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Öl   Groß   Alles        Breite No. 187     » Max     • 800 px     » 500 px      126x153 cm, Lack / Hartfaser


180 cm - 71 inch

50x61"


Nr. 187:  126x153 cm (50x61"), Lack / Hartfaser · 29.08.1974 - 18.09.1974, Rückseite von » 200
     

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An der Wand mit:  
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2014-06-25

Dies ist eines der wenigen Bilder, die ich nachträglich umgearbeitet habe. In zwei Fällen ist es gutgegangen, in einem Fall vollkommen daneben. Nicht, dass es nötig gewesen wäre oder die Bilder besser geworden wären - ich habe mich einfach nur von anderen verunsichern lassen. Der Körper der linken Figur in diesem Bild ist überarbeitet, und vor dem Original kann man es auch erahnen. Leider habe ich in allen drei Fällen den vorherigen Zustand nicht dokumentiert. Bei diesem Bild faszinierte mich besonders die mittlere Figur, die ich als Tod glaubte identifizieren zu müssen. Engelbrecht fiel die merkwürdige Fußbekleidung auf, woraufhin er Oedipus assoziierte. Als ich verständnislos blickte, erläuterte er, daß dieser doch bekanntlich behindert gewesen sei und Oedipus einfach nur 'Schwellfuß' heiße. Das Bild beeindruckte mich sehr, aber wieder konnte ich keinen intellektuellen Zugang finden. Als ich viele Jahre später Bilder im Internet zeigte, schrieb jemand: 'Ich fühle mich wie in einem Film ohne Ton. Es sind schöne Bilder, aber ich verstehe nichts.' So ging es mir auch, und das war mir unangenehm. *

07.11.2012

Dieser Zugang » Engelbrechts zu Bildern kam nicht von ungefähr - er war durch die » Archetypen-Theorie bedingt. Engelbrecht hatte die Bekanntschaft eines Mediziners gemacht, der sich am » C.G. Jung-Institut hatte ausbilden lassen, und auch eine kurze Therapie bei ihm genossen. Daraufhin hatte er die Schriften Jungs sehr intensiv studiert und sie mir eindringlich ans Herz gelegt.

Aber ich konnte mich dafür nicht wirklich erwärmen. Selbst neulich, als ich die ehrfürchtige Schilderung eines gestandenen Mathematikers las, die die Beziehung zwischen Jung und » Pauli zum Thema hatte, konnte ich nicht folgen. Aber vermutlich liegt das nur an mir. Angeblich sollen die beiden Phänomenen auf der Spur gewesen sein, die die Wissenschaft vielleicht erst in 50 Jahren angemessen würdigen wird (» Günter Ewald: » Synchronizität – Zur Deutung des Pauli-Jung-Dialogs, Ev. Akademie Bad Godesberg 2010).

Die Fußbekleidung ist ja nun leider geopfert worden. Stattdessen hat diese Figur nun etwas Plastisches angenommen, das sie außerhalb des Bildes stellt - was nicht unbedingt schlecht ist, da sie ja tatsächlich außerhalb steht. Immerhin hat der Tod ja ebenfalls sehr eigenartige Füße, die durch Lappen verhüllt sind.

Ob die linke Figur anfangs ebenfalls nackt war, weiß ich auch nicht mehr, aber jetzt scheint sie außer der merkwürdigen Kopfbedeckung, die ja durchaus etwas helmmäßiges und daher einen kriegerischen Anklang hat, nichts anzuhaben.

Heute finde ich in der Wikipedia unter der Überschrift „Schon gewusst?“ einen Hinweis auf die Erzählung » Caliban über Setebos von » Arno Schmidt. Anfang der Siebzigerjahre hatte ich mich mit Schmidt beschäftigt, diese Erzählung kannte ich aber nicht. Mittlerweile ist mir Schmidt sehr unsympathisch, aber damals fand ich ihn fortschrittlich und schick.

Wenn man so belesen ist wie Schmidt, kann man leicht Spuren legen, und wie Schmidt selber an irgendeiner Stelle sagt, ist verschlüsseln sehr leicht, entschlüsseln hingegen manchmal sehr schwierig. Der Wikipedia-Artikel zeigt, wie Schmidt und » Joyce gearbeitet haben. Ich finde das mittlerweile sehr langweilig und Schmidt einfach nur verschroben und mächtig eingebildet.

Der Hinweis auf den mir unbekannten Begriff » Thyrsos in diesem Artikel weckte aber meine Aufmerksamkeit, insbesondere die Beschreibung:

Ebenso ist der Schaft in den Darstellungen manchmal eindeutig als Fenchelstängel zu identifizieren, manchmal offenbar ein Holzstab, manchmal ein roher Stecken, ein andermal ein sorgfältig geglätteter, mit Bändern umwundener Stab.

» Thyrsos

Leider zeigte keine der Abbildungen in der Wikipedia einen solchen rohen Stecken, wie ihn ja die linke Figur überdeutlich präsentiert. Was hat es damit auf sich?


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No. 1 » 187 126x153cm, 29.08.1974  Ein Klick auf das Bild zeigt die Originalaufnahme. · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
No. 1 » 187 126x153cm, 29.08.1974
 
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» Nachher/vorher: einblenden. Das Bild ist vielleicht etwas groß für diesen Raum. Erst beim dritten Hinschauen fällt mir auf, dass die Figur in der eingebauten Vitrine ebenfalls einen Stecken trägt. Es könnte sich vielleicht um eine mittelamerikanische Figur handeln.

