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 No. 238 · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
Interview Mosaik II
WDR III, 27.1.1983, Friedrich Riehl




Riehl: Das Leopold-Hoesch Museum in Düren, meine Damen und Herren, hat eine bemerkenswerte Entdeckung gemacht. Einen jungen Maler, der in Löhne in der Nähe von Bielefeld lebt, Werner Stürenburg heißt er, und ich gestehe gern, daß seine Gemälde, die seit Sonntag in Düren ausgestellt sind, mich sehr beeindruckt haben. Mit welchen Themen befaßt er sich? Fragen an Werner Stürenburg:

Stürenburg: Zunächst einmal geht es immer um Menschen, ich glaube, daß die Beziehungen zwischen den Menschen das Wesentliche ist, und zwar die Beziehungen eines Menschen zu sich selbst und zu anderen, besonders auch zum anderen Geschlecht. Ich glaube, so könnte ich es am besten beschreiben.

Riehl: Alle Bilder von Ihnen, die ich kenne, enthalten Menschen, erkennbar als Menschen.

Stürenburg: Das ist richtig. Bis auf wenige Ausnahmen in der Frühzeit sind es nur Menschen, Köpfe, Halbfiguren und Ganzfiguren, häufig auch nackt.

Riehl: Was machen Sie mit den Menschen, wie entsteht denn so ein Bild? Wie fangen Sie an beim Bild?

Stürenburg: Zunächst ist da die leere Leinwand und die Leere in meinem Kopf. Ich habe nichts vor, ich tunke den Pinsel ein in Lösungsmittel, ganz wässrig mit ein bißchen Farbe, und fange an zu zeichnen auf der leeren, weißen Leinwand, meistens fange ich mit einer Nase an, dann kommt ein Mund, Augen, der erste Kopf ist da, Körper etc., und so versuche ich in dem ganzen Bild, oder auf der ganzen Leinwand, irgendwie Vorstellungen zu entwickeln, nach der ersten Figur kommt vielleicht eine zweite, dann kommt vielleicht ein Tier irgendwo rein, ein paar Gegenstände, bis ich das Gefühl habe, daß irgendwie die sachlichen Dinge in dem Bild geklärt sind, es sind alle Dinge da, die später auf dem Bild erscheinen werden, oder jedenfalls alle wesentlichen Dinge. Zwischendurch fange ich schon mal an, ein bißchen mit Farbe zu arbeiten, hier mal einen roten, gelben, blauen Klecks hin, und dann wird das Bild also etwas genauer durchgearbeitet, die Linien werden verändert, die Farben werden verändert, das ganze Bild wird von der Fläche her entwickelt, und ich kontrolliere die ganze Zeit die Qualität der Linien, die Qualität der Farben, ich achte nicht auf die Inhalte, es ist mir unwesentlich, ob es ein Mann oder eine Frau ist, jung, alt oder wie auch immer, sondern nur, ob es gut ist, und wenn das Bild in allen Teilen, an jeder Stelle gut ist, mein Auge nirgendwo mehr Anstoß nimmt, sondern mit allem zufrieden ist, eine vollkommene Harmonie und Schönheit herrscht, dann höre ich auf.

Riehl: Es sind sehr große Bilder, nicht?

Stürenburg: Ja, mich interessiert das große Format, ab und zu mal mache ich auch kleinere, ich habe klein angefangen und bin immer größer geworden, die größten Sachen sind etwa 1,60 mal 2 Meter, bisher, so ein mittleres Format wäre ein Meter mal ein Meter dreißig oder so etwas. Ich arbeite überwiegend in Öl auf Leinwand, ich beziehe Pigmente von einer Farbenfirma und ein Bindemittel, Mohnöl, das reibe ich selber an, ich vermische das Ganze, fülle das in kleine Döschen ab, und mit diesen Ölfarben arbeite ich dann direkt auf Leinwand, die ich auf Keilrahmen aufziehe, also eine ganz alte Technik, die von den Venetianern erfunden wurde, um eben größere Formate behandeln zu können, davor hat man ja auf Holzplatten gemalt.

