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 http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/3/35/Rembrandt_Bathsheba_in_het_bad%2C_1654.jpg · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
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» Details: Rembrandt, Bathseba · © Copyright Werner Popken. 
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Was sagt der Körper?
Ursprünglich auf englisch veröffentlicht unter » Joe's Art Journal No. 4, Aug 13, 1998  zurück  weiter

In der letzten Woche habe ich über die Verzerrungen in diesem Gemälde gesprochen und gezeigt, daß dies kein Fehler ist, sondern ein Mittel, das Maler unbewußt eingesetzt haben, seit es Kunst gibt. Es ist ein Fehler, Kunst als ein Mittel anzusehen, um das zu zeigen, was wir sehen, wie eine Kamera. Abgesehen davon: sehen wir wirklich das, was die Kamera sieht? Sicher nicht.

Sie sehen, was Sie sehen wollen. Wenn Ihr Herz erfüllt ist von Liebe, sehen Sie eine wunderschöne Frau, die andere überhaupt nicht wahrnehmen. Sie können sich sicher an zahlreiche Beispiele dieser Art von Fehlwahrnehmung erinnern. Eine Mutter mit ihrem Kind, ein berühmter Pferdetrainer mit Ihrem Pferd - zum Teufel, sieht er dasselbe Pferd? Oder nehmen Sie den Kunstliebhaber, der einfach nicht erkennen kann, wie schön dieses Gemälde von Rembrandt ist. Das Sehen ist sehr subjektiv, und wenn der Künstler die Kamera nachahmt, erreicht er nicht mehr Objektivität, sondern nur eine andere Art von Wahrnehmung, die niemand direkt erfährt, sondern nur über die Kamera.

Schauen Sie sich den Ausschnitt oben an: Der Kopf ist auf dem Hals angebracht und der Hals ist an den Schultern befestigt ... aber irgendwie paßt das alles nicht zusammen. Konzentrieren Sie sich auf die Stelle unterhalb des Kinns! Sie spüren, daß ihre rechte Schulter irgendwie nach vorne gekippt ist, so daß die Schultern flach wirken und der Blick nach unten auf ihre Brüste gerichtet wird.

Wissenschaftler haben mit Röntgenstrahlen herausgefunden, daß Rembrandt den Kopf später verschoben hat, er war zunächst mehr aufgerichtet. Das ist eine ziemliche Operation! Das Gesicht ist der bedeutendste Teil des gesamten Gemäldes! Man kann das mit Ölfarbe machen, aber man ist sich nicht sicher, daß man denselben Ausdruck erreicht, den man vorher hatte, nicht einmal ein Genie wie Rembrandt kann sich da sicher sein. Indem er aber den Kopf anders positionierte, erreichte er eine Menge. Vielleicht war die Schultern vorher korrekter, wir werden das nie wissen. Aber wichtig ist: Was fühlen wir nun?

Wir schauen vermutlich zuerst auf ihr Gesicht. Die Verzerrung dort leitet über zu ihren Brüsten. Was sieht man dort? Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen zugeht, aber wo ich lebe, sehe ich Hunderte von bloßen Brüsten bei jedem Einkauf. Entblößte Brüste sind Thema Nummer eins in jedem Magazin, in der Werbung und bei redaktionellen Artikeln gleichermaßen, in jeder Größe und jeder Form, man kann ihnen einfach nicht entkommen. Ich frage mich, wie sich Heranwachsende heutzutage fühlen. Natürlich ist so etwas in der Kunst nicht neu, und Bathseba war ein perfektes Thema, um sie zu zeigen.

Rembrandt zeigt die Brüste einer Frau, die sexuell erregt ist. Die Knospen sind ganz deutlich erigiert, eine mehr als die andere, und dies ist eine Art von Einzelheit, die man nicht bewußt sehen muß - Ihre Seele erfaßt das auf jeden Fall. Wahrnehmung ist keine Funktion der linken Gehirnhälfte, sie funktioniert nicht, indem unzählige Einzelheiten nacheinander erfaßt werden, um dann irgendwann synthetisch zu einem Bild zusammengefügt zu werden. Statt dessen wird die rechte Gehirnhälfte aktiviert, die Ihnen sofort das gesamte Bild und die Geschichte liefert, ohne überhaupt die Einzelheiten zu erfassen. Fragen Sie irgendeine Lehrer! In dem Moment, indem er die Klasse betritt, weiß er auf den ersten Blick, daß nicht alle Schüler da sind, ohne nachzählen zu müssen! Er hat ein Gefühl dafür, wie viele fehlen, einer oder mehrere. Erst danach, Sekunden später, wird ihm bewußt, daß Hänschen Müller fehlt.

Gleichermaßen sehen Sie auf einen Blick, daß diese Frau in einen ganz besonderen Zustand ist. Sie nehmen vielleicht an, daß dieser Zustand durch den Brief ausgelöst wurde. Sie lassen Ihre Augen tiefer wandern, und da sehen Sie diesen Bauch, der gemacht ist, um Frucht zu tragen. So einen Bauch sehen Sie heutzutage nicht sehr häufig. Unsere Nackten sind nicht dafür gemacht, Frucht zu tragen, man glaubt, daß sie am besten die Hüften eines jungen Mannes haben sollten und überhaupt keinen Bauch. Vielleicht werden Kinder in nicht allzu ferner Zukunft in einer Fabrik ausgebrütet. Das würde wunderbar ins Bild passen. Aber nicht hier.

Unsere Reise in die Merkwürdigkeiten dieses Körpers begann mit dem Brief und den Beinen, die auf komische Art angeordnet sind. Jetzt spüren wir, daß die Beine dem gleichen Zweck dienen wie die anderen Einzelheiten, auf die wir aufmerksam geworden sind: Sie leiten das Auge auf den Schoß der Frau und damit auf das Ziel der Sexualität. Der Schoß wiederum wird in modernen Darstellungen nicht gezeigt, wenn man von pornografischen Darstellungen absieht, die einem anderen Zweck dienen. Der Schoß erinnert uns an die Fruchtbarkeit, die heute nur eine Behinderung und ein Risiko darstellt.

Der Schoß ist mit einer solchen liebenden Sorgfalt gemalt, daß er fast ein Gesicht ist (der surrealistische Maler René Magritte hat diese Idee mehrfach illustriert, siehe » Die Vergewaltigung - Rembrandt hätte sich so etwas nicht ausgedacht). Der Nabel ist deutlich herausgearbeitet, die Schamhaare sind durch einen Schleier verdeckt. Dieser Schleier betont in Wirklichkeit die Schamregion, er ist zerknüllt und aufgerollt, als wollte er in die tieferen Regionen hinabtauchen.

Das also ist es: Dieser Körper spricht von Sexualität und Fruchtbarkeit, alle Verzerrungen lenken den Blick auf die Schamregion, wo das Leben anfängt. Der Brief ruft sexuelle Gefühle hervor, der Körper öffnet den Bereich der Folgen. Das ist die Tiefe des Lebens: Männer und Frauen sind berufen, sich zu lieben und fortzupflanzen, und diese Kraft ist so überwältigend, daß sich fast niemand entziehen kann. Das ist der Grund, warum wir noch hier sind, warum Sie und ich überhaupt existieren.




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