106 Com Werner Stürenburg Original Fine Art Originalkunst, Oeuvre Werkschau joe

180 cm - 71 inch
Werkgröße » 81x123 cm (32x49")
Referenzfigur 180 cm


Werknummer
» 106
Abmessungen
» Kommentar
» 81x123 cm (32x49")
Öl / Hartfaser
11.02.1974
Rückseite von » 111

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Die erste Katze, und was für eine! Prinzipiell gehört ja eher ein Kater als eine Katze zu einer Wahrsagerin und Kartenlegerin, aber wiederum weiß ich gar nicht genau, wie sich Katze und Karte rein optisch unterscheiden.

Später habe ich eine ganze Reihe von Katzen gehabt und auch Kater, meistens waren die aber wohl kastriert. Es könnte nämlich sein, dass rund um die Geschlechtsteile so viel Haare sind, dass man das Geschlecht auf den ersten Blick nicht erkennen kann.

Bei jungen Katzen ist es jedenfalls sehr schwierig, das weiß ich wohl. Wie auch immer, diese Katze ist weder ganz Katze noch ganz Kater, dafür aber bewegt unternimmt sie sich ganz katzenmäßig. Wieder frage ich mich, wie ich diese typische Haltung habe zaubern können.

Drei Karten liegen auf dem Tisch, aber es sind keine bekannten Spielkarten, er speziell erfundene Wahrsagekarten. Das Bild ist wieder aus einem Guss, bis auf die merkwürdige Schmutzstelle unter dem Auge. Ob ich da wohl korrigiert habe? Sie stört nicht besonders, macht aber auch nicht viel Sinn.

Wäre das Bild langweilig ohne den Fleck? Mit Hilfe der elektronischen Bildbearbeitung lässt sich diese These sehr leicht prüfen. Die Antwort ist nein. Das Bild kann gut ohne den Fleck auskommen.


 Vergleich:<br /> manipuliert (links) und Original (rechts) · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Diese Einzelheit ist deshalb auch besonders erwähnenswert, weil sich an vielen anderen Stellen auch in diesem Bilde belegen lässt, dass der erste Strich sitzt und nicht korrigiert worden ist, ganz im Gegensatz zu der Arbeitsweise vieler bekannter Maler.

Bei » Matisse ist ein Bild bekanntlich eine Summe von Versuchen. Der letzte Zustand sieht zwar vielleicht so aus, als sei er gerade hingeworfen, aber in Wirklichkeit ist es das Ergebnis eines zähen Ringens.

Ähnlich bei Picasso; es gibt viele Bilder, die sind so stark überarbeitet, dass sie völlig tot sind. Dann hat er das Ergebnis frisch auf eine neue Leinwand übertragen, was dann natürlich den Eindruck einer spontanen Erfindung macht. Die Quälerei des vorherigen Bildes ist ja nicht zu sehen. *

War das letzte Bild sehr ernst und vielleicht auch ein wenig traurig, so ist dieses Bild wieder sehr humorvoll und lustig. Ein Wechselbad der Gefühle! Was habe ich mit einer Katze und einer Wahrsagerin zu tun? Können Sie sich vorstellen, wie rätselhaft mir diese ganze Produktion sein musste?

Wir Menschen sind doch stolz darauf, rationale Wesen zu sein und mit Hilfe unseres Verstandes uns die Welt Untertan gemacht zu haben, all die schöne Wissenschaft und Technik entwickelt zu haben und zu wissen, dass dieser Fortschritt kein Ende haben wird, dass wir die materiellen Bedingungen unserer Existenz schon in nächster Zukunft in ungeahnte Höhen getrieben haben werden, wenn auch der absolute Fortschrittsglaube, der in meiner Jugend Mitte des letzten Jahrhunderts die Fantasie beflügelte, inzwischen einige Dämpfer bekommen hat.

Das Internet ist ein wunderbares Beispiel für diese Überraschungen, die man sich hatte nicht ausdenken können. Die Erweiterung der technischen Möglichkeiten hinsichtlich der Bandbreiten oder Speicherkapazitäten ist demgegenüber vergleichsweise berechenbar und auch ein bisschen langweilig. Wenn wir jetzt 32 GB in der Größe einer Briefmarke unterbringen können, dann wird es nicht besonders überraschen, wenn wir in fünf Jahren 10 Terrabyte in einem Bruchteil dieser Größe bekommen würden.

