103 Com Werner Stürenburg Original Fine Art Originalkunst, Oeuvre Werkschau joe

180 cm - 71 inch
Werkgröße » 72x73 cm (29x29")
Referenzfigur 180 cm


Werknummer
» 103
Abmessungen
» Kommentar
» 72x73 cm (29x29")
Öl / Spanplatte
05.02.1974

Auflösung:
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Kommentar
© Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


» Courbet:<br /> Der Ursprung der Welt
1866, 55x46cm · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Noch ein Werk auf Spanplatte; wieder eine lesende, nackte Frau, diesmal deutlich jünger und in einer etwas ungewöhnlichen Pose.

Wie ist es möglich, so etwas auf Anhieb, das heißt ohne Übung und ohne Modell, auf die Platte zu werfen?

Dies ist ja nicht mein erstes Bild mit ungewöhnlichen Körperhaltungen, die durchaus glaubhaft dargestellt sind. Man beachte zum Beispiel die Verkürzung der Füße!

An der Wand dann noch ein Cowboy, ein Plakat, das mit Heftzwecken befestigt ist. Eigentlich ist das ein unglaubliches Bild. Allein der Gesichtsausdruck und die dafür eingesetzten Mittel verblüffen. *

Das Verblüffendste ist natürlich die Sicht auf den Schambereich. Ich war mir dessen bis vor kurzem gar nicht bewusst, dass es sich hier um ein schwieriges Thema handelt. Am 21.03.2010 war der Artikel » Vulva Artikel des Tages in der deutschen Wikipedia und rief einen Sturm der Entrüstung hervor, wie man vermutlich heute noch auf der Diskussionsseite nachlesen kann. Als Illustration kam dabei natürlich auch das berühmte Gemälde » Der Ursprung der Welt von » Gustave Courbet zum Einsatz. Dieses Bild soll heute noch Skandale hervorrufen können.

Ich habe mir bei meinem Bild nichts gedacht und wäre nie im Leben darauf gekommen, dass man daran hätte Anstoß nehmen können. Angesichts der Freiheiten, die sich Picasso herausgenommen hatte, waren auf diesem Gebiet ja nun wirklich keine Tabus mehr zu verletzen, schien mir.

» Judy Chicago:<br /> The Dinner Party · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA

Aber vielleicht war ich auch einfach nur grenzenlos naiv. Acht Jahre später habe ich mit  Nummer 281 ein Bild gemalt, das man schwerlich anders verstehen kann als eine Frau, die sich selbst befriedigt. Aber auch das habe ich nicht zur Kenntnis genommen; eine Frau, die sich selbst befriedigt, existierte noch nicht einmal in meiner Vorstellung.

Oder vielleicht sollte ich nicht von Naivität sprechen, sondern von Unschuld. Ich war ja Zeitgenosse der feministischen Revolution, der Name » Judy Chicago und ihr Projekt oder Werk The Dinner Party ist mir seit damals ein Begriff. Ich bin nicht auf Provokation aus, ich will die Welt nicht verändern, ich will nicht berühmt werden, ich wundere mich nur. Und ich bin mit Sicherheit nicht pervers, sondern eher prüde, oder besser gesagt:
unschuldig.

Am unteren Rand kann man Beschädigungen erkennen, parallel laufende Kratzer, die bei irgendeiner Transportaktion entstanden sind. Die Farbe haftet auf der Spanplatte natürlich nur oberflächlich. Sie haftet gut genug, um dauerhaft fixiert zu bleiben, davon bin ich inzwischen überzeugt, während einige Gemälde auf Hartfaserplatte inzwischen verloren sind, weil sich die Grundierung durch Veränderungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit im ungeheizten Lager von der geölten glatten Seite gelöst hat.

Nach der alten Dame nun der junge Frau - was spielt sich da eigentlich ab? Nehmen wir an, meine Seele spricht zu mir durch die Bilder:
Was will sie mir jetzt sagen? Keine Ahnung. Vielleicht hänge ich sie erst einmal auf, das hat sich ja bewährt.


No. 3 » 38a 100x80cm, 11.11.1973 » 103 72x73cm, 05.02.1974 » 94 63x45cm, 22.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 3 » 38a 100x80cm, 11.11.1973 » 103 72x73cm, 05.02.1974 » 94 63x45cm, 22.01.1974
 


Auf die Entfernung wirkt dieses Bild nicht so besonders. 94 ist auch nicht gerade der Hit.

Sie liegt da wieder so selbstvergessen, aber diesmal hängt da der Cowboy an der Wand. Doll, wie einfach der dahingezaubert ist mit seinem großen Hut, dem Bart und den langen Haaren. So arg bequem kann die Stellung eigentlich nicht sein, selbst wenn man sich vorstellt, dass sie allerhand Polster im Rücken hat. Normalerweise müsste ihr eigentlich auch bald kalt werden, oder?

Nein, der Rahmen gefällt mir nicht, der ist zu klotzig.


