113 Com Werner Stürenburg Original Fine Art Originalkunst, Oeuvre Werkschau joe

180 cm - 71 inch
Werkgröße » 49x60 cm (20x24")
Referenzfigur 180 cm


Werknummer
» 113
Abmessungen
» Kommentar
» 49x60 cm (20x24")
Öl / Hartfaser
27.02.1974
Rückseite von » 124

Auflösung:
   max   800 px   200 px
oder Klick auf Bild (zyklisch)

Blättern:
links / rechts wischen
die Tasten / nutzen
auf Pfeil links / rechts klicken

Kommentar
© Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Bei diesem Bild war ich empört, als es fertig war. Ich wusste gleich, was ich davon zu halten hatte. Ich zeigte es Erika, um zu hören, was sie dazu meinte; sie fand das ganz hübsch.

Das stimmt, die Farben und Formen sind durchaus dekorativ. Ich erklärte ihr, warum dieses Bild für mich unmöglich war.

Beim nächsten » Engelbrecht-Besuch nahm ich das Bild mit und stellte es auf seinen Kamin. Er schaute eine Weile darauf herum und verkündete:
„So sollten Sie weitermachen!“

Ich daraufhin:
„Garantiert nicht! Das sind nämlich Sie!“ Was er sofort einsah. *

Hier haben wir das Problem des modernen Künstlers. Der Künstler muss er selbst sein. Leicht gesagt.

Er kann alles machen, aber er weiß nicht, was er machen soll. Na ja, ganz so schlimm ist es nicht:
Die meisten Künstler studieren ja an der Akademie, und deshalb sind sie zumindest dem Einfluss ihrer Lehrer ausgesetzt. Ich war zwar nicht auf der Akademie, aber auch ich habe nicht nur aus mir selbst geschöpft (ein diesbezüglicher Versuch scheiterte ja), sondern mich ganz bewusst dem Einfluss der Kunstgeschichte und insbesondere Picassos ausgesetzt.

Allgemein gesagt:
Niemand ist eine Insel, wir alle sind aufgewachsen in unserer Kultur und können uns gar nicht außerhalb dieser bewegen - nicht einmal im Gedankenexperiment. Wer irgend etwas machen will, steht immer auf den Schultern von Riesen (eine Bemerkung von » Isaac Newton), von denen, die vor ihm da waren. Man fragt sich bloß, wie urplötzlich vor 30.000 Jahren irgendwelche Vorfahren in irgendwelchen Höhlen ohne irgendwelche Vorübungen fantastische Malereien vollbringen konnten. Vermutlich standen die auch schon auf den Schultern von Riesen, nur wissen wir nichts davon.

Aber trotzdem kann man natürlich fragen, wie ich (oder irgendjemand sonst) in der Lage bin, solche Sachen zu machen. Dass Picasso eine ganz klassische akademische Ausbildung hatte, ist heute allgemein bekannt. Der hat das wirklich gelernt und geübt, was ich von mir nun wirklich nicht sagen kann. Trotzdem sind mir ja immer wieder ausgesprochene Virtuosenstück gelungen, ohne dass ich sagen könnte, wie ich das gemacht habe.

Das ist wahrscheinlich das Geheimnis des Talents. Mit diesem Wort wird ja nichts erklärt, nicht einmal beschrieben, nur etwas bezeichnet. Vom modernen Künstler wird verlangt, dass er sich selbst verwirklicht; er muss nichts können, er braucht kein Handwerk, man kann ihm nichts beibringen und ihm nicht helfen. Trotzdem soll er mit seinem Tun die Gesellschaft bereichern und vor allen Dingen Werke produzieren, für die jemand bereit ist, Geld hinzu legen. Oder auch nicht, dann ist er eben der verkannte Künstler, der Hungerleider. Malerfürst und Bohemien, der eine schwimmt in Geld, der andere läuft in Lumpen herum, dazwischen gibt es nur noch den Kommerz, den Kitsch, die Gebrauchsgrafik.


No. 1 » 112 101x123cm, 20.02.1974 » 113 49x60cm, 27.02.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 1 » 112 101x123cm, 20.02.1974 » 113 49x60cm, 27.02.1974
 


„Gerümpel am Meeresgrund“ wäre mein Titel für dieses Bild, wenn ich denn Titel vergeben würde. Starke Formen und Farben, die keinen Sinn ergeben und allenfalls gefühlsmäßige Verwirrung hervorrufen, wenn überhaupt - nichts für mich. Auf das Traumgeschehen übertragen würde das einem verworrenen Traum entsprechen, an den man sich nicht gern erinnert und den man schnell vergisst.

Freilich könnte man auch mit solchen Sachen eine Existenz verbringen. Vielleicht würde es sogar gelingen, einflussreiche Kunstliebhaber zu überzeugen, dass dies die Zukunft der Kunst ist und solche Malerei das höchste der Gefühle. Aber wenn der Maler selber schon Bauchschmerzen hat?

Zu diesem Zeitpunkt muss ich also schon einige Kontakt mit Engelbrecht gehabt haben, da sein Einfluss in diesem Bild sichtbar wurde. Meine Reaktion zeigt, dass mein Gefühl ganz klar erkannte, dass ich mit seinen Sachen nichts zu tun habe. Trotzdem habe ich noch jahrelang Kontakt mit ihm gepflegt und bin später erneut in Krisen geraten, die wir beide seinen Einfluss zuschrieben. In gewisser Weise muss ich also Engelbrecht als Lehrer anerkennen. Seine Kunst und unserer Gespräche haben mich zweifellos sehr beschäftigt. Ich habe ihm bedingungslos vertraut, genauso wie ich Picasso vertraute. Sein Verdienst ist es unter anderem sicherlich, meine vorbehaltlose Bewunderung für Picasso etwas aufgeweicht zu haben.

Das Bild ist ohne Grundierung auf die raue, gemusterte Rückseite einer handelsüblichen Hartfaserplatte gemalt, wie man deutlich erkennen kann. Die Vorderseite einer solchen Hartfaserplatte ist glatt und war damals geölt, was einigen Bildern später zum Verhängnis werden sollte.

*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung
aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007
 
 
Ähnliche Rahmen können bei » Kunstkopie, » artoko und anderswo erworben werden.

 

Öl    Papier    Skulpturen    Drucke    Alles

Winzig    Klein    Mittel    Groß    Riesig





search Suche nach



server time used 0.0938 s