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No. 93
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No. 91
15.02.2011
Dieses Bild ist auf einen Verpackungskarton gemalt. Daraus kann man schließen, dass mir die Materialkosten so langsam über den Kopf wuchsen. Das Bild
› Nummer 91 ist zum Beispiel auch auf der
» Rückseite bemalt, was die Kosten für den Malträger glatt halbiert.
Außerdem hatte ich mit Interesse zur Kenntnis genommen, dass auch Picasso wertlose Materialien wie Wellpappe als Malgründe benutzt hatte (z.B.
» Buste de matador IV). Wenn der das konnte, sollte das wohl in Ordnung sein.
Die Figur selbst ist ebenfalls ohne das Wissen um die Malwut des greisen Picasso kaum zu verstehen, der zum Schluss gerne Flächen mit kindlichen Kringeln „belebte“, wie es sie in den Haaren zu beobachten ist. Das fühlte sich ebenfalls nicht so gut an.
*
Irgendwie war die ganze Sache schrecklich willkürlich und beliebig; ich hatte das Gefühl, so hätte ich Fließbandarbeit machen können. Und in gewisser Weise hat Picasso ja auch Fließbandarbeit gemacht. Zwar unterscheidet sich jedes Bild von jedem anderen, aber im Grunde sind sie genauso auswechselbar wie identische Produkte vom Fließband, nichtssagend, bedeutend lediglich als von des Meisters eigener Hand gefertigt, Reliquien sozusagen.
» John Berger hatte sich in seinem 1963 veröffentlichten Buch
The Success and Failure of Picasso (deutsch
» Glanz und Elend des Malers Pablo Picasso) noch nicht vorstellen können, wie schlimm es mit ihm noch werden würde; er beklagte ja schon dessen Produktion der Fünfzigerjahre als vollkommen unangemessen.
Damals kannte ich das Buch vermutlich noch nicht und konnte mir sowieso kein Urteil erlauben, wollte das auch nicht; als junger Mensch ging ich naiverweise noch davon aus, dass ein solcher Meister, ein Übermeister sozusagen, ausschließlich Meisterwerke sondergleichen schaffen könne, dass Kritik in jedem Fall auf den Kritiker zurückfallen würde und dass es folglich an mir liege, seine übermenschliche Größe zu begreifen.
Das ist übrigens bis heute die Haltung der maßgeblichen Kunsthistoriker, die uns verkaufen wollen, dass gerade das Spätwerk ein Triumph sondergleichen sei.
 | | No. 2 | | » 39 70x120cm, 17.11.1973 | | » 92 85x65cm, 20.01.1974 | | » 55 50x80cm, 05.12.1973 |  | |
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Ein Versuch: Kann man dieses Bild aufhängen? Man kann wohl, die Frage ist nur, wie lange man es damit aushält. Es ist bunt, es ist plakativ, es ist absurd. Die beiden Bilder zur Rechten und zur Linken bilden einen willkommenen ruhigen Hintergrund, sie geraten nicht ins Hintertreffen, aber sie stehlen dem Hochformat nicht die Show, sondern unterstützen es sogar.
Die mäßigende und stützende Wirkung wird schnell deutlich, wenn man mit der nächsten Hängung vergleicht:
Das ist jetzt ein bisschen viel: Der Picasso bringt auch noch Unruhe ins Spiel, und das Interieur wirkt gar nicht mehr so heimelig, sondern eher aufreizend. Das Stillleben kann dem kaum noch was entgegensetzen. Wenn man die beiden Hochformate vertauscht, wird die Sache auch nicht besser:
Das Interieur kann man aber auch nicht weglassen, dann fehlt da was. Habe ich denn nichts Vernünftiges, was die Situation retten könnte?
Das ist ja interessant! In diesem Zusammenhang bekommt
› Nummer 88 eine ganz neue Wirkung. Hier ist dieses Bild der rettende Anker, das Schwergewicht, wo es doch vorher in anderem Zusammenhang eher blass wirkte.
So, nun hängt er. Er kann sich sehen lassen, und plötzlich sehe ich etwas völlig Neues, was ich vorher noch nicht gesehen hatte: Der Typ hat auch noch zwei Profilgesichter, eins ziemlich offensichtlich, das andere aber auch erkennbar. Ich habe ihn immer nur frontal gesehen und fand das verwirrend genug.
Die gegeneinander verschobenen Lippen sind dabei noch harmlos. Viel störender ist die trichterartige Struktur, die vom rechten Auge herunterhängt. Wenn man die beseitigt und die Lippen zusammenschiebt, sieht er schon ganz manierlich aus, fast vertraut.
Ganz besonders merkwürdig ist der weiße Fleck in der Mitte - und jetzt sehe ich noch ein Profil, aber das ist vielleicht ein bisschen weit hergeholt. Dieser weiße Fleck ist anhand der Reproduktion nicht weiter zu verstehen. Es scheint sich um weiße Farbe zu handeln, dieselbe, mit der auch die Rüschen gemalt sind und der Nasenrücken. Wenn man in der
» Großansicht genau hinschaut, kann man etwas sehr ahnen, das man als geöffneten Mund interpretieren könnte, als Profillinie, die übermalt worden ist - und wenn man das erstmal entdeckt hat, erkennt man es sogar in der Verkleinerung.
