kopf sichtbare Transparenz und die schlangenförmige Gestalt, die nach unten etwas zerläuft, bekommt diese Figur etwas Schleimiges, Glitschiges. Sie wirkt also auch eher unangenehm. Der Schatten unter dem Fuß erzeugt ein wenig den Eindruck, als würde die Figur schweben.

Die ersten beiden Figuren scheinen über die vordere hinwegzusehen, obwohl sie sich auch auf diese zubewegen könnten. Die nächsten drei machen eher den Eindruck, an ihrer Position zu verharren. Sie beziehen sich ganz eindeutig auf die vordere Person.

Die dritte Figur ist wiederum sehr eigenartig geformt, im Grunde wieder ein Penide oder ein Rundkolben, wie er in der Chemie eingesetzt wird, einheitlich rot gefärbt, mit einem weißen Auge und einem weißen Mund, einem spitzen Schädel und einer spitzen Nase - oder sollte es sich um einen Arm handeln? Dieses außerordentlich merkwürdige Gesicht hat eine starke Wirkung, die natürlich auf die eigenartige wurstförmige Konstruktion des Mundes zurückgeht, aber auch auf die starke Wirkung des Auges, das ja eigentlich nur aus einem weißen Punkt besteht. Diese Figur wirkt giftig und missgünstig.

Der Körper der nächsten Figur besteht aus einem umgedrehten Herzen, an das ein weißliches, fruchtartiges Gebilde angeklebt ist. Dieses muss wohl als Kopf gelesen werden, denn wiederum sind ganz deutlich zwei Augen und ein Mund auszumachen, wobei wie im Fall der zweiten Figur diese wie in einem Ausschnitt erscheinen. Auch hier wieder ein wurstförmiger Mund. Während die rote Figur auf die Zentralfigur zu blicken scheint, blickt diese Figur der Betrachter an. Der Ausdruck ist bedauernd und verwirrt. Das herzförmige Unterteil könnte ebenfalls sexuell interpretiert werden, und zwar als Hodensack. Diese Lesart führt aber wie auch im Fall der roten Figur nicht wirklich weiter.

Den Abschluss der Reihe bildet eine Figur, die ebenfalls nur in Umrissen angelegt ist. Der Körper ist hier weitläufig angelegt, als hätte die Figur ein weites, langes Kleid an, und als einzige Figur besitzt diese die Andeutung eines Armes. Auch der Kopf ist relativ konventionell gestaltet; hier findet sich die einzige Nase des Bildes, die unzweifelhaft als solche gemeint ist. Der Kopf ist ebenfalls relativ konventionell, die Figur blickt irgendwie ins Unbestimmte, hat den Mund zusammengezogen und könnte sich gerade in Bewegung befinden. Innerhalb des Körpers finden sich Zeichenspuren, die nicht weiter interpretiert werden können und möglicherweise einen ersten Ansatz darstellen, der dann überholt wurde. Der Kopf wird durch eine Krone abgeschlossen, neben dem Kopftuch der Zentralfigur die einzige Kopfbedeckung.

Das Bild ist ohne Grundierung auf die rohe Rückseite einer Hartfaserplatte gemalt. Diese saugt Lösungsmittel sofort auf. Entsprechend viel davon werde ich verbraucht haben und die Dämpfe in der Küche werden ziemlich stark gewesen sein. Im Kopf der Zentralfigur sieht man noch den Aufdruck der Produktionsfirma; man muss ihn vermutlich ergänzend zu (MADE) IN SPAIN.

Diesem Bild kann man nun nicht vorwerfen, beliebig zu sein oder absurd, wie etwa  Nummer 118 unten  Nummer 111. Es ist in sich konsistent und lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Rings um eine einsame, sympathische Figur schließt sich ein Ring von fünf üblen Gestalten zusammen, die möglicherweise einfach nur Luftnummern sind, aber jedenfalls so tun, als müsse man sie ernst nehmen.

Einmal in meinem Leben hatte ich auch große Träume, es mag in dieser Zeit gewesen sein (nein, jetzt fällt mir ein:
Die Träume habe ich im Abstand von wenigen Tagen gehabt, und sie standen in Zusammenhang mit einem Bild, das erst im Juni 1976 entstand, also zwei Jahre später). Diese Träume waren so beeindruckend, dass ich sie nicht nur aufgeschrieben habe (diese Unterlagen sind allerdings verschollen), sondern mit ein bisschen Konzentration auch heute noch nacherzählen kann. Sie unterschieden sich von üblichen Träumen in mehrfacher Hinsicht, beispielsweise durch das Bewusstsein, zu träumen. Ich erkannte auch während des Traums den Sinn des Traums. Alle Träume drehten sich um eine Aufgabe, die ich zu bewältigen hatte. Eine dieser Aufgaben bestand darin, ähnlich schreckliche Gestalten zu akzeptieren und liebzugewinnen. Als mir das gelang, verloren sie ihren Schrecken und der Traum löste sich auf.

Das ist natürlich nichts Neues:
Man bewältigt seine Ängste am besten dadurch, dass man ihnen ins Gesicht schaut und sich mit ihnen vertraut macht. Merkwürdig ist nur, dass ich Zeit meines Lebens nicht sonderlich von Ängsten geplagt wurde, schon gar nicht von diffusen Ängsten, auch nicht von Albträumen. Die Beschäftigung mit dem Bild, um das ich stets einen großen Bogen gemacht habe, das ich nicht mochte, für das ich mich ebenfalls schämte, aber aus anderen Gründen, hat mir sehr gut getan. Ich mag das Bild wirklich sehr, auch in diesem Zustand, und kann mir nicht vorstellen, noch einmal Hand anzulegen. So wie es ist, ist es in Ordnung. Man kann es sogar aufhängen.


No. 7 » 119 130x122cm, 05.02.1974 » 66 42x30cm, 23.12.1973 » 1 21x16cm, 01.01.1960  · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 7 » 119 130x122cm, 05.02.1974 » 66 42x30cm, 23.12.1973 » 1 21x16cm, 01.01.1960 sold/verkauft
 


Das hätte ich mir nicht träumen lassen, als ich vor ein paar Monaten mit dieser Serie begann:
Ich beginne, mein Frühwerk zu rehabilitieren, und schaue erstmals genau hin. Vielleicht habe ich mich auch deshalb mit diesen Sachen nicht identifizieren können und mich leicht dafür geschämt, weil ich kein Künstler war und mich nicht als Künstler begriff. Als Künstler hätte ich vermutlich von vornherein für jede meiner Arbeiten Respekt eingefordert, auch bei mir selber.

*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung
aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007
 
 
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