117 Com Werner Stürenburg Original Fine Art Originalkunst, Oeuvre Werkschau joe

180 cm - 71 inch
Werkgröße » 52x45 cm (21x18")
Referenzfigur 180 cm


Werknummer
» 117
Abmessungen
» Kommentar
» 52x45 cm (21x18")
Öl / Hartfaser
03.03.1974
Rückseite von » 123

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Entweder wollte ich die vorhandenen Farben aufbrauchen oder ich war mir noch nicht ganz sicher, ob man dem Lack trauen kann.

Dieses Bild lese ich als eine Art Zauberer; allerdings ist sein Gesicht merkwürdig verzeichnet. Besonders die überlange Nase fällt auf.

Sollte ich das nun schätzen? Konnte das als gute Malerei gelten? Irgendwie scheint der großmächtige Zauberer auch Angst zu haben. *

Im vorhergehenden Bild hatte ich in der männlichen Figur auch eine Art erigierten Penis entdeckt; die nicht zu übersehende Nase in diesem Bild hat viel mehr Ähnlichkeit mit einem schlaffen Penis als mit dem, wofür sie stehen soll. Damals habe ich das zwar auch bemerkt, konnte es aber nicht wahrhaben. Was hätte ich damit anfangen sollen? Also zog ich es vor, dieses Bild, so ich es denn einmal gezeigt habe, mit einem verschämten Kommentar zu versehen und anschließend gleich wieder zu verstecken.

Sexualität ist eine der mächtigsten Kräfte, denen sich der Mensch ausgesetzt sieht, zwar nicht direkt vergleichbar mit dem Zwang zu atmen, zu trinken und zu essen, aber doch nicht von der Hand zu weisen, obwohl es hinsichtlich der Stärke und Dringlichkeit anscheinend große Unterschiede gibt, nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch zwischen einzelnen Individuen. Aber ist das deshalb ein Thema? Malt jemand ein Bild, weil wir atmen müssen?

Die Sexualität ist auch sehr bildsam, angeblich soll man sie mehr oder weniger vollständig sublimieren können, ihre Energien also für etwas anderes verwenden, etwa für die Kunst. Tatsächlich geht ja ein Teil dieser Kraft und Energie auch im Tierreich in teils erstaunliche Tätigkeiten; der Vogelgesang beispielsweise muss als Ausdruck der Sexualität gewertet werden. Auch beim Menschen ist ein Teil der künstlerischen oder ganz allgemein kulturellen Leistung nicht zuletzt sexuellen Impulsen geschuldet.

» John Berger hat in seinem 1963 veröffentlichten Buch The Success and Failure of Picasso (deutsch » Glanz und Elend des Malers Pablo Picasso) die These vertreten, dass einige der beeindruckendsten Kunstwerke Picassos als sexuelle Metaphern gedeutet werden müssen, wobei er diese Leistung als einzigartig in der gesamten Menschheitsgeschichte und höchst beeindruckend bezeichnete.

Das merkwürdige Eigenleben des männlichen Geschlechtsorgans mit seinen verblüffenden Zuständen fasziniert natürlich zusätzlich. Als die Menschheit erkannt hatte, dass es eines Zeugungsaktes bedarf, um das Leben in Gang zu halten, wurden Fruchtbarkeit und Zeugungsfähigkeit Gegenstand religiöser Verehrung. Im indischen Kulturkreis können » Lingam und » Yoni durchaus als stilisierte Darstellungen des erigierten » Penis und der » Vulva gedeutet werden.

Die Abhängigkeit des Mannes von der Eigenwilligkeit seines Zeugungsinstruments ist ein bestimmendes Merkmal seiner Existenz. Erst seit wenigen Jahren kann man die gelegentliche oder permanente Unwilligkeit dieses Körperteils medikamentös beeinflussen. Ich persönlich habe bisher keinerlei diesbezügliche Beschwerden, aber ich kann mir vorstellen, wie quälend und demütigend » Impotenz sein muss. Ein Großteil der Altersproduktion Picassos muss sicher so verstanden werden. Vielleicht erklärt sich so die Assoziation des Penis mit dem Zauberer.

Die Interpretation des Gesäßes als Gesicht ist nicht selten, die Interpretation der männlichen Geschlechtsteile als Gesicht habe ich anderswo aber noch nicht gesehen, obwohl die Assoziation der Nase mit dem Penis sogar sprichwörtlich ist:


An der Nase des Mannes erkennt man seinen Johannes.
Wiktionary:
» Johannes

Der Zauberer schmiegt sich aber auch noch an einen Vorhang und verbirgt sich hinter einem roten Umhang, der anscheinend durch eine Spange mit seinem dunkelgrünen Gewand verbunden ist. Mit » Arno Schmidt müsste man natürlich auch diese Einzelheiten durch sexuelle Assoziationen deuten, wobei sich hierbei natürlich die weiblichen Geschlechtsorgane anbieten.

