10.02.2011
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Im Prinzip ist die Figur flach, also gar keine richtige Plastik, von der man ja verlangt, dass sie aus jedem Blickwinkel gut aussieht - der Hauptvorwurf gegen die
Außerdem ist unklar, wie sich der zusätzliche zweite Fuß zum sichtbaren Bein verhält. Die Brüste sind sowohl im Profil als auch frontal wiedergegeben, was natürlich sowohl der Schönheit dieser Schöpfung angemessen ist als auch dem Genießerblick entgegenkommt. Völlig eigenartig und unpassend erscheint der Kopf mit den Haaren. Es kommt dadurch eine Art surrealistischer Affront hinein, wobei das Gesicht trotzdem bemerkenswert persönlich und ausdrucksvoll wirkt.
Das Ganze nun im Sonnenschein mitten auf einer riesigen Wiese, die sich bis zum hügeligen Horizont erstreckt. Begleitet wird diese Figur von einem einsamen Baumstumpf, der jedoch nicht tot ist, wie die beiden Äste mit ihren Blättern beweisen. Sowohl die Brauntöne als auch die Fülle an Grüntönen und die furiose Malweise geben den Augen reichlich Futter. Damals war ich durch die
So schrieb ich in den Anmerkungen zum Werkverzeichnis. Aber trotzdem drängt sich die Lesart des Baumes als männlich auf. Der Baum ist ja der Gegenspieler der Figur, und die Figur ist eindeutig und aufreizend weiblich.
Diese Figur ist merkwürdig genug. Sie gibt vor, die Wiedergabe einer realistischen Skulptur zu sein, und wenn dem so wäre, so wäre es eine äußerst prekäre Konstruktion, von der man sich nur mit Mühe vorstellen kann, dass sie funktioniert.
Damals kannte ich » Erich Engelbrecht und seine Stahlskulpturen noch nicht, die er aus
Dieser Teil der Figur ist deutlich als anschwellend gekennzeichnet, wobei das Knie allerdings für Sandstein extrem dünn ausgefallen ist und sowohl bei der Herstellung als auch beim Transport wegen der Bruchgefahr enorme Schwierigkeiten bereitet haben dürfte. Das angewinkelte Bein ist etwas zurückgesetzt, was anatomisch nicht ganz naheliegend, obwohl nicht unmöglich ist, sicherlich der Standfestigkeit der Figur dient, aber auch das Bein aus der Ebene herausnimmt, in der sich die Figur ansonsten entwickelt - ein künstlerischer Widerspruch gewissermaßen. Der einzelne Fuß des anderen Beins scheint als loses Stück dazwischenzuliegen.
Die Konstruktion des Oberteils ist nun geradezu abenteuerlich. Glaubt man dem Unterteil noch einigermaßen eine gewisse Standfestigkeit, so schwebt das Oberteil fast. Der auf die Hüfte aufgestützte Arm trägt trotz des extrem dünnen Ellbogengelenks den Kopf und die schweren Brüste, wobei Unterarm und Hand dagegenhalten. Wieso rutscht der Ellenbogen nicht vom Knie? Diese Stelle ist besonders hervorgehoben, da hier auch die Horizontlinie kreuzt.
Wollte man diese Figur nachbauen, so müsste man vermutlich eine Verbindung durch einen Dübel schaffen, da kaum vorstellbar ist, dass Druck und Reibung allein genug Halt geben. Aber auch die Verbindungen zwischen Hand und Kopf und Hand und Hüfte sind sehr delikat, wenn sie denn allein aufgrund von Reibung funktionieren sollten, wie die Figur zweifellos suggeriert.
Interessant ist die Korrespondenz zwischen der Skulptur und dem Baum. Dieser neigt sich herüber und wedelt gewissermaßen mit den Blättern, die Skulptur jedoch ist dem Betrachter zugewandt und zeigt ihm die kalte Schulter. Dabei fällt der Kontrast zwischen den runden Formen von Unterkörper und Oberkörper und den eckigen des Kopfes und der Haare auf. Was ist das denn für ein Kopf?