  Sammlung Petrucci-van der Heydt · © Copyright Werner Popken. 
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 Zapotekische Figur · © Copyright Werner Popken. 
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 Göttin des Lebens · © Copyright Werner Popken. 
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Ich besitze selber eine kleine Sammlung dieser Figuren, die mehr oder weniger Typen entsprechen und deshalb auch als mehrere wenige große Abwandlung bekannt sind, aber diesen Typ habe ich noch nirgendwo gesehen.

Überraschenderweise finde ich im Internet nur eine einzige unbefriedigende Abbildung mit vielen Fragezeichen aus einer Privatsammlung in Amsterdam: » Zwei kleine Götterfiguren (?) * Mittelamerika? * Terrakotta?. Wie ist das nur möglich? Das Internet weiß doch sonst alles! Vermutlich sind meine Suchbegriffe nicht gut genug (Mittelamerika Terrakottafigur -china).

Stimmt nicht ganz - noch eine Abbildung; laut Google soll der Text „Zapotekische Figur eines sitzenden Mannes mit langer Nase (Terrakotta mit polychromen Farbresten“ in der Seite » Die Zapoteken, eine Hochkultur vorkommen, aber das stimmt nicht - immerhin ist das Bild dazu vorhanden. „Zapotekische Figur“ als Suchbegriff ist schon besser. » ars mundi bietet drei Figuren an; » Göttin des Lebens kommt den von mir gesammelten am nächsten. Ich weiß aber gar nicht, ob meine Figuren ihre Vorbilder bei den Zapoteken haben.

Nun habe ich stundenlang gesucht und bin am ehesten mit der Suche » maya jaina figure -star -wars fündig geworden - aber nicht eine einzige Figur kommt denjenigen aus meiner Sammlung auch nur nahe. Dabei hatte ich gedacht, dass es sich dabei eher um Folklore handelte und erwartete deshalb, mit solchen Figuren geradezu überschüttet zu werden. Wenn es sich ergibt, muss ich die alle einmal aufnehmen und veröffentlichen. Ich wusste ja gar nicht, um welche seltenen Objekte es sich dabei handelt. Keine der vielen Figuren glich auch dieser Figur aus dem Wohnzimmer. Woher die wohl stammen mag? Das könnte man ja rausfinden.

Die Abbildung ist einem russischen Architektur-Blog entnommen: » Haus am See in Deutschland. Architektur à la Schuhkarton, die aktuelle Mode, auf Long Island wie am Bodensee, eins schrecklicher als das andere: » einfamilienhäuser. Aber selbstverständlich übermäßig prämiert und ausgezeichnet. Das Beste vom Besten, was unsere Zeit zu bieten hat. Das, was unsere ästhetische Elite genießt und fördert.

Haus Lindau wurde von Design-Studio entwickelt » K_m architektur. Einstöckige Residenz befindet sich in der Stadt Lindau in Deutschland, und umfasst eine Fläche von 190 qm Die Villa besteht aus Zedernholz auf einem leicht abfallenden Grundstück am Ufer des malerischen Sees gebaut. Es fügt sich perfekt mit den Farben der Natur und nicht verderben die Landschaft.

Übersetzung: Google. » Haus am See in Deutschland



No. 7 » 187 126x153cm, 29.08.1974  Ein Klick auf das Bild zeigt die Originalaufnahme. · © Copyright Werner Popken. 
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No. 7 » 187 126x153cm, 29.08.1974
 
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» Nachher/vorher: einblenden. Möchte man so wohnen?


No. 10 » 187 126x153cm, 29.08.1974 » 186 99x79cm, 26.08.1974  Ein Klick auf das Bild zeigt die Originalaufnahme. · © Copyright Werner Popken. 
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» Nachher/vorher: einblenden. Aus » Fluffy Upholstered Collection.


No. 13 » 187 126x153cm, 29.08.1974  Ein Klick auf das Bild zeigt die Originalaufnahme. · © Copyright Werner Popken. 
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No. 13 » 187 126x153cm, 29.08.1974
 
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» Nachher/vorher: einblenden. Eine sehr gewagte Farbkombination, mit der ich vermutlich nicht gut leben könnte. Vielleicht sind die Farben auch einfach nur zu stark gesättigt, aber ein entsprechender Test war auch nicht sehr befriedigend. Das alte Haus in Texas hat vier Schlafzimmer und fünfeinhalb Badezimmer. Die Eigentümer sind definitiv nicht arm, das ist klar.

Just seven short months ago, Pete and » Bailey McCarthy moved into this home in Austin, Texas. Bailey is a professional interior designer (and » blogger), and she spent five months renovating the home while the couple moved from Chicago back to their native Texas. [...]

Most of this furniture was bought for and used in our previous home in Chicago, and I love seeing how it has transitioned to a totally different feel based only on wall color and accessories. The walls here are Colonial Rose by Fine Paints of Europe. The painting is another Donald Roller Wilson and it is on long-term loan from from godfather as a wedding present. My mother got the trunk as part of a lot at an estate sale, but she actually knew the family whose name was painted on the trunk and was afraid that they would come over and see it and think she was a creep, so it stayed in our attic forever until I came and snatched it up.

» SNEAK PEEK: PETE & BAILEY MCCARTHY by Amy Azzarito


Das ist alles schön und gut, aber jetzt möchte ich dieses Bild doch gerne in einem Museumsambiente sehen.