Und was soll es bedeuten? Hat dieser Typ (also ich) Angst vor seiner Sexualität oder Angst davor, von der weiblichen Sexualität verschlungen zu werden, oder etwa nicht potent zu sein? In allen drei Punkten fühlt es sich für mich überhaupt nicht warm an. Der Psychologe lässt sich dadurch natürlich nicht anfechten, sondern schließt daraus, dass es sich hier eben um unbewusste Ängste handeln muss. Na bitte, so kann man jedes Problem lösen.

Oder ist es gar nicht ein ängstlicher, sondern ein lauernder Blick? Zur Rolle des Zauberers würde das ja durchaus ebenfalls passen und leuchtet vielleicht sogar noch mehr ein. Dann aber bekäme das Bild einen ganz anderen Sinn. Der Zauberer würde zu etwas verlocken, was vielleicht gefährlich oder verboten wäre, und würde aus testen wollen, ob man für ein solches Angebot anfällig ist. Auch dieser Lesart hat durchaus etwas für sich, aber wiederum nichts mit meiner Person zu tun. Ich habe mich nie in Versuchung gefühlt, gefährliche oder verbotene Angebote anzunehmen, habe auch nie welche bekommen. » Der Steppenwolf, die Altersfantasie » Hermann Hesses mit seinem magischen Kabinett, seine Sehnsucht, einmal die Sau rauszulassen und über die Stränge zu schlagen, hat mich nie überzeugt.

Aber hier geht es ja eigentlich um Bilder, um Kunst, und deshalb wird es höchste Zeit, dieses Bild einmal an der Wand zu testen.


No. 1 » 116 130x122cm, 01.03.1974 » 117 52x45cm, 03.03.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 1 » 116 130x122cm, 01.03.1974 » 117 52x45cm, 03.03.1974
 


Das Gemälde hält sich erstaunlich gut. In der Fernwirkung sieht man die Dürftigkeit der malerischen Qualitäten nicht so deutlich. Ich glaube, ich werde meinen » van Gogh nochmal aufhängen; ich hatte das neulich schon mal probiert und war erstaunt, wie wenig es auf die Distanz zu bieten hat.


No. 2 » 116 130x122cm, 01.03.1974 » 117 52x45cm, 03.03.1974 » 2 38x52cm, 01.01.1963  · © Copyright Werner Popken. 
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No. 2 » 116 130x122cm, 01.03.1974 » 117 52x45cm, 03.03.1974 » 2 38x52cm, 01.01.1963 sold/verkauft
 


Nichts geht über Probieren:
Ganz so schlecht, wie ich dachte, macht es sich in diesem Zusammenhang nicht. Meine Bilder können den Vergleich mit van Gogh aber gut aushalten, finde ich.

Es geht natürlich auch anders herum:



No. 3 » 116 130x122cm, 01.03.1974 » 2 38x52cm, 01.01.1963  » 117 52x45cm, 03.03.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 3 » 116 130x122cm, 01.03.1974 » 2 38x52cm, 01.01.1963 sold/verkauft » 117 52x45cm, 03.03.1974
 


So kommt das kleinere Bild mehr raus, aber die Ausgewogenheit der Wand leidet durch das größere Bild unten.

Welche Bilder würde van Gogh heute malen, welche hätte er vor 50 oder 100 Jahren gemalt? Er war ja ein Kind seiner Zeit und die bot ihm eigentlich nichts anderes als Historienmalerei, Landschaftsmalerei, Portraits und Stillleben. In allen Disziplinen hat er sich versucht. Die Entfesselung der individuellen Fantasie kam nach ihm. Ob er damit etwas hätte anfangen können, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Er hatte ja schon Schwierigkeiten, unter den gegebenen Umständen seine Themen zu finden, und sich in seiner Not mehrfach bei anderen Künstlern bedient.

Bezüglich der Themen hatte ich, nachdem ich mich endlich freigeschwommen hatte, keine Schwierigkeiten - der Preis dafür ist natürlich, sich von den eigenen Themen überraschen zu lassen und nicht zu wissen, was das eigentlich bedeuten soll, was man da gemacht hat. Bei der zweiten Malerei stellt sich das Problem natürlich noch in viel schärferen Maße, und Kritiker und Kollegen haben sich darauf hinausgeredet, dass ja die Musik auch nicht verstanden werden will. Der Genuss soll genug sein. Dabei hatte interessanterweise die Musik parallel dazu sich in Richtung Programmmusik entwickelt, das heißt die Musik empfand sich selbst als eben nicht genug, sondern wollte etwas beschreiben, sowie das ja auch heute noch in der Filmmusik üblich ist, wo die Musik das Bild unterstützen und die Botschaft verdeutlichen soll.

Ich weiß nicht, ob irgendjemand anders meine Sichtweise überhaupt oder so scharf gesehen und formuliert hat:
Dass für mich Malerei ein Erkenntnisinstrument ist, dass über die Malerei, durch die Tätigkeit des Malens neue Inhalte zum Vorschein kommen, die dem Bewusstsein vorher nicht bekannt oder zumindest nicht gegenwärtig waren. 10 Jahre später habe ich diesen Anspruch programmatisch im  Manifest formuliert.

*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung
aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007
 
 
Ähnliche Rahmen können bei » Kunstkopie, » artoko und anderswo erworben werden.

 

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