Nr. › 704, 30×24 cm, Blei-, Farbstift, Aquarell, Kreide / Papier, 13.11.1997 · © Copyright Werner Popken. <br><br>Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Nr.  704, 30×24 cm, Blei-, Farbstift, Aquarell, Kreide / Papier, 13.11.1997

Es ist zwar schon wieder entsetzlich spät, aber ich möchte mich doch endlich wieder einmal ein bißchen mit Kunst beschäftigen. Bezüglich  242 muß ich aber mal eine kleine Pause einlegen.

In der letzten Woche bin ich über meine Radierungen, Holzschnitte und einen Stapel Zeichnungen gestolpert und habe dies zum Anlaß genommen, die  Galerie ein wenig aufzufüllen. Ich empfehle einen Besuch!

Nr. 704 fällt ein bißchen aus dem Rahmen, durch den schwarzen Hintergrund vor allem, aber auch durch die merkwürdigen Figuren, die ein bißchen an die beiden Burschen links unten in Nr.  242 erinnern.

Sie wirken ebenfalls ein bißchen karikaturenhaft, könnten auch in einem Cartoon vorkommen, aber ganz trifft es das nicht, denn für eine Karikatur oder einen Cartoon fehlt einerseits der Witz, andererseits sind diese Figuren zu individuell, zu sehr Charaktertypen.

Aber auch das stimmt nicht ganz; Witz haben die Figuren schon - wenn ich mir die Beiden eine Weile anschaue, merke ich, wie sich in meinem Zwerchfell die Spannung ansammelt. Das Problem ist nur, daß man nicht darauf kommt, worauf sich der Witz bezieht - und das muß bei einer Karikatur schon gegeben sein.

Ebenso wie in diesem anderen Fall muß man hier wohl von Kunst sprechen. Kunst, das heißt für mich, daß diese Figuren über sich hinausweisen, eine Bedeutung tragen, mehr sind als das, wofür sie zunächst als Zeichen stehen. Aber was könnte das sein?

Es gehört zu den Stereotypien über Kunst, von einem nicht auflösbaren Rest zu sprechen. Dem stimme ich wohl zu, einfach durch Erfahrung, weil zum Beispiel selbst für mich meine Werke im Laufe der Zeit deutlich an Tiefe zunehmen, je länger ich sie kenne. Andererseits bin ich zu sehr Rationalist, um mich damit einfach so zufriedengeben zu können. Irgendwie ärgert es mich schon, mich mit etwas konfrontiert zu sehen, das mir Rätsel aufgibt.

Es ist natürlich ein Leichtes, Geheimnisse zu produzieren; » Arno Schmidt hat sich einmal darüber lustig gemacht. Verschlüsseln ist immer leicht, Entschlüsseln im allgemeinen ziemlich schwierig. Wenn sich dann das Geheimnis auch noch als banal entpuppt, ist die Peinlichkeit nicht zu überbieten. Aber hier geht es nicht darum, Geheimnisse zu erfinden. Da würde ich mir ja selber in die Tasche lügen - dazu habe ich keine Lust. “Die Malerei” produziert diese Dinge, während ich mich bemühe, so präzise wie möglich zu arbeiten, und dann kommt so etwas heraus!

Auf der anderen Seite kann ich mich der Faszination des Bildes nicht entziehen. Es hat etwas, ganz zweifellos. Aber was ist es?