Ausschnitt aus No. › 242 (Privatbesitz) · © Copyright Werner Popken. <br><br>Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Ausschnitt aus No.  242 (Privatbesitz)

Dieser Kopf aus der Reihe der kleineren Gestalten befindet sich rechts oben hinter dem  Indianer mit dem  Fisch am Kopf. Das Auge des Fisches ist bei diesem Ausschnitt noch sichtbar.

Die potentielle Rückenflosse wirkt durch die scharfe Einkerbung weniger als solche; statt dessen kann man sich besser vorstellen, daß die gelbe Form an dieser Stelle mehr die Bedeutung des Haarschopfes annimmt. Richtig beurteilen kann man das bei diesem Ausschnitt aber nicht.

Diese Figur ist ganz eindeutig blau im Gesicht, noch viel eindeutiger blau wie der  Grüne grün ist. Das Blau scheint im wesentlichen dasselbe Pigment zu sein, mehr oder weniger dick aufgetragen, möglicherweise mehr oder weniger stark mit Weiß aufgehellt - aus der Abbildung kann man das nicht entnehmen, mit einigen kleinen grünen Stellen, wie ich aus dem Originalscan entnehme. Jetzt sehe ich es auch an der Verkleinerung, etwa unterhalb des Auges links.

Auch dieses Gesicht kann als Profil- und Dreiviertelansicht gelesen werden. Die Figur schaut bekümmert und etwas verhärtet, wobei sie ebenfalls wenig an der Umwelt interessiert ist.

Auffällig sind das rot angelaufene Auge und die schwarze Kuhle unter dem anderen. Auch dieser Kopf ist merkwürdig flach, scheint keinen Schädel zu besitzen, was natürlich besonders deutlich wird, wenn man das Profil isoliert.

Möglicherweise ist nicht jeder so geübt darin, diese Isolierung vorzunehmen; deshalb habe ich mir das Vergnügen erlaubt, einmal die Figur selbst und dann das Profil freizustellen. Freigestellt erscheint die Figur noch etwas einsamer und verlorener, in sich zurückgezogener. In der Profilansicht wirkt die Figur etwas mehr nach außen gekehrt.


© Copyright Werner Popken. <br><br>Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


 
     
© Copyright Werner Popken. <br><br>Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


 
Die Kappe oder die Haare greifen gewissermaßen die grün-gelben Töne von der anderen Seite auf, was mir allerdings erst jetzt auffällt. Der Eindruck des Fröstelns wird auch durch den schwarzen Mantel unterstützt, dessen Kragen hochgeschlagen wirkt. Die Gesamtansicht zeichnet sich schon durch das Fehlen des eigentlichen Schädels aus; bei der Profilansicht ist es geradezu verblüffend, daß man den Eindruck eines lebendigen Gesichtes, einer Persönlichkeit hat, obwohl es sich eigentlich höchstens um eine Maske handeln kann.

Eine Maske macht aber üblicherweise einen toten Eindruck, während diese Figur ganz und gar nicht so wirkt. Irgendwie stellt sich bei mir eine Assoziation zur Figur Friedrichs des Großen ein, eine Art Altersportrait. Wird er nicht immer als ein wenig verbittert und resigniert dargestellt, der erste Diener seines Staates?

© Copyright Werner Popken. <br><br>Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA


Auffällig sind die beiden Aufsätze, die Blumen darstellen könnten, aber vielleicht auch eine Art Grubenlampe. Jedenfalls könnte man vier Lichter pro Lampe identifizieren; man könnte aber auch auf die schwarze Kreuze abheben, die aus vier Flügeln mit einer zentralen Welle bestehen könnten, mithin als drehbare Konstruktion. Tatsächlich fällt auf, daß das rechte Kreuz ziemlich an der Senkrechten und Waagerechten ausgerichtet ist, während das linke Kreuz demgegenüber ein bißchen gedreht erscheint.

Ich habe jetzt das Wort “Kreuz” verwendet, deshalb scheint es mir nötig zu betonen, daß damit keinerlei Assoziation zum christlichen Symbol gemeint und auch nicht erkennbar ist. C.G. Jung würde natürlich sofort auf die Zahl vier abheben und diese zusammen mit der Kreisform als Symbol der Vollständigkeit lesen, als konzentrierendes Mandala - die Doppelung dieses Symbols würde er bestimmt auch deuten können. Es ist mir noch lebhaft in Erinnerung, daß Erich Engelbrecht vor 30 Jahren angesichts eines meiner seltenen Stilleben sofort anfing, im Sinne der Jung’schen Zahlensymbolik die Blätter der dargestellten Pflanze und die Staubgefäße zu zählen. Die Souveränität des Älteren hat mich natürlich schwer beeindruckt, aber inzwischen zucke ich angesichts solcher intellektuellen Übungen die Schultern.

Gehören diese Gebilde nun zu der blauen Figur oder erscheinen sie einfach losgelöst davon irgendwo im Hintergrund? Das ist schwer zu entscheiden, ähnlich wie bei der grünen Figur, wo ebenfalls nicht klar ist, ob die Blüte zum Kopfschmuck gehört oder einfach nur hinter der Figur auftaucht. Auf jeden Fall ist der Hintergrund rechts und links hinter dieser Figur rot, oberhalb jedoch schwarz/blau. Die rechte Blüte/Lampe ist durch einen schwarzen “Schein” hinterfangen, der das Schwarz von dem Rot scheidet. Rein gegenständlich betrachtet bleibt die Situation unklar und unverständlich. Die emotionale Wirkung dieser Figur ist jedoch ähnlich intensiv wie die der anderen.

Mag ich diese Figur? Bei den anderen habe ich diese Frage gar nicht gestellt. Hier fiel mir auf, daß mir die Figur anfangs eher unheimlich war, unsympathisch, ein bißchen furchterregend, aber durch diese Betrachtung habe ich sie eher liebgewonnen. So ging es mir allerdings mit den anderen Figuren im Grunde auch. Mehr oder weniger fremd sind sie mir alle.