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Zu Stürenburgs Malerei
Klaus Flemming, Städt. Museum, Mönchengladbach; Ausstellungsöffnung Hürth am 13.3.1983

Werner Stürenburgs Malerei entsteht zu einer Zeit, die die Malerei wiederentdeckt zu haben scheint. Begriffe wie "Neue Wilde" machen die Runde, und auf den ersten Blick scheint Stürenburg im Trend zu liegen.

Ein kurzer Vergleich mit solchen Bildern, der insbesondere auch hier im Kölner Raum Furore gemacht haben, macht jedoch rasch die Unterschiede deutlich: Stürenburg ist kein wilder, flotter Maler. Alle Arbeiten - auch die frühen - sind komponiert, also nach selbstgewählten Gesetzmäßigkeiten aufgebaut. Der Bildaufbau und die Farbwahl entspringen souveränem Abwägen und zeugen von einem Arbeitsprozeß, der zutiefst ein geistiger ist: von Entscheidungen geprägt, von Reflexionen getragen.

Stürenburgs einziges und reich variiertes Thema ist der Mensch, genauer gesagt Beziehungen von Menschen zueinander. Zumal die früheren Arbeiten in ihrer düsteren, gebrochenen Farbigkeit zeigen Menschen in einer eigentümlichen, schwerfällig anmutenden Verinnerlichung, wie man sie aus anderen Kunstwerken nicht kennt. Ob als Akt oder als Gewandsfigur, die Personen erfüllen als lebensgroße, ja monumentale Figurationen die Bildflächen. Sie sind in der Regel als flächige Entwürfe angelegt und werden von kräftigen Umrißlinien begrenzt.

Vor allem die Gesichter sind es, die im positiven Sinne betroffen machen. Stürenburg faßt sie zumeist als spitze Ovale, die durch wenige Striche zu Physiognomien werden, zu Gesichtern, die uns eigenartig emotionslos gegenüberstehen und auch innerhalb der dargestellten Szene keine Beziehungen erkennen lassen.

Diese Menschen verkörpern archetypische, urmenschliche Haltungen: Mann und Frau stehen sich gegenüber, nicht partnerschaftlich vereint, aber auch nicht im Kampf der Geschlechter. Die Ruhe, die innere Sammlung, die Vergeistigung wird noch betont durch die Stirn, die sich dominierend über die Augenlinie erhebt. Wichtig auch die Augen: Groß und starr und kaum einmal durch ein Lid verdeckt schauen sie den Betrachter an. Sie signalisieren Präsenz und eine gelassene Wachheit, die nachdenklichen Menschen zu eigen ist.

Die Arme und Hände schließlich hängen herab oder sind vor der Brust verschränkt. Keiner bewegte Geste, keine Aktion stört die Atmosphäre konzentrierter Spannung. Der Mensch ist zeitlos, geschichtslos, gleichsam als Prototyp gefaßt.


 
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Werner Stürenburg: Entwicklung seiner Signatur

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