No. 4 » 38a 100x80cm, 11.11.1973 » 103 72x73cm, 05.02.1974 » 94 63x45cm, 22.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 4 » 38a 100x80cm, 11.11.1973 » 103 72x73cm, 05.02.1974 » 94 63x45cm, 22.01.1974
 


Was ist das Skandalöse an Courbets Bild? Warum regen sich die Leute über Picassos derbe Darstellungen von Geschlechtsorganen nicht auf? Und was ist der Unterschied zu meinem Bild?

Courbets Bild ist sehr intim. Es zeigt den Anblick, den ein potentieller Liebhaber haben könnte, wenn er seine Angebetete bittet, ihr Hemd hochzuschieben. Es ist nicht die Ansicht, die ein Arzt haben würde; dazu zeigt die Frau zu viel und sie liegt viel zu entspannt. Es ist eigentlich auch nicht eine Situation, die einem Geschlechtsverkehr vorausgeht, es sei denn, die Frau wolle ihren Liebhaber reizen.

Der Betrachter, männlich oder weiblich, muss auf jeden Fall ein Voyeur sein, jemand, der auf die Distanz über die Augen Genuss und Erregung empfindet. Die äußeren Schamlippen sind wunderschön gestaltet und ein wenig geöffnet, eine innere lugt ein wenig hervor, was über die Augen taktile Empfindungen hervorbringt. Diese Partie ist wie auch die Schenkel von äußerstem Reiz - demgegenüber wirkt die Schambehaarung insgesamt wie billigste Requisite, eine Schande für das ganze Bild.

Oder sollte sein Modell eine Schambehaarung gehabt haben, die wie billige Requisite aussieht? An der Schambehaarung hat sich ja offenbar die gesamte Diskussion entzündet. Den Schambereich ohne Schambehaarung darzustellen war kein Problem. In meinem Fall mit den Scham selbst gar nicht dargestellt, nur die Beharrung und allerdings sehr deutlich der Anus, der bei Courbet aus anatomischen Gründen nicht sichtbar ist.

Ich glaube, das Bild verträgt eine weitere Rückstufung ganz gut:



No. 5 » 38a 100x80cm, 11.11.1973 » 103 72x73cm, 05.02.1974 » 94 63x45cm, 22.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 5 » 38a 100x80cm, 11.11.1973 » 103 72x73cm, 05.02.1974 » 94 63x45cm, 22.01.1974
 


Ja, so kommt die Wildheit dieser Frau wesentlich besser zur Geltung. Die ist nicht zivilisiert. Sollte man die vielleicht ganz ohne Rahmen aufhängen? Das habe ich noch nie gemacht.


No. 6 » 38a 100x80cm, 11.11.1973 » 103 72x73cm, 05.02.1974 » 94 63x45cm, 22.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 6 » 38a 100x80cm, 11.11.1973 » 103 72x73cm, 05.02.1974 » 94 63x45cm, 22.01.1974
 


Gar nicht schlecht. Das muss ich mal eine Weile auf mich wirken lassen.

Zurück zu meiner Diskussion:
Ist dieses Bild so intim wie das von Courbet? Zweifellos nicht. Diese Frau ist beschäftigt, vermutlich liest sie. Vielleicht hat sie ihre Träume, vielleicht hat ihre Lektüre auch damit zu tun, aber mit dem Betrachter hat sie nichts im Sinn. Warum liegt sie dann so provokativ da?


No. 7 » 38a 100x80cm, 11.11.1973 » 103 72x73cm, 05.02.1974 » 94 63x45cm, 22.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 7 » 38a 100x80cm, 11.11.1973 » 103 72x73cm, 05.02.1974 » 94 63x45cm, 22.01.1974
 


Selbst wenn ich 94 mit einem aufwendigen Rahmen herausputzen, hält 103 immer noch gut mit. Das Bild leidet natürlich unter dem sehr engen Farbspektrum und der Kontrastarmut. Bei näherer Betrachtung gewinnt es etwas durch die Pinselführung, die bei größerem Abstand nicht mehr wahrzunehmen ist.

Aber immer noch fällt mir nichts zu den Inhalt des Bildes ein. Was habe ich denn zu  Nummer 38a geschrieben? Tja, auch bei diesem Bild war ich ratlos und irritiert. Vielleicht muss ich es erst einmal dabei bewenden lassen.

Noch eine Frage:
Kannte ich damals das Bild von Courbet? Ich glaube nicht. Ich bin mir sogar ziemlich sicher. War das Bild damals überhaupt schon der Öffentlichkeit bekannt?

Erst mit Lacans Tod 1981 tauchte das Bild wieder auf und gelangte zunächst wieder nach Frankreich. Im Brooklyn Museum in New York City wurde es 1988 dann erstmals öffentlich präsentiert. Seit 1995 wird es im Musée d'Orsay in Paris ausgestellt.
» Der Ursprung der Welt

*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung
aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007
 
 
Ähnliche Rahmen können bei » Kunstkopie, » artoko und anderswo erworben werden.

 

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