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  Museumsszenario   No. 188   Top   No. 186 Nachtrag Museumsszenario, 11.11.2012


No. 16 » 187 126x153cm, 29.08.1974 » Schiele: Die Familie 150x160cm. 1918 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 16 » 187 126x153cm, 29.08.1974 » Schiele: Die Familie 150x160cm. 1918
 


No. 17 » Rembrandt: Jakobssegen 211x178cm. 1656 » 187 126x153cm, 29.08.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 17 » Rembrandt: Jakobssegen 211x178cm. 1656 » 187 126x153cm, 29.08.1974
 


No. 18 » Monet: Le dejeuner sur l
No. 19 » Manet: Le Déjeuner sur l
No. 19 » Manet: Le Déjeuner sur l'herbe. 208x264cm. 1883 » 187 126x153cm, 29.08.1974
 


No. 20 » Holbein d.J.: Die Gesandten 206x209cm. 1533 » 187 126x153cm, 29.08.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 20 » Holbein d.J.: Die Gesandten 206x209cm. 1533 » 187 126x153cm, 29.08.1974
 


No. 21 » 186 99x79cm, 26.08.1974 » 187 126x153cm, 29.08.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 21 » 186 99x79cm, 26.08.1974 » 187 126x153cm, 29.08.1974
 


No. 22 » 176 150x160cm, 14.08.1974  » 187 126x153cm, 29.08.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 22 » 176 150x160cm, 14.08.1974 sold/verkauft » 187 126x153cm, 29.08.1974
 


No. 23 » 172 150x160cm, 06.08.1974  » 187 126x153cm, 29.08.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 23 » 172 150x160cm, 06.08.1974 sold/verkauft » 187 126x153cm, 29.08.1974
 


No. 24 » 169 148x160cm, 03.08.1974 » 187 126x153cm, 29.08.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 24 » 169 148x160cm, 03.08.1974 » 187 126x153cm, 29.08.1974
 


No. 25 » 144 124x90cm, 01.01.1974  » 187 126x153cm, 29.08.1974 » Monet: Terrasse à Sainte-Adresse 98x130cm. 1866/67 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 25 » 144 124x90cm, 01.01.1974 sold/verkauft » 187 126x153cm, 29.08.1974 » Monet: Terrasse à Sainte-Adresse 98x130cm. 1866/67
 


No. 26 » 140 123x150cm, 18.04.1974 » 187 126x153cm, 29.08.1974 · © Copyright Werner Popken. 
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No. 26 » 140 123x150cm, 18.04.1974 » 187 126x153cm, 29.08.1974
 


Ich bin zufrieden.

Nachtrag, 01.01.2013

Mit dieser Idee, mein Bild in einem Museumsambiente zu zeigen, habe ich eine neue Leidenschaft entfesselt. Von hier aus bin ich rückwärts bis zur ersten Nummer gewandert und habe alle bisher vorgestellten Werke diesem Test unterzogen. Sie haben alle gut bestanden; lediglich ein paar Zeichnungen mit Kugelschreiber habe ich ausgelassen, da diese auf die gewählte Entfernung hin ohnehin nicht recht wahrnehmbar gewesen wären.

Anschließend habe ich mich bis zur  Nr. 200 vorgearbeitet, da ich die Texte bis zu dieser Nummer Anfang Oktober in einem Rutsch übernommen hatte, statt wie bisher  das dicke Buch für jedes einzelne Bild einzeln in die Hand zu nehmen. Dabei habe ich mich zunächst weiterer Kommentare enthalten und will dies jetzt nachholen.

 Ausschnitt · © Copyright Werner Popken. 
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Nun nehme ich also den Faden wieder auf und stelle fest, dass ich bei diesem Bild eine wesentliche Einzelheit noch nicht gewürdigt habe: die mittlere Figur nämlich. Das ist für mich ganz eindeutig der Tod, der mit einer merkwürdigen Fußbekleidung aus dem Dunkel des Hintergrundes hervorgewackelt kommt und seine dürre Hand ganz vertraut auf den Oberarm des oder der Dicken im Klappstuhl legt.

Vor einigen Monaten habe ich zufällig in der Wikipedia den Begriff » Fußlappen nachgeschlagen. Der Ausdruck war mir zwar geläufig, aber ich wusste nicht, was ich mir darunter hätte vorstellen sollen. Vielleicht sind dies hier Fußlappen und nicht breite Bänder, Verbandsmaterial etwa, wie ich ursprünglich annahm. Das wäre ja auch vermutlich eher weiß. Es würde zwar an den Füßen nicht weiß bleiben, sich jedenfalls an den Sohlen verfärben, aber zumindest um die Knöchel würde man noch die ursprüngliche Farbe erkennen können. Hier aber ist der Stoff, und ich glaube davon kann man wohl mit Fug und Recht reden, eindeutig dunkelbraun. Lederschuhe sind das jedenfalls nicht.

Die rechte Figur hat zwar eine Glatze, die normalerweise nur Männer ziert (das scheint sich allmählich zu wandeln, ich sehe zuweilen ältere Frauen mit zumindest sehr wenig Haaren), aber insgesamt wirkt die Figur auf mich doch eher weiblich, obwohl ausgesprochen weibliche Attribute fehlen. Sie scheint ebenfalls nackt zu sein, hat aber zumindest Pantoffeln an, vielleicht auch einen Umhang oder einen Schal. Der Tod hat zweifellos einen Umhang umgeschlagen, wobei allerdings offen bleibt, ob sich in diesem Umhang überhaupt etwas befindet.