Riehl: Sie sind erst 34 Jahre alt, aber Sie haben schon eine sehr interessante Biographie, eine interessante geistige Biographie, wenn man das so sagen will. Sie haben einen sehr interessanten Schritt getan, einen sehr mutigen Schritt, das sollten Sie bitte mal erklären, denn Sie sind nicht als Maler geboren, Sie haben auch nicht Maler gelernt, Sie haben etwas ganz anderes gemacht.

Stürenburg: Ich bin als Sohn eines Arbeiters geboren und habe Abitur gemacht und dann angefangen zu studieren, um einen ganz bürgerlichen Beruf zu ergreifen, ich habe Mathematik studiert und wollte zunächst einmal herausfinden, ob ich vielleicht als mathematischer Forscher tätig sein kann, also kurz gesagt: Professor an der Hochschule, und dann habe ich irgendwann herausgefunden, daß ich das vielleicht zwar werden könnte, daß mich das aber nicht zufrieden machen würde.

Riehl: Sie haben aber immerhin in Mathematik auch promoviert.

Stürenburg: Ja, das habe ich, das war ein Schritt in diese Richtung, um das herauszufinden, was ich machen sollte. Als ich herausgefunden hatte, daß ich das nicht machen wollte oder sollte, habe ich dann den Lehrerberuf ergriffen, und zu der Zeit ist mir klargeworden, daß ich eigentlich schon weiß, was ich machen sollte, nämlich Bilder malen. Da habe ich allerdings einen großen Schreck bekommen, weil man ja so nicht ganz einfach leben kann, und habe dann erst einmal versucht, auf zwei Füßen zu stehen, einmal Lehrer zu sein, Mathematiklehrer zunächst, später auch Kunstlehrer, und daneben Maler zu sein, dann aber lernen müssen, daß sich das nicht gut verträgt, und aus Not sozusagen, weil ich eben nicht das machen konnte, was ich eigentlich machen müßte, habe ich mich dann schweren Herzens, nachdem ich es Jahre und Jahre vor mir hergeschoben habe, entschlossen, wirklich das zu machen, was ich will, und Maler zu werden, und da stehe ich jetzt.

Riehl: Und wovon leben Sie?

Stürenburg: Nun, ich hoffe, daß ich in Zukunft auch von meiner Malerei leben kann, aber im Moment lebe ich von meiner Frau, das ist das Übliche bei Malern, meine Frau verdient also das laufende Geld, das bedeutet auch, daß ich mich als Hausmann betätigen muß, mich um unser Kind kümmern muß, und dann, wenn meine Frau da ist, dann kann ich in die Werkstatt und kann dort arbeiten.

Riehl: Haben sie heute eigentlich überhaupt keine Mathematik mehr im Kopf? Die Bilder sehen jedenfalls nicht danach aus.

Stürenburg: Nein. Ich misse diese Zeit nicht, und ich glaube, sie hat mich als Mensch sehr geprägt, ich habe sehr viel erfahren durch die Mathematik, aber ich glaube nicht, daß ich ein Mathematiker bin. Ich kann wohl einiges machen, unter anderem auch Mathematik, aber die Mathematik hat mich, glaube ich, nie innerlich berührt, und das ist etwas ganz anderes bei den Bildern,

Riehl: Die Dürener Ausstellung ist ja die erste größere Ausstellung, nicht?

Stürenburg: Es ist die erste Ausstellung überhaupt, und ich bin sehr glücklich darüber, daß ich meine Bilder gleich in einem so großen Rahmen präsentieren kann. Ich zeige eine Übersicht über die Produktion der vergangenen 10 Jahre und glaube, daß in diesem Rahmen sehr gut deutlich wird, worum es mir geht und was ich erreicht habe bisher, wohin ich mich entwickle.

Riehl: Wieviel Bilder sind zu sehen?

Stürenburg: Es sind insgesamt 70, davon etwa 45 großformatige Ölbilder, dazu kommen noch ein paar kleinformatige und dann Zeichnungen und Radierungen.


 
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