102 Com Werner Stürenburg Original Fine Art Originalkunst, Oeuvre Werkschau joe

180 cm - 71 inch
Werkgröße » 84x65 cm (34x26")
Referenzfigur 180 cm


Werknummer
» 102
Abmessungen
» Kommentar
» 84x65 cm (34x26")
Öl / Spanplatte
01.02.1974
Rückseite von » 99

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Die Rückseite von  Nummer 99, ebenfalls weiß beschichtete Spanplatte. Hier nun eine würdige alte Frau mit Blümchenkleid und Spitzenkragen im Sessel, bis unter die Achsel in eine Decke eingehüllt. Sie schaut ein bisschen nach innen. Ich kenne sie nicht. Damals hatte ich gar keinen Umgang mit alten Personen. *

Wieder musste ich mir die Frage stellen:
Warum male ich so etwas? Man muss sich das mal vorstellen:
Ich hatte nun acht Jahre lang Mathematik studiert und begriff mich als aufgeklärten, rationalen modernen Menschen. Niemand in meiner Umgebung machte so etwas, niemand hätte das verstanden.

Was wollte mir diese alte Frau sagen? Ihre Präsenz ist sehr beeindruckend, sie ist authentisch, wie man heute sagt. Diese Frau hat ein erfülltes Leben hinter sich mit allen Schwierigkeiten, die das so mit sich bringt.

Sie ist nicht unglücklich, aber doch ein wenig bekümmert. Das Leben ist nicht einfach und oftmals schwer. Wie komme ich junger Mensch mit knapp 26 Jahren dazu, so eine Person zu charakterisieren?

Freilich beschäftigte mich die Frage, was ich mit meinem Leben anstellen sollte, bereits seit etwa 10 Jahren, wobei ich sie für mich interessanterweise religiös formulierte:
Was hat Gott mit mir vor? Warum bin ich auf dieser Welt? Was ist meine Aufgabe? Was macht mich einzigartig? Was kann ich, was niemand sonst kann?

Diese Fragen betrafen zunächst ganz profan meine Berufswahl. Mir war klar, dass ich aufgrund meiner Intelligenz und allgemeinen Anstelligkeit eine Vielzahl von Tätigkeiten würde ausüben können, und ich wollte sicherlich mein Leben nicht mit etwas verbringen, was ich am Ende bedauern würde, und sei es auch nur, weil es unerheblich und überflüssig gewesen wäre.

Der darin deutlich werdende Anspruch könnte als Überheblichkeit ausgelegt werden. Kurze Zeit später entschloss ich mich, Lehrer zu werden. Was würde es bedeuten, wenn ich am Ende meines Lebens diese Tätigkeit als unerheblich und überflüssig werden würde? Sind Lehrer überflüssig, ist ihre Tätigkeit unerheblich? Natürlich nicht, ganz im Gegenteil.

Lehrer sind unglaublich wichtig und ganz und gar nicht entbehrlich, aber in meiner Tätigkeit als Lehrer musste ich feststellen, dass ich mit dem Herzen nicht dabei war, dass mir die Lehre und Bildung junger Menschen durchaus ein wichtiges Anliegen war, aber nicht wichtig genug, jedenfalls nicht für meine Ansprüche, genauso wie meine Mathematik, die Mathematik, die ich in der Lage war zu machen, meinen Ansprüchen nicht genügte.

Soll ich das Bild in diesem Sinne verstehen? Als Mahnung, mein Leben nicht zu verderben, da ich auf dieses Leben am Ende würde zurückblicken und es werten müssen?

Auch dieses Bild habe ich nie aufgehängt. Es wird Zeit.


No. 1 » 101 41x52cm, 30.01.1974 » 102 84x65cm, 01.02.1974 » 98 41x52cm, 25.01.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 1 » 101 41x52cm, 30.01.1974 » 102 84x65cm, 01.02.1974 » 98 41x52cm, 25.01.1974
 


Es ist erstaunlich unscheinbar, trotz des prächtigen Rahmens. 98 habe ich ebenfalls einen neuen Rahmen spendiert, der mir besser gefällt. Mal sehen, wie sich 102 mit einem richtigen Kracher verträgt:



No. 2 » 100 69x169cm, 29.01.1974 » 102 84x65cm, 01.02.1974 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 2 » 100 69x169cm, 29.01.1974 » 102 84x65cm, 01.02.1974
 


Kein Problem, oder? Naja, 102 hält sich schon, aber die Kombination ist nicht besonders erfreulich. Ich habe es mit einem zusätzlichen, kleineren Bild probiert, aber dann wird es zu viel. Für meinen Test reicht ja auch ein anderes großes, starkfarbiges Bild:



No. 3 » 80 80x100cm, 03.01.1974 » 102 84x65cm, 01.02.1974 » 50 37x29cm, 25.11.1973 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 3 » 80 80x100cm, 03.01.1974 » 102 84x65cm, 01.02.1974 » 50 37x29cm, 25.11.1973
 


Hier habe ich nun gleich zwei genommen, mit 50 ein kleines, das durch einen gewaltigen Rahmen mächtig aufgeplustert wird, und mit 80 ein größeres, starkfarbiges, großflächiges, das vergleichsweise schlicht gerahmt ist. Das ganze Ensemble sieht ziemlich uneinheitlich und unharmonisch aus, aber jedes Bild für sich macht eine gute Figur, auch 102, sogar mit einem zurückhaltenderen Rahmen - und daraufhin wollte ich das Bild ja testen.


No. 4 » 32 62x92cm, 21.10.1973 » 102 84x65cm, 01.02.1974 » 50 37x29cm, 25.11.1973 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 4 » 32 62x92cm, 21.10.1973 » 102 84x65cm, 01.02.1974 » 50 37x29cm, 25.11.1973
 


Noch ein Versuch, und wieder ist die Wand total überladen, aber insgesamt ist es doch ein deutlich harmonischerer Eindruck. 102 wird zwar ziemlich in die Zange genommen, kann sich aber ganz gut behaupten; es macht gar nichts, dass der Rahmen vergleichsweise einfach ist.

Der große Rahmen steht 32 sehr gut. So langsam kriege ich raus, wie man effektvolle Rahmen baut. Der Rahmen für 32 ist sehr wirkungsvoll und gefällt mir ausgezeichnet. Ich hatte ihn zunächst für 80entwickelt und seine Wirkung in diesem Zusammenhang genossen, aber 80 ist damit dann für dieses Ensemble zu groß, so dass 32 zu Ehren kommen konnte.

Ich glaube, ich sollte es noch sagen:
Dieses Bild ist mir sehr lieb, obwohl es so trist und traurig ist und ich es nie aufgehängt hatte - zu dieser alten Dame kann ich doch eine Menge Gefühle entwickeln, wenn ich mich ihr mal widme. Das ist eigenartig, weil das Bild doch mit sehr einfachen Mitteln gearbeitet ist. Wie erklärt man sich das? Warum lassen einen beispielsweise manche Portraits kalt? Im Kommentar zu  Nummer 96 habe ich erwähnt, dass in dem kleinen Zimmer, in dem wir den » Jan Six von » Rembrandt sahen, noch ein weiteres Portrait von ihm zu sehen war, das Portrait der Mutter des Jan Six. Das war so ein kaltes Bild. Der Kontrast zum Portrait des Sohnes war enorm und unübersehbar. Beide Bilder sind vom selben Maler, aber welch ein Unterschied!

Meine ersten Einsichten über die Kunst hatte ich beim Betrachten von Madonnendarstellungen - von fünf thematisch gleichen Abbildungen auf einer Doppelseite, zweifellos alles Meisterwerke, war eine deutlich wesentlich besser, nämlich richtig gut. Auf die Frage, warum das so ist, vielmehr nichts Besseres ein als dass dieses Bild mit mehr als Meisterschaft gemalt wurde, nämlich mit Herzblut, oder man könnte auch sagen mit Leidenschaft, mit Engagement, mit persönlicher Anteilnahme. Warum sich so etwas durch Linien und Farben mitteilen lässt, ist natürlich ein Geheimnis, und wie man es macht, erst recht.

Es gibt natürlich auch kleine Tricks - was man nur in der größeren Ansicht erkennen kann. So habe ich die Streifen im Hintergrund und den Sessel mit dem Pinselstiel aus der Farbschicht wieder herausgekratzt. Picasso hat diesen Trick vermutlich nicht erfunden, aber gern eingesetzt, und ich habe ihn spätestens bei ihm kennengelernt.

*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung
aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007
 
 
Ähnliche Rahmen können bei » Kunstkopie, » artoko und anderswo erworben werden.

 

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