Ich habe mir darüber noch nie Gedanken gemacht, aber wo ich die Frage jetzt gestellt habe, muss ich doch erkennen, dass der Kopf am ehesten einen Schoß darstellt, womit auch der merkwürdige Durchbruch, der Augen, Nase und Mund darstellt, einen Sinn bekommt. Oder vielleicht nicht so sehr einen Schoß als vielmehr einen
Außerdem erinnern die Haare an eine berühmte Skulptur Picassos, die als Frau bezeichnet wird:
Irgendwie empfand ich dieses Bild immer als ziemlich grenzwertig; ich wollte mich nicht so gerne damit identifizieren. Etwa 20 Jahre nach der Entstehung habe ich es für eine Weile im Treppenaufgang der Fabrik aufgehängt, die Werkstatt und Büro meines
Dabei hatte ich das Bild aufgehängt, weil ich das Gefühl hatte, es sei vielleicht doch besser, als ich dachte. Die Peinlichkeit kommt durch die Skulptur; der Rest ist interessante und schöne Malerei, insbesondere der Baumstamm. Aber warum sollte die Skulptur peinlicher sein als eine von Henry Moore?
Vielleicht, weil sie in ihrer Abstraktion eben nicht weit genug geht und nur so tut als ob, oder weil verschiedene Ebenen vermischt werden. So ist ja der Kopf ganz anders gestaltet als das Unterteil, die Arme wiederum anders als die Brüste. Und der Baum und die Landschaft sind noch wieder ganz anders. Es kommt dadurch ein leichter Anklang an
Mal sehen, wie sich das in unserem Wohnzimmer macht; der ultimative Louvre-Test * - am besten mit dem
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Man kann wohl doch nicht umhin, das Bild platt zu verstehen: Die Frau zeigt freigiebig alle ihre enormen Reize, aber ihr Schoß bleibt vertrocknet, verrostet und verschlossen - da kann der Baum so lieb wedeln, wie er will, sie nimmt ihn gar nicht zur Kenntnis. Und damit haben wir ein universelles Thema, so platt es auch sein mag. Ein Großteil der Malerei Picassos muss sicherlich in diesem Sinne verstanden werden. Der Baum ist hier ja noch ganz lieb und die Frau liebevoll gestaltet, aber bei Picasso kam in vielen Bildern die ungeheure Wut und Verletztheit des vitalen, virilen Mannes zum Vorschein, den die Frau am ausgestreckten Arm verhungern lässt; die oben gezeigte Skulptur und das Gemälde aus demselben Jahr sind gute Beispiele dafür.
Daraus könnte man nun schließen, dass es mir damals ebenso ging. Das ist aber definitiv falsch. Emotional gab es sicher eine Distanz, körperlich aber eigentlich nicht. Oder doch? Sprach hier aus meiner Seele etwas, das mehr wusste als ich bis heute annehme? Wir Menschen sehnen uns ja nach Verschmelzung, körperlich und seelisch, sage ich mal so, und das ist vermutlich in der Regel nicht so einfach. Wir finden uns ja ins Leben geworfen als Mann oder Frau, als ein Teil einer Dualität in einer Welt voller Dualität, wir sind nicht nur getrennt, wir sind uns auch fremd, und deshalb darf es nicht verwundern, dass diese Sehnsucht nach dem Anderen, nach der Überwindung des Trennenden, nachdem großen Heil, der paradiesischen Erlösung uns alle plagt.
Im
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Der im Kommentar zu
Schön und gut, aber damit lasse ich die erotische und sexuelle Problematik unter den Tisch fallen, die hier ja nun ganz offensichtlich im Vordergrund steht. So leicht ziehe ich mich also nicht aus der Schlinge.
Das Bild gefällt mir übrigens immer noch gut, und ich finde auch, dass beide Bilder sich gut neben dem Picasso halten können. Man merkt zwar, dass sie Werke eines Anfänger sind, aber so groß ist der Abstand zur Routine Picassos nun auch wieder nicht. Aber das ist vielleicht eine Frage der Blickrichtung. Anders gesagt: Manche seiner Bilder sind wirklich ziemlich schlecht.
*Picasso durfte 1944 an einem Tag, der für das Publikum geschlossen war, als Gegenleistung einer Schenkung einige seiner Bilder neben anerkannte Gemälde seiner Wahl im Louvre hängen, um durch diese direkte Gegenüberstellung den Wert und die Stellung seiner Arbeiten überprüfen zu können. Er soll laut
Nachtrag Wohnungsszenario, 04.09.2011
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