Der Umhang hat eine Außenseite und eine Innenseite, und möglicherweise hält der Tod innerhalb seines Mantels auch noch etwas versteckt, einen Dolch vielleicht, der seinen Umhang aufsperrt. Dabei sieht er gar nicht so aus, als bräuchte er ein Utensil, um seinen Ansprechpartner mitnehmen zu können. Beim Tod reichen ja bekanntlich zwei Worte: „Komm mit!“ Und wie sich das gehört, bemerkt derjenige, der damit angesprochen wird, die Gegenwart des Todes überhaupt nicht. Er ist höchst lebendig und wird somit mitten aus dem Leben gerissen. Den jungen Mann beachtet der Tod gar nicht, von dem will er nichts. Er stürmt geradezu auf den Betrachter zu, als wäre dieser sein nächstes Ziel.

Wie schon bei vielen anderen Bildern zuvor, sind die Augen einfache schwarze Scheiben, aber dennoch äußerst sprechend. Ein beliebter Trick bei Malern ist es, in die Pupille die Reflexion einer Lichtquelle zu setzen, wodurch der Blick sehr lebendig wird. Bei meinen realistischen Arbeiten habe ich diesen Trick natürlich ebenfalls angewandt. Hier aber wäre das ein Stilbruch, und es ist auch gar nicht nötig.

Die Augen des Todes werden ja normalerweise als leere Höhlen dargestellt, da diese als Weichmaterial sofort vergehen und nur die Augenhöhlen als riesige Vertiefungen im Schädel übrigbleiben. Hier habe ich um diese Höhlen herum Strahlen getupft - das ist in der Tat ein kleiner Stilbruch, aber ein höchst wirksamer. Der Tod blickt etwas irre, sein schiefes Grinsen und seine unaufhaltsame Bewegung erzeugen Unbehagen, so als wollte er weiter auf den Betrachter zustürmen, den Dicken dabei beiseitedrängen, um den Betrachter mitzunehmen.

Der Ausdruck Totenschädel ist passend, obwohl wesentliche Merkmale eines solchen fehlen. Warum nur wirkt dieser Kopf wie ein Totenschädel? Und welcher Art ist seine Kopfbedeckung? Diese ist ja ebenfalls sehr charakteristisch, es könnte sich um züngelnde Flammen handeln, oder um die Parodie eines Lorbeerkranzes.

Dieser Tage ist mir übrigens ein neuer Titel für diese Seite eingefallen, und zwar auf Englisch: „The average Joe on his long way to God“, auf deutsch vielleicht „Der gewöhnliche Hansel auf seinem langen Weg zu Gott.“ Ein solcher Titel bedarf sicher der Begründung, aber meine Bilder und die Entwicklung dieser Bilder sollten Begründung genug sein. Dadurch wird eine Dimension angesprochen, die bei allen diesen Werken ausgesprochen prominent ist, aber bisher auch von mir nur wenig gewürdigt wurde, obwohl ich mich immer wieder darum bemüht habe. Moderne Kunst ist ja im Regelfall ironisch, distanziert, abgehoben, keinesfalls bierernst. Das ist kein Wunder, denn die moderne Kunst nimmt sich selbst ja nicht mehr ernst, sondern reflektiert ihre Bedingungen, sie glaubt eigentlich gar nicht mehr an sich selbst, sondern macht lediglich ihre Späße und amüsiert sich köstlich über ihre intellektuellen Luftsprünge, auch wenn sie noch so dürftig sind.

Bei meinen Werken hingegen spürt man, und zwar auch dort, wo sie sich über die moderne Kunst lustig machen, die existenzielle Betroffenheit. In diesen Persiflagen werfe ich der Kunst vor, dass sie nicht mehr das leistet, was sie leisten sollte, beispielsweise in  Nr. 5. Diese Werke sind daher eigentlich eher verzweifelt und in dieser Hinsicht unmodern, und auch die Suche nach dem Bild, nach dem Werk, nach dem, was Bestand hat, was wirklich ist und wert, getan worden zu sein, hatte etwas Verzweifeltes an sich, bis allmählich Zuversicht entstand, dass zum Vorschein kommen würde, was Bild werden wollte.

Und damit entstand natürlich die Frage: „Wer malt?“ In meinem Blog habe ich mich anlässlich  Nr. 227 dazu geäußert:

Ich habe in dieses Bild keine Bedeutung gelegt. Im Gegensatz zu den Malern des 19. Jahrhunderts habe ich keine Vorstellung davon, wie ein Bild aussehen und was es ausdrücken soll. Als junger Mann habe ich es natürlich so versucht, aber es war furchtbar. So ging es auf gar keinen Fall. Nun habe ich das Bild gemalt, und auch wieder nicht, denn wenn ich sagen würde: “Ich habe es gemalt”, dann würde man ja unterstellen, daß ich eine Vorstellung gehabt hätte, die ich dann realisiert habe. So war es definitiv nicht. Ich könnte so ein Bild gar nicht malen. Deshalb sage ich lieber: “Das Bild hat sich selbst gemalt”, was aber auch nicht ganz richtig ist, denn ohne mich wäre es ja nicht gegangen. Wenn ich es nicht war und das Bild sich selbst auch nicht malen konnte - wer hat das dann gemalt?

» Wer malt?