Und dann gibt es dieses Unerklärliche, das sich nicht mit technischen Methoden fassen lässt:
» Computer:
"Da ist niemand zu Hause"
. Dieses Unerklärliche ist es aber, was uns Menschen ausmacht, was Kreativität in jeder Hinsicht bedeutet, ob es sich nun um Poesie oder Wissenschaft handelt. Machen wir da Fortschritte? Nicht das ich wüsste. Wir haben das Phänomen noch nicht einmal ins Auge gefasst. Die allenthalben angepriesenen Kreativitätstrainings

Ich habe immer wieder auf den berühmten Vortrag von » Henri Poincaré Ende des 19. Jahrhunderts vor der neu gegründeten Psychologischen Gesellschaft in Paris hingewiesen, wo der seinerzeit berühmtesten Mathematiker der Welt über die Gehirntätigkeit referieren sollte. Er bestätigte, was man auch von selbst Aussagen anderer Wissenschaftler schon wusste:
Er hatte keine Ahnung, woher seine wesentlichen Einsichten kamen. Diese wiederum unterschied er sehr deutlich von der mehrhandwerklichen Tätigkeit des Beweisens, die lediglich Geduld und Fleiß, Fertigkeiten und Kenntnisse erfordert.

Mit der Malerei war ich nun ganz unmittelbar mit diesem rätselhaften Kreativen konfrontiert, von dem ich bis dahin in meinem Leben und auch im Mathematikstudium nur wenig kennengelernt hatte. Konnte mir das gefallen? Natürlich nicht! Auch wenn mir die Bilder gefielen, die Botschaft blieb mir verschlossen, und sehr häufig auch bis heute.

Dieses Bild gefällt mir schon, aber ist es (große) Malerei, ist es Kunst? Ich weiß es nicht.


No. 2 » 106 81x123cm, 11.02.1974 » 24 67x51cm, 04.10.1973 » 30 40x36cm, 16.10.1973 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 2 » 106 81x123cm, 11.02.1974 » 24 67x51cm, 04.10.1973 » 30 40x36cm, 16.10.1973
 


Gefällt mir gut. 24 sieht ganz prächtig aus, und auch 30 kann sich sehen lassen.

Was will mir 106 sagen? Die Wahrsagerin - anders kann man diese Frau wohl nicht verstehen - sagt die Zukunft voraus. Eine Karte zeigt ein Herz, eine ein Pik, die dritte ist verdeckt. Das Herz wird wohl mit der Liebe in Verbindung stehen, laut Wikipedia ist » Pik ein umgedrehtes Herz mit Stiel, das eine Waffe, die » Pike, symbolisieren soll.

Wie nicht anders zu erwarten, ist die Zukunft ungewiss. Die Kartenlegerin schaut ernst und bedeutungsvoll, ihre Hände berühren sich mit den Fingerspitzen, wirken fast wie Katzenpfoten, deren Form durch das rote Busentuch wiederholt wird, die riesige Katze weiß mehr und freut sich hinterhältig wegen des bunten, wechselvollen, schweren Lebens, das zu erwarten ist - was denn sonst? Die Karten werden es nicht verraten und auch nichts ändern können.

» Le chat à  l
Ich habe zwar die in der Primitivität versteckten Virtuosität erkennen können und mich darüber gefreut, aber schätzen konnte ich dieses Bild eigentlich eher nicht und wunderte mich deshalb, dass eine Mitarbeiterin später ausgerechnet dieses Bild für ein paar Jahre ausgeliehen hat.

Leider kann ich den Konflikt nicht auflösen. Ich finde das Bild faszinierend, aber dann auch wieder unzureichend. Und wenn ich mich frage, was fehlt, finde ich nichts, stattdessen freue ich mich über all die Einzelheiten, die ich entdecke.

Dabei habe ich selbst die Katze in den berühmten Bild aus der Sammlung » Ganz bewundert, deren Rücken in doppelter Form dargestellt ist, einmal durchgebogen und einmal gewölbt, und hielt die für meisterhaft. Dass meine eigene Katze noch viel katzentypischer ist, habe ich gar nicht gesehen. Picassos Katze ist ja eine Projektion und macht aus dem Tier ein Monster.

Merkwürdig. Tolles Bild (wird besser, wenn man näher dran ist)! Und wenn man will, kann man sogar zwischen den beiden Katzen eine gewisse Ähnlichkeit entdecken.

*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung
aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007
 
 
Da das Picasso Project seit spätestens 24.01.2011 gesperrt ist,
führt ein direkter Link nicht mehr zum Ziel; daher bin ich gezwungen, die erwähnten Werke
hier zu reproduzieren und berufe mich dabei auf » Fair Use bzw. das » Zitatrecht.

 

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