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 David und der Bote · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
 David und Nathan · © Copyright Werner Popken. 
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Davids Lektion
Ursprünglich auf englisch veröffentlicht unter » Joe's Art Journal No. 6, Aug 27, 1998  zurück  weiter

In der letzten Woche haben wir erfahren, daß Bathseba nur eine Nebenrolle in der biblischen Geschichte spielt, die als David und Bathseba bekannt ist, und so wird sie normalerweise auch dargestellt. Rembrandt hingegen verbannt David aus dem Gemälde, wodurch ein offensichtliches Problem gelöst wird: Wie kann David eine so intime Szene vom Dach seines Palastes sehen?

Er hat diesen Teil der Geschichte mit David überhaupt nicht gemalt oder gezeichnet oder radiert, aber andere Szenen daraus, und deshalb muß ich die Geschichte zu Ende erzählen.

Dem Herrn gefiel es nicht, was David getan hatte; daher schickte er Nathan zu David (2. Samuel, 12, 1-24), der diesem eine Geschichte vorträgt, die eines reichen Mannes im Besitz einer Unzahl Schafe und Kühe und eines armen Mannes mit nur einem einzigen Lämmchen, das er zusammen mit seinen Kindern aufgezogen und von seinem Tische ernährt hatte. Da kam ein Besucher zum reichen Mann, welcher sich nicht in der Lage sah, eines seiner Tiere für den Gast zu opfern, und statt dessen dem armen Mann das Lamm wegnahm, um es seinem Besucher vorzusetzen.

David geriet über diese Geschichte in großen Zorn und sprach zu Nathan: So wahr der Herr lebt, dieser Mann hat den Tod verdient. Er muß vierfach für das Lamm bezahlen. Daraufhin sprach Nathan zu David: "Du bist dieser Mann. So spricht der Herr, Gott Israels: Ich habe ..."


.... oh, ich habe gerade eine Idee: Wir bewegen uns im Internet, laßt uns nach den Originalformulierungen suchen. Ich starte WebFerret, hier haben wir es (für die deutsche Übersetzung Luther-Bibel von 1912):

12:7 Da sprach Nathan zu David: Du bist der Mann! So spricht der HERR, der Gott Israels: Ich habe dich zum König gesalbt über Israel und habe dich errettet aus der Hand Sauls,

12:8 und habe dir deines Herrn Haus gegeben, dazu seine Weiber in deinen Schoß, und habe dir das Haus Israel und Juda gegeben; und ist das zu wenig, will ich noch dies und das dazutun.

12:9 Warum hast du denn das Wort des HERRN verachtet, daß du solches Übel vor seinen Augen tatest? Uria, den Hethiter, hast du erschlagen mit dem Schwert; sein Weib hast du dir zum Weib genommen; ihn aber hast du erwürgt mit dem Schwert der Kinder Ammon.

12:10 Nun so soll von deinem Hause das Schwert nicht lassen ewiglich, darum daß du mich verachtet hast und das Weib Urias, des Hethiters, genommen hast, daß sie dein Weib sei.

12:11 So spricht der HERR: Siehe, ich will Unglück über dich erwecken aus deinem eigenen Hause und will deine Weiber nehmen vor deinen Augen und will sie deinem Nächsten geben, daß er bei deinen Weibern schlafen soll an der lichten Sonne.

12:12 Denn du hast es heimlich getan; ich aber will dies tun vor dem ganzen Israel und an der Sonne.

12:13 Da sprach David zu Nathan: Ich habe gesündigt wider den HERRN. Nathan sprach zu David: So hat auch der HERR deine Sünde weggenommen; du wirst nicht sterben.

12:14 Aber weil du die Feinde des HERRN hast durch diese Geschichte lästern gemacht, wird der Sohn, der dir geboren ist, des Todes sterben.

12:15 Und Nathan ging heim. Und der HERR schlug das Kind, das Urias Weib David geboren hatte, daß es todkrank ward.

12:16 Und David suchte Gott um des Knäbleins willen und fastete und ging hinein und lag über Nacht auf der Erde.

12:17 Da standen auf die Ältesten seines Hauses und wollten ihn aufrichten von der Erde; er wollte aber nicht und aß auch nicht mit ihnen.

12:18 Am siebenten Tage aber starb das Kind. Und die Knechte Davids fürchteten sich ihm anzusagen, daß das Kind tot wäre; denn sie gedachten: Siehe, da das Kind noch lebendig war, redeten wir mit ihm, und er gehorchte unsrer Stimme nicht; wie viel mehr wird er sich wehe tun, so wir sagen: Das Kind ist tot.

12:19 Da aber David sah, daß seine Knechte leise redeten, und merkte, daß das Kind tot wäre, sprach er zu seinen Knechten: Ist das Kind tot? Sie sprachen: Ja.

12:20 Da stand David auf von der Erde und wusch sich und salbte sich und tat andere Kleider an und ging in das Haus des HERRN und betete an. Und da er wieder heimkam, hieß er ihm Brot auftragen und aß.

12:21 Da sprachen seine Knechte zu ihm: Was ist das für ein Ding, das du tust? Da das Kind lebte, fastetest du und weintest; aber nun es gestorben ist, stehst du auf und ißt?

12:22 Er sprach: Um das Kind fastete ich und weinte, da es lebte; denn ich gedachte: Wer weiß, ob mir der HERR nicht gnädig wird, daß das Kind lebendig bleibe.

12:23 Nun es aber tot ist, was soll ich fasten? Kann ich es auch wiederum holen? Ich werde wohl zu ihm fahren; es kommt aber nicht zu mir.

12:24 Und da David sein Weib Bath-Seba getröstet hatte, ging er zu ihr hinein und schlief bei ihr. Und sie gebar ihm einen Sohn, den hieß er Salomo. Und der HERR liebte ihn.


Da muß man erst einmal tief Luft holen! Meine Güte, mächtige Worte für mächtige Geschichten! Hunderte von Jahren haben Menschen diese Geschichten studiert, Rembrandt malte seine alte Mutter als Prophetin Hannah beim Bibelstudium und einige Propheten bei der Niederschrift ihres Beitrages (klicken Sie auf die Bilder, um eine größere Fassung zu sehen).

Können Sie jetzt die Verbindungen zwischen Rembrandts Leben und der Geschichte Davids erkennen? Diese Geschichte ist nicht so einfach zu verstehen. David versagt, das ist klar, und er wird bestraft, natürlich, aber anschließend zeugt er mit Bathseba Salomo und der HERR liebt diesen. Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen. Der mächtige, sprichwörtliche Salomo ist nur möglich geworden durch Davids offensichtliche Sünde.

Die Bibel arbeitet das sehr effektvoll heraus, aber ich vermute, daß ein Mann wie David es nicht nötig hat, sich von einen Propheten wie Nathan mittels einer dramatischen Erzählung die Augen öffnen zu lassen. Er wird wie jedermann um ihn herum gewußt haben, daß er Urija hintertückisch hat töten lassen. Die ganze Geschichte kann ebenfalls nur verstanden werden, wenn man David seinerseits als Mittel betrachtet, nämlich als Mittel für die Pläne des HERRN.

Wenn Sie meine anderen Journale lesen, wird Ihnen aufgefallen sein, daß wir hier über ein Thema gestolpert sind, das ich auch anderswo diskutiere. Es gibt hierzu eine interessante Variante im Neuen Testament. Der genaue Wortlaut ist mir nicht geläufig, aber es geht ungefähr so: Das Böse ist notwendig in dieser Welt, sagt Jesus, deshalb handelt derjenige recht, der Böses tut. Aber wehe, er ist verdammt.

Erinnern Sie sich nun an das dunkle Gefühl, das Bathseba im Gemälde von Rembrandt ausdrückt? Verbinden Sie dies mit der biblischen Geschichte. Erkennen Sie nun den langen Weg, den Rembrandt zurückgelegt hat? Könnten Sie glauben, daß irgend jemand so etwas erfinden könnte? Lassen Sie uns diese Betrachtung in der nächsten Woche mit einer modernen Paraphrase des berühmtesten Malers dieses Jahrhunderts abschließen.

Schauen Sie sich bis dahin die Zeichnungen genau an! Rembrandt ist in dieser Disziplin ein sehr großer Meister.




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