Die nächste Frage muss folgerichtig lauten: „Für wen?“ Auch auf diese Frage hatte ich keine wirklich befriedigende Antwort. Ich könnte mir nur vorstellen, dass Mitmenschen Adressaten sein könnten, und habe dementsprechend auf eine der ersten Fragen » Erich Engelbrechts: „Wie kommen Sie darauf, dass sich irgendjemand für Ihre Werke interessiert?“ geantwortet:

Ich bin nicht anders als andere Menschen, und wenn mich diese Sachen ansprechen und bewegen, wird es auch andere Menschen geben, die dadurch angesprochen und bewegt werden. (Spontaner Dialog 1973)

» Credo

Erst im letzten Jahr ist mir eine einleuchtende und befriedigende Antwort dazu eingefallen. Dazu muss ich etwas ausholen.

Als Erwachsener war mir immer sehr gegenwärtig, dass mir ungefähr im Alter von 16 Jahren die Frage aufstieß, warum ich auf dieser Welt bin, warum ich lebe, was ich hier soll, was meine Aufgabe ist.

Diese Frage selbst schon voraus, dass es da eine Instanz gibt, die etwas von mir will, die etwas von mir verlangt, die mir etwas zutraut, der ich gefallen will. So klar habe ich damals allerdings nicht analysiert. Immerhin war mir deutlich, dass ich zur Beantwortung dieser Frage nicht meine Eltern zu bemühen brauchte.

An Gott wollte ich aber nicht wirklich glauben. Er hatte sich mir nicht offenbart - jedenfalls nicht so, dass ich es hätte erkennen können - und die Kirche hatte mir den Zugang eher verbaut, die Konfirmation bedeutete mir nichts, ich wollte aus der Kirche austreten, sobald ich mein Elternhaus verlassen hatte, was ich auch tat. Ich sah mich als sekulären Menschen, als Atheisten, als Kind des wissenschaftlichen Zeitalters, für das Gott lediglich als Zweckkonstruktion galt und mittlerweile entbehrlich war.

Eine solche Frage nach dem Sinn und der Aufgabe einer Existenz mag merkwürdig sein, aber es könnte gut sein, dass jeder Mensch im Laufe seiner Entwicklung auf diese Frage stößt. Selbstverständlich hatte ich damals keine Antwort auf diese Frage und verstand sie später auch eher vordergründig, etwa in Bezug auf meine berufliche Ausrichtung. Ursprünglich war die Frage schon ganz deutlich existenziell gemeint, hatte also einen religiösen Charakter, aber ich konnte auf dieser Ebene nicht mit ihr umgehen.

Da die Berufswahl ein paar Jahre später nicht warten konnte, interpretierte ich diese Frage also in diesem Licht. Wie kann ich herausfinden, was ich überhaupt kann, was ich am besten kann, wie ich der Gesellschaft und Menschheit am besten diene? Was kann ich, was können andere besser als ich, was kann nur ich? Dabei hatte ich den Eindruck, dass fast alles, was ich konnte, andere besser konnten. Bis ich dann im Alter von 25 Jahren, kurz vor meiner Promotion, genauer bei der Produktion von » Nr. 172, das Gefühl bekam, niemand könne solche Bilder malen wie ich.

Das war doch eigentlich die Antwort auf meine Frage, und ich hätte erleichtert und zufrieden sein sollen, stattdessen bekam ich fast die Panik. Aber die eigentliche Antwort hatte ich schon ein paar Jahre früher gefunden, ohne es zu erkennen. Als es nämlich Zeit war, mein Studium zu beenden und mit meiner Diplomarbeit anzufangen, ging es mir sehr schlecht. Ich versuchte, meine Probleme zu analysieren, und fand, dass ich einfach zu viele davon hatte, dass die sogar wie in einem Gewebe miteinander verflochten waren, und dass es hoffnungslos erschien, alle diese Probleme lösen zu können.

Da erinnerte ich mich an eine Erfahrung aus meinen frühen Kindertagen, als ich in die erste oder zweite Klasse ging und wir Jungs alle immer irgendwelche Schnüre in den Taschen hatten, die sich dort natürlich verknoteten. Beim Auflösen dieser Knoten gerieten viele an die Grenzen ihres Leistungsvermögens, sie verzweifelten oder platzten vor Wut. Ich hingegen wurde ganz ruhig, ging systematisch vor, versuchte das Problem zu vereinfachen, beispielsweise ein Ende des Fadens zu finden und zu isolieren und von dort aus das Knäuel zu entwirren, was wir „tuntern“ nannten, und konnte auf diese Weise jedes Knotengewirr lösen. Man nannte mich schließlich anerkennend „Tunterbock“, der Beste beim Tuntern.

So stellte ich mir mein Problemknäuel als flaches Gewebe vor und versuchte einen Faden zu erwischen und daran zu ziehen, um damit möglicherweise nicht nur ein, sondern alle Probleme lösen zu können. Am einfachsten schien es mir, die Diplomarbeit in Angriff zu nehmen. Ich glaubte mich mit 23 Jahren so gut zu kennen, so gut zu wissen, wie ich funktioniere, dass ich mich würde manipulieren können. Mein Antrieb wäre die zu erhoffende Anerkennung meines Vaters. Auf die konnte ich nun allerdings und im Zusammenhang mit der Mathematik nicht hoffen. Also käme es darauf an, unter den Professoren eine Vaterfigur zu finden, für die ich eben diese Arbeit anfertigen würde. Das würde mir die nötige Kraft und Entschlossenheit geben, damit könnte ich meine Paralyse überwinden. Das funktionierte auch wunderbar.

Vor zwei Jahren habe ich einen Schriftsteller gefragt, für wen er denn seine Aufsätze veröffentlicht, auf die er mich aufmerksam gemacht hatte. Da antwortete der lapidar: „Für den lieben Gott. Und wenn es sonst noch andere Leute interessiert, desto besser.“ Ja, das war eigentlich auch eine passende Antwort für mich, aber ich erkannte es immer noch nicht. Erst im letzten Jahr ging mir auf, dass ich eigentlich nicht meinen leiblichen Vater gemeint hatte oder den Professor, sondern den himmlischen Vater, der mich ja in diese Welt gesetzt hatte und mich mit 16 Jahren fragen ließ, was er mit mir vorhatte, was meine Aufgabe in dieser Welt sei. Für den male ich also, dem will ich gefallen.

Es muss so ungefähr 2005 gewesen sein, als ich zum ersten Mal den » kategorischen Imperativ oder die » Goldene Regel, so möchte ich es mal nennen, eigentlich ein Gebet, von » Yogananda hörte:

O Father, Mother, Friend, Beloved God! I will reason, I will will, I will act; but lead Thou my reason, will, and activity to the right things that I should do.

O Vater, Mutter, Freund, geliebter Gott! Ich will denken, ich will wollen, ich will handeln; doch lenke Du mein Denken, Wollen und Handeln, damit ich in allem das Richtige tue.

» Intuition: Insight of the Soul - Excerpts from the writings of Paramahansa Yogananda. Prayers and Affirmations

Das ungefähr war meine Haltung, die meine Lehrerkollegen ganz richtig als religiös erkannt und bezeichnet hatten: Ende der Siebzigerjahre war ich mal bei einem ebenso jungen Paar zu Besuch, die beide auch Religion unterrichteten. Mitten in der allgemeinen Plauderei schauten die beiden sich an und meinten dann, ich sei sehr religiös. Damit verblüfften sie mich, das entsprach gar nicht meinem Selbstbild, also bat ich sie um Erläuterung. Sie schlossen das aus meiner Art, sehr genau zu beobachten und mich angemessen zu verhalten, vermutlich im Sinne des genannten Yogananda-Zitats.

Das passt ja auch sehr gut auf meine Art zu malen, wie mir gerade auffällt.

Die Anrede „Vater, Mutter, Freund, geliebter Gott“ ist ungewöhnlich. Yogananda hat von Gott oft als himmlischem Vater gesprochen. Gott war für Yogananda aber eher die göttliche Mutter als der himmlische Vater - diese Anrede ist also sein Zugeständnis an den Westen, für den Gott in der Regel männlich ist.

Gott ist natürlich weder männlich noch weiblich und überhaupt unfassbar, aber für uns Menschen eher greifbar, intellektuell und emotional, in einer menschlichen Gestalt. Eine solche Vermenschlichung Gottes ist für Yogananda nicht nur zulässig, sondern sogar empfehlenswert, weil man sich dadurch Gott leichter nähern kann. Die spöttische Bemerkung, wohl von » Bertrand Russell, dass der Gott der Pinguine, wenn sie einen haben, ein Pinguin sein muss, zeigt einfach nur, dass dieser nicht verstanden hat, worum es eigentlich geht.

Das hat Yogananda in seiner Jungfernrede im Westen 1920, die ich im letzten Jahr erstmals sorgfältig gelesen habe, sehr gut herausgearbeitet, erhältlich auf Deutsch unter » Religion als Wissenschaft. Wir alle suchen nach Glückseligkeit, ausnahmslos, und Glückseligkeit ist für ihn gleichbedeutend mit Gott. Daher sind wir alle zweifellos religiös.

Manche von uns sind allerdings fehlgeleitet, was die Sache etwas schwieriger macht. Als Schwerverbrecher beispielsweise wird man Glückseligkeit kaum erlangen können. Geld, Macht, Sex, Ruhm sind alle nicht das, wonach wir suchen. Daher die bodenlose Enttäuschung derjenigen, die diese Scheinziele erreicht haben und anschließend erleben mussten, dass sie dadurch keineswegs den Zustand erreichten, den sie sich erhofft hatten.

Wenn man sich dies nun vergegenwärtigt: Verwundert es, dass mir meine Frau vor 10 Jahren, kurz nachdem wir uns kennengelernt hatten, auf den Kopf zugesagt hat, ich würde in meinen Bildern Gott suchen? Man muss es freilich erkennen können.

Ich konnte damals eine solche Aussage weder verstehen noch annehmen. Aber inzwischen glaube ich, dass sie recht hat. Dieses Bild beispielsweise kann durch die Einführung und Behandlung des Todes nicht anders als existenziell gelesen werden. Es geht anscheinend um die Frage, wie man richtig lebt, damit man richtig sterben kann. Denn sterben muss man, dieser unumstößlichen Tatsache muss man ins Auge schauen, diese ist sicher, wenn auch sonst nichts sicher ist.

Seit ich diesen Choral von » Johann Sebastian Bach gehört habe, ist er mir immer im Ohr: „Du musst sterben. Du musst sterben. Du musst sterben.“ Beispiel: » J.S. Bach - Cantata No.106 - Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit - BWV 106: 5. Chor: "Es ist der alte Bund, Mensch, du mußt sterben!" - 07:48.

Diese Aussage ist zwar unerbittlich, aber nicht hoffnungslos. Bach verbindet sie mit der frohen Gewissheit, noch im Augenblick des Todes mit Jesus Christus im Paradies zu sein. Das Paradies ist hier natürlich Symbol für den Zustand immerwährender Glückseligkeit, so dass endlich das Ziel der lebenslangen Suche erreicht ist. Der Tod hat seinen Schrecken verloren. Das Heil ist gewiss.

» Le pichet noir et la tête de mort, 02.02.1946, 32,3x44,4cm · © Copyright Werner Popken. 
Alle Kunstwerke / all artwork © CC BY-SA
» Crâne, oursins et lampe sur une table, 11.11.1946,  81x100cm · © Copyright Werner Popken. 
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 Ausschnitt · © Copyright Werner Popken. 
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» Nature morte au crâne, livre et lampe à  pétrole, 03.03.1946, 54x65cm · © Copyright Werner Popken. 
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» Tête  , 06.06.1972, 65,7x50,5cm · © Copyright Werner Popken. 
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Die » Memento Mori-Botschaft war furchterregend und sollte so sein. Die Angst vor der Hölle, vor den schrecklichsten Strafen ließ die Menschen zittern. Erst die Reformation stellte wieder den Heilsgedanken in den Vordergrund. Später sollte sie nicht so sehr Schrecken verbreiten als vielmehr an ein tugendhaftes Leben erinnern, an ein Leben im Angesicht des Todes, der eben Vieles relativiert.

Die Totenkopfstillleben früherer Jahrhunderte, auf die Picasso sich mit seinen vielen Stillleben mit Totenkopf nach dem Zweiten Weltkrieg bezieht, waren selbstverständlich religiös motiviert. Bei ihm sind es aber im Grunde lediglich formale Stilübungen (Beispiele: » Le Pichet noir et la tête de mort, Lithographie, » Crâne, oursins et lampe sur une table, » Nature morte au crâne, livre et lampe à pétrole [Vanité]).

Zwar war er katholisch getauft und erzogen, aber im Grunde doch ein abergläubischer Atheist und moderner Selbstüberschätzer, der sich selbst für Gott hielt, insbesondere unsterblich. Sein langer Kampf mit der Todesangst ist einfach nur schmerzhaft und peinlich, nachdem er sie zunächst zu verdrängen gesucht hatte.

Als er sie mit fast 91 Jahren doch endlich einmal unmissverständlich zu Papier brachte, erkannte er schon, dass er hiermit etwas Besonderes geschaffen hatte, nämlich ein Stückchen Wahrheit, wie er seinem Besucher Pierre Daix stolz berichtete: » PABLO PICASSO. SELF-PORTRAIT. Papier, Buntstifte. Das hieß natürlich nicht, dass er diese annehmen wollte oder konnte. Armer Kerl!

Bei Picasso ist der Tod, der aus seinem eigenen Antlitz spricht, ebenfalls furchterregend. Es gibt keinen Trost, keine Rettung, kein Heil, nur Angst und Schrecken. Aber noch mehr spricht aus diesem Bild: Das Entsetzen, am Ende mit leeren Händen dazustehen. Mein Tod hingegen ist nicht unbedingt furchterregend, sondern eher lustig und jovial. Der kommt ganz locker daher, mit einem schiefen Grinsen, und tut seinen Job, als sei dieser das Selbstverständlichste von der Welt - was er ja auch ist.

Das Furchterregende an ihm ist die Fremdheit, die Unbedingtheit, die Entschlossenheit, sich nicht in seinem Tun aufhalten zu lassen, das Wissen, unbesiegbar zu sein, der leicht irre Blick, das absolute Desinteresse an der Aufnahme einer Beziehung. „Komm mit - jetzt ist Schluss, nun wird Bilanz gezogen.“ Von Diskussion ist keine Rede. Ausreden gelten nicht.

Interessant, dass Picasso sich rote Haare macht, und zwar in ziemlich genau demselben Farbton wie bei meinem Tod. (Ich glaube nicht, dass ich dieses Bild 1974 schon gekannt habe - oder überhaupt habe kennen können. Ist es in Gallwitz: » Picasso laureatus enthalten? Dieses Buch aus dem Jahr 1971 könnte ich damals schon besessen haben. Ich habe es 1978 an die Stadtbibliothek Bielefeld verkauft und 2009 antiquarisch in einer Neuausgabe erworben, kann es aber im Moment nicht finden, diese Frage also nicht beantworten.)

(Nachtrag 16.01.2013: Inzwischen habe ich das Buch nochmals antiquarisch erworben, ebenfalls die Neuausgabe von 1985. Die Zeichnung wird ganzseitig auf Seite 206 abgebildet, allerdings sehr blass und bei weitem nicht so eindrucksvoll. Da mich dieses Buch durch das Beispiel Picassos dazu angeregt hatte, auf Wellpappe zu malen, und die Arbeiten auf Wellpappe -  Nr. 92 und  Nr. 96 - schon im Januar dieses Jahres entstanden waren, muss ich die Zeichnung gekannt haben. Aber halt, nein - völlig falsch! Die Werke der letzten beiden Lebensjahre sind erst in der Neuausgabe 1985 hinzugekommen. Ich kann dieses Bild also 1974 wirklich nicht gekannt haben.)

Der Dialog zwischen Jung und Alt findet anscheinend auf einer anderen Ebene statt, weder der Jüngling noch der oder die Alte scheinen den Tod zu bemerken. Während die rechte Figur sich kaum aus dem Sessel zu erheben in der Lage scheint, wenn auch vielleicht nur aus Bequemlichkeit, erscheint die linke knackig, energiegeladen und bereit, in die Welt hinauszuziehen und jedwede Herausforderung anzunehmen, was immer das sei.


Alt und Jung ist natürlich ein Gegensatz, das Alte muss abtreten, ist aber erfahren, das Junge muss diese Erfahrungen erst noch sammeln, ist dafür aber ganz frisch und unerschrocken. » Steve Jobs hielt den Tod für die „beste Erfindung des Lebens“, weil das Alte absterben müsse, um dem Neuen Platz zu machen (» „You’ve got to find what you love,“ Jobs says). Das Alte muss endlich Bilanz ziehen und darüber urteilen, ob das Leben gelungen ist. Das Junge muss sich Gedanken darüber machen, wie das Leben gelingen kann. Das Alte sollte dem Jungen dabei Hilfestellung leisten, sofern sie gefragt ist. Oft wollen die Jungen ja ihre Fehler selber machen dürfen.

„Komm mit!“ - das kann schließlich auch als Einladung gewertet werden, nun endlich das Jammertal des Lebens verlassen zu können und wieder in das Paradies zurückkehren zu dürfen. Siehe bei Bach: 6. Arie und Chor: "Ja, komm, Herr Jesu, komm!" - 08:45, 8. Arioso: "Heute wirst du mit mir im Paradies sein" - 13:48, 9. Arie und Choral "Mit Fried und Freud ich fahr dahin" - 14:57 (a.a.O.).

An dieser Stelle muss ich wohl den Eindruck gehabt haben, dass auch hier die von » Gauguin 1897 thematisierte Fragestellung » „Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?“ angesprochen wird und interessierte mich deshalb dafür, wer für diese Formulierung verantwortlich zeichnet. So bin ich auf einen Beitrag gestoßen, der mich wiederum reizte, auch andere Beiträge dieses Autors zu lesen und diesem schließlich eine E-Mail zu schreiben, die ich vielleicht nie abschicken werde. Darüber hatte ich ganz vergessen, aus welchem Grunde ich diese Frage zu diesem Bild assoziierte.


»  Paul Gauguin: D

Irgendwie bin ich im Zuge der Recherchen zu dieser E-Mail auf eine Nachricht gestoßen, die mir entgangen war. Im Oktober 2012 ging durch die Presse, dass ein amerikanischer Neurochirurg (» Eben Alexander) ein Buch mit dem Titel » Proof of Heaven: A Neurosurgeon’s Journey into the Afterlife veröffentlicht hatte, in dem er seine Koma-Erlebnisse als Leben nach dem Tode und Begegnung mit Gott beschreibt.

Zuvor war er ein Skeptiker wie alle modernen Wissenschaftler und glaubte insbesondere als Hirnspezialist Nahtoderlebnisse gut erklären zu können, als Funktion des Gehirns nämlich, als Halluzination, wie es ja auch gar nicht anders sein konnte, da für ihn das Bewusstsein ein Produkt der Materie Gehirn war (» Heaven Is Real: A Doctor’s Experience With the Afterlife).

Nun ist er davon überzeugt, dass das materialistische Modell unhaltbar ist und das Bewusstsein unabhängig von der Materie existiert. Das war dann mein Thema für das » Editorial der Ausgabe 719 meiner Pferdezeitung. Der Tod, so haben schon viele berichtet, die klinisch tot waren, ist also keineswegs schrecklich, zumindest nicht notwendigerweise, sondern in vielen Fällen außerordentlich schön.

Mit 18 Jahren, kurz nach dem Abitur, habe ich mich mit einer Mitschülerin darüber unterhalten, wie beklagenswert es doch ist, dass wir so wenig wissen und die Alten uns ihre Erfahrungen nicht mitgeben können. Ich fand es schrecklich, dass jeder Mensch wieder von vorne anfangen muss. Vermutlich habe ich mich auch ein bisschen von dem gefürchtet, was vor mir liegt. Auf jeden Fall aber war ich mir der Problemstellung bewusst: Ich wollte ein gelungenes Leben verwirklichen. Nur wie?

Diese Frage beschäftigt mich 46 Jahre später noch immer - beispielsweise habe ich die erwähnte Rede von Steve Jobs zweimal in Editorials verarbeitet und in Haikus verdichtet:

Tod als Ratgeber.
Sind wir denn nicht jetzt schon nackt?
Wir müssen sterben.

» Steve Jobs, 24.06.2012

Die Zufriedenheit.
Mit sich selbst, seinem Leben.
Kommt es darauf an?

» Lebensreise, 28.10.2012

Im August 1974 habe ich natürlich nicht vorgehabt, das Thema Tod zu illustrieren. Wie immer sind die Figuren zu mir gekommen und ich habe mich bemüht, ihnen gerecht zu werden. Als junger Mensch habe ich selten über den Tod nachgedacht. Keine Ahnung, warum der plötzlich in diesem Bild auftaucht - es gab jedenfalls keine aktuelle Situation, die damit zusammenhängen könnte. Dieses Bild ist eben keine Illustration, ich veranschauliche keine Gedanken oder Konzepte, sondern im Gegenteil tritt mir im Bild eine Wirklichkeit entgegen, die mir unbekannt ist, mit der ich mich auseinandersetzen muss oder kann oder darf - ich kann sie auch einfach nur genießen und wirken lassen.

Bemerkenswert ist vielleicht auch, dass im Gegensatz zu einigen der Bilder zuvor das weibliche Element in diesem Bild völlig fehlt, sofern man die rechte Figur nicht als weiblich empfindet. Wollte man dies tun, wäre bei dieser Interpretation verglichen mit den Paardarstellungen davor zumindest der eklatante Altersunterschied zu notieren, der ebenso wie die Konstallation an sich eher ein Mutter-Sohn- als ein Liebesverhältnis suggeriert.   Kommentar   Simulation Wohnumgebung   Museumsszenario   Museumsszenario   No. 188   Top   No. 186




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