180 cm - 71 inch
Werkgröße 21×16cm
Referenzfigur 180cm
Werkdaten Nr. »1
Öl / Holz
01.01.1960, » 21×16 cm (8×6")
Privatbesitz

» Kommentar

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Kommentar
© Copyright Werner Popken. Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Es ist wohl erklrungsbedrftig, warum das Werkverzeichnis mit diesem ulkigen Bild beginnt, das ich im Alter von etwa 12 Jahren verbrochen habe. Es ist mir selbst ein Rtsel, warum ich ein Knstler bin, und deshalb interessiert mich, wie sich das alles entwickelt hat. Dieses kleine Bild ist ein Zeugnis fr meinen familiren Hintergrund.

Das Bildchen ist mit Buchdruckerfarben auf Holz gemalt. Die Holztafel lag vermutlich irgendwo im Keller des Hauses herum, das meine Eltern 1956 gebaut hatten, die Druckfarben hatte mein Vater von der Arbeit mitgebracht. Er war Buchdrucker und druckte meistens in Schwarz, aber die Geschftsbcher, die sein Arbeitgeber herstellte, benutzten manchmal bunte Farben zur besseren Orientierung, und deshalb fielen beim Linieren bunte Farbreste an - die Linierer bildeten eine eigene Berufsgruppe.

Das war also ein echtes lgemlde! Vermutlich war ich mchtig stolz, obwohl oder vielleicht gerade weil das Malen mit diesen extrem zhen Farben kein besonderes Vergngen ist. An dieser Erinnerung meine ich zu erkennen, dass die Kunst in meiner Familie als etwas Besonders galt, insbesondere die lmalerei.

Natrlich hatte niemand in der Familie eine Ahnung von lmalerei oder Kunst allgemein, aber meine Mutter kaufte eines Tages spontan einem Vertreter an der Tr ein echtes lgemlde ab, eine Fliebandarbeit aus Holland, die modern tat und eine Waldlandschaft darstellte, mit dick und satt aufgetragener lfarbe, wie bei van Gogh, jedoch sptimpressionistisch angehaucht, absolut genialisch hingehauen, was sich vermutlich schon aus der Produktionsweise am Flieband ergeben hat. Dieses Bild wurde dann ber dem Sofa im Wohnzimmer aufgehngt und war ein Zeichen dafr, dass man aus dem Grbsten heraus war und sich Originalkunst leisten konnte. Da war ich hchstens 10 Jahre alt.

Merkwrdigerweise habe ich mich gefragt, warum so etwas gut und bedeutend ist - ich glaube nicht, dass mein Bruder sich solche Fragen stellte. Im Wohnzimmer hingen sonst noch drei Reproduktionen im Stil des Ludwig Thoma, dunkel erinnere ich mich an eine Alpenlandschaft. Demgegenber nahm sich dieses Gemlde reichlich Freiheiten heraus. Ich staunte, wie frei man mit der Farbe umgehen konnte und dennoch realistische Effekte erzielte, die keine Zweifel ber das Gegenstndliche zulieen. Irgendwie dmmerte mir aber trotzdem, dass der Wert eines solchen Bildes sehr gering sein msse. Ich wagte es freilich nicht, mit jemandem darber zu sprechen, sondern behielt meine Gefhle und Gedanken lieber fr mich.

Der zigarrerauchende Bauer verweist einerseits auf meine Kindheit in einem kleinen niederschsischen Dorf und meine Kinderspiele, in denen ich gerne in die Rolle eines Bauern geschlpft bin; andererseits kann ich mich nicht erinnern, jemals einen Schnitter mit Zigarre gesehen zu haben. *

Im Alter von vielleicht fnf Jahren hatte ich allerdings ein traumatisches Erlebnis mit einer Zigarre. Wir Kinder spielten auf der Strae, ein Bauer arbeitete in seinem Gemsegarten und hatte seine Zigarre am Gartenpfosten abgelegt. Die lteren forderten alle heraus, die Zigarre zu stehlen und daran zu ziehen. Ich war noch viel zu jung, um die Tragweite begreifen zu knnen, fhlte aber die Herausforderung und nahm sie an. Mein Vater rauchte Zigarette, auf Lunge natrlich, eine Angewohnheit, die er aus dem Krieg mitgebracht hatte, und so inhalierte ich - vielleicht wurde ich dazu auch angestiftet. Auf jeden Fall bekam ich einen schrecklichen Hustenanfall, der nicht wieder aufhren wollte.

Die anderen bekamen einen Schrecken, da der Bauer htte aufmerksam werden und den Diebstahl entdecken knnen. Erst breitete sich Ratlosigkeit aus, dann schickten sie mich mit dem Rat nach Hause, tchtig viel zu trinken. Ich schlich mich also in die Diele, wo die Schwengelpumpe stand, die das ganze Haus versorgte, und trank solange, bis der Husten aufhrte. Vielleicht musste aus diesem Grund die Zigarre ins Bild.

Es war natrlich nicht das erste Bild, das ich gemalt habe. Ich kann mich noch an das schne Gefhl erinnern, das ich in der Vorschulzeit hatte, wenn ich zeichnete und malte, ohne Aufsicht und ohne Vorgaben, besonders an die vielen Pferde, die ich auerordentlich liebte. hnlich naiv ist dieses Bild entstanden. Die Haltung des rechten Arms ist vllig verunglckt, was entschuldbar scheint, da ich natrlich nicht nach der Natur gemalt habe und auch sonst kein Vorbild hatte, sondern mir die Haltung einfach nur vorstellte. Die Kopfform, besonders das Kinn, der Mund und die Augen sind eigentlich meinem Alter gar nicht mehr angemessen und zeigen, dass ich im Kunstunterricht rein gar nichts gelernt hatte, was freilich nicht mein Fehler war: Im Kunstunterricht konnte man nichts lernen, weil nichts vermittelt wurde.

Dieses Bild habe ich immer noch in meinem Besitz gehabt, als ich den Werkkatalog Anfang der Achtzigerjahre konzipierte. Es muss also wohl eine Bedeutung fr mich gehabt haben. Irgendwann ist einmal etwas Heies auf das Bild geraten, wohl ein Bgeleisen, so dass sich im Himmel rechts die Farbe gelst hat.
*   Der vorstehende Kommentar ist die Anmerkung aus dem Werkkatalog » Stürenburg 2007

 

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