Mit diesen vielen Gesichtern rückt dieser Typ jetzt ganz in die Nähe seines Vorgängers. Wo ich sie jetzt entdeckt habe, kann ich sie gar nicht mehr ausblenden.
 | | No. 9 | | » 91 80x61cm, 19.01.1974 | | » 55 50x80cm, 05.12.1973 | | » 90 50x60cm, 19.01.1974 | | » 92 85x65cm, 20.01.1974 |  | |
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Oder lieber so?
 | | No. 10 | | » 92 85x65cm, 20.01.1974 | | » 55 50x80cm, 05.12.1973 | | » 91 80x61cm, 19.01.1974 | | » 90 50x60cm, 19.01.1974 |  | |
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Nein, die vorige Hängung gefällt mir besser.
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Nachtrag Wohnungsszenario, 04.11.2011
» Nachher/vorher: einblenden. Aus der Serie
» Plaid Rooms des
» Architectural Digest, eingerichtet von
» Marjorie Shushan. Ich habe das Bild ausgetauscht; da hängt eigentlich ein Bild, das an einen frühen Picasso erinnert: „Red Blouse“ (1931) von
» Milton Avery. War mir unbekannt - in Amerika ist der wohl berühmt, siehe
» Google. Anhand dieser Beispiele kann ich das nicht nachvollziehen.
» Nachher/vorher: einblenden. Eine andere Ansicht des Wohnzimmers, das von Designer
» Michael S. Smith für einen offensichtlich extrem reichen New Yorker Finanzier einrichten dürfte (siehe auch Küche
› 93, Vorzimmer
› 91, Eingang
› 99); die Bildunterschrift im Artikel des
» Architectural Digest streicht heraus, dass im Vordergrund einer Skulptur von
» Henry Moore zu sehen ist, ferner allerhand teures antikes Mobiliar. Wenn ich mich nicht täusche, kann man auf dem Couchtisch rechts hinten eine Skulptur von
» Henri Matisse erkennen.
Merkwürdigerweise hängt über dem Kamin kein Gemälde, sondern ein Spiegel, in dem der unsägliche
» Severini erscheint, als wäre er ein Bild. Daraus habe ich dann ein Passepartout für mein Gemälde gemacht. Das kommt viel besser.
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No. 91 Nachtrag
Museumsszenario, 01.12.2012  | | No. 17 | | » 558 70x50cm, 17.01.1985 | | » 92 85x65cm, 20.01.1974 | | » 225 78x65cm, 12.05.1976 |  | |
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|  | | No. 18 | | » 92 85x65cm, 20.01.1974 | | » 289 146x130cm, 30.11.1982 |  | |
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|  | | No. 19 | | » 92 85x65cm, 20.01.1974 | | » 282 130x114cm, 15.10.1982  |  | |
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|  | | No. 20 | | » 226 79x159cm, 17.05.1976  | | » 92 85x65cm, 20.01.1974 |  | |
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|  | | No. 21 | | » 92 85x65cm, 20.01.1974 | | » 217 129x103cm, 29.04.1975 |  | |
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|  | | No. 22 | | » 92 85x65cm, 20.01.1974 | | » 214 103x130cm, 14.02.1975 |  | |
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|  | | No. 23 | | » 92 85x65cm, 20.01.1974 | | » 213 103x129cm, 04.02.1975 |  | |
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|  | | No. 24 | | » 201 108x80cm, 31.10.1974 | | » 92 85x65cm, 20.01.1974 | | » 64 130x99cm, 22.12.1973 |  | |
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|  | | No. 25 | | » 91 80x61cm, 19.01.1974 | | » 92 85x65cm, 20.01.1974 | | » 22 70x43cm, 28.09.1973 |  | |
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|  | | No. 26 | | » 80 80x100cm, 03.01.1974 | | » 92 85x65cm, 20.01.1974 | | » 79 79x99cm, 00.01.1974 |  | |
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|  | | No. 27 | | » 38a 100x80cm, 11.11.1973 | | » 92 85x65cm, 20.01.1974 | | » 36 100x79cm, 04.11.1973 |  | |
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|  | | No. 28 | | » 19 80x60cm, 01.08.1973 | | » 92 85x65cm, 20.01.1974 | | » 37 80x60cm, 07.11.1973 |  | |
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|  | | No. 29 | | » 26 92x66cm, 06.10.1973 | | » 92 85x65cm, 20.01.1974 | | » 33 95x81cm, 27.10.1973 |  | |
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|  | | No. 30 | | » 92 85x65cm, 20.01.1974 | | » 20 66x131cm, 20.08.1973 |  | |
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|  | | No. 31 | | » 92 85x65cm, 20.01.1974 | | » 4a 210x130cm, 01.12.1968  